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Global Brain (Glossar)


Fachwörter


Grundidee


Das Global Brain oder weltweite Gehirn ist ein Sinbild für einen möglicherweise entstehenden globalen Organismus mit eigenständiger Intelligenz und Psyche. Die Idee geht zurück bis in die Antike. Hier stehen von A bis Z kurz vorgestellt Fachwörter, Konzepte und Schriftsteller zur Idee eines Global Brain.

Albedo


Der Gaia-Theorie von James Lovelock und Lynn Margulis zufolge kann die Erde ihr Albedo aktiv in einem für Leben günstigen Bereich halten. Eine solche Fähigkeit zur Selbstregulation ist typisch für Lebewesen. Lovelock ging jedoch nicht davon aus, dass die Erde, seine Gaia, ein beseeltes Wesen sei. Mehr unter Albedo ↗

Albert Schäffle


Der Österreicher Albert Schäffle (1831 bis 1871) nahm die Existenz eines lebenden, "sozialen Körpers" mit eigenem Bewusstsein an. Siehe auch Albert Schäffle ↗

Ameise-Intelligenz


Die meisten naturwissenschaftlich motivierten Autoren modellieren das Global mehr im Sinne einer kollektiven Intelligenz. Soziale Ameisen gelten als prototypisches Modell für eine kollektive Intelligenz: das Ganze scheint mehr zu sein als die Summe der einzelnen Teile. Siehe auch Ameise ↗

Analogie (Biologie)


Die Idee eines Global Brain wird von Skeptikern als bloße äußerliche Analogie zurückgewiesen. Der Ähnlichkeit zwischen der Architektur des Internets und von Zellen in einem Gehirn werden von Skeptikern keine überzeuenden funktionalen Entsprechungen zugestanden. Eine Ähnlichkeit mancher Merkmale, ohne dass dabei auch zwingend andere, wesentliche Merkmale gleich sein müssen nennt man eine Analogie ↗

Anthropismus: der Mensch im Überwesen


Als Anthropismus bezeichnet man die Position, dass der Mensch im Weltgeschehen eine besondere Rolle spielt. Damit tut sich die Frage auf, ob er in einem Globalen Überwesen seine eigentliche Bestimmung erlangt (Joel de Rosnay) oder aber von dem Überwesen vereinnahmt und versklavt wird (Kazem Sadegh-Zadeh). Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass die Interessen eines Global Brain als Überorganismus Vorrang haben vor den Interessen seiner Bestandteile. Ein strenger Anthropismus, in dem der Mensch eine konkurrenzlose Vorrangstellung im Universum hätte, wäre damit aufgehoben. Siehe auch Anthropismus ↗

Autonomie im Überwesen


Autonom heißt so viel wie sich selbst die Gesetze gebend, also frei oder selbstbestimmt. Im Hinblick auf ein globales Überwesen entsteht die Frage, ob es bloß ein End-Effekt der Handlungen seiner Bestandteile ist oder ob ihm eine eigene Wesenshaftigkeit zugestanden werden muss, die eher ihre Bestandteile steuern kann und damit im eigentlichen Sinne autonom wäre. Mehr unter Autonom ↗

Backpropagation


Keine der bis 2022 gesichteten Theorien zu Entstehung eines globalen Überwesens lieferte einen plausiblen Mechanismen, wie das globale Gehirn unter Nutzung von Mechanismen neuronaler Intelligenz lernen könnte. Möchte man aber das konzept neuronaler Netze auf das Globale Gehirn anwenden, muss ein solcher Mechanismus forumuliert werden. Einer von mehreren solcher Mechanisen ist die sogenannte Backpropagation ↗

Berufskörper


Das Wort gehört in die Energon-Theorie des Zoologen Hans Hass. Ihm zufolge bilden vor allem Unternehmen Strukturen und Mechanismen lebender Körper aus. Sein Ansatz ist insofern bedeutsam, da seine Wesen nicht weltumfassend gedacht sind, sondern eher räumlich klein. Seine Gebilde wären weniger ein Global Brain als vielmehr ein Local Brain, oder einfach nur eine Intelligente Organisation. Eine erste Vorstufe zu intelligenten, wesenhaften Unternehmen und Staaten sah Hans Hass im kleingewerblichen Berufskörper ↗

Bewusstsein


Wie Bewusstsein mit möglichen materiellen Strukturen zusammenhängt, ob es Materie erschafft, von ihr bedingt ist oder mit ihr interaktionistisch wechselwirkt gehört mit zu den größten Rätseln der Wissenschaft. Wenn Autoren globalen Überwesen ohne eine tiefgehende Begründung Bewusstsein zuschreiben handelt es sich eher um eine Spekulation als feste Tatsachen. Mehr unter Bewusstsein ↗

Bien


Als Bien bezeichnen oder bezeichneten Imker die Gesamtheit eines Bienenvolkes. Es entspricht damit gedanklich dem Ameistenstaat oder einer Termitenkolonie. Mit dem Wort Bien als Substantiv wird die individuelle Wesenhaftigkeit des Kollektivs betont. Mehr unter Bien ↗

Biologische Modelle


Eine Formel kann ein Modell sein für das Wachstum eines Baumes: Modelle sind vereinfachte Vorstellungen realer Dinge oder Abläufe. Wesentlich für eine naturwissenschaftliche Handhabbarkeit ist, dass die Modelle empirisch überprüfbare Vorhersagen über ihre realen Vorbilder erzeugen müssen. Solche Modelle sind zurzeit (Stand 2022) im Bezug auf ein Globales Gehirn noch nicht formuliert. Mehr unter Biologische Modelle ↗

Biomathematik


Die Biomathematik wäre als Fachdisziplin möglicherweise in der Lage, Modelle aus dem Bereich neuronaler Netze auf soziale oder IT-kommunikative Abläufe und Strukturen zu übertragen. Mehr unter Biomathematik ↗

Biozönose


Etwa die verschiedenen Lebewesen einer Austernbank in der Nordsee bilden eine Biozönose, wörtlich eine Lebensgemeinschaft. Verschiedene Autoren sehen in den engen symbiotischen Beziehungen zwischen Menschen, Maschinen und auch anderen biologischen Lebensformen eine Art Biozönose und damit eine mögliche Vorstufe zu einem stärker individualisierten Lebewesen. Mehr unter Biozönose ↗

Caenorhabditis elegans


Ein nur wenige Millimeter langer Fadenwurm: das Besondere an ihm ist die geringe Anzahl (bei Männchen immer genau 385) von Neuronen. Der Wurm eignet sich damit hervorragend zur Untersuchung neuronaler Intelligenz auf zellulärer biologischer Ebene. Mehr unter Caenorhabditis elegans ↗

Content-Syndication


RSS, Webfeeds, Channels und ähnliche Technologien: die Inhalte verschiedener Internetseiten werden durch programmierte Kanäle verbunden und teilen dadurch Inhalte. Sehr verbreitet ist das zum Beispiel für Anbieter und Nutzer von täglichen Nachrichten, Börsenkursen. Die entsprechende Technologie wird hier als Präadaptation eines zukünftigen Global Brains betrachtet. Mehr unter Content-Syndication ↗

Cyberpunk


Eine degenierte, hoffnungslos erscheinende Menschheit inmitten einer hochtechnisierten Umwelt: dystopische Visionen eines Lebens im globalen Gehirn tendieren oft in diese Richtung. Mehr unter Cyberpunk ↗

Cybersaprobiont


In seiner dystopischen Vision der Machina sapiens wird der Mensch bloß ein Fäulnisbewohner des Internets sein. Mehr unter Cybersaprobiont ↗

Daisyworld


Ein detailliert ausgearbeitetes mathematisches Modell mit Differentialgleichungen, wie die Erde mit Hilfe spezieller Pflanzen ihre Oberflächentemperatur in einem engen Korridor halten könnte. Die Grundidee des Modells ist recht einfach. Mehr dazu unter Daisyworld ↗

Darwinismus


Verschiedene Autoren sehen in einer darwinistisch evolutionär getriebenen Konkurrenz von Menschen, Firmen und Staaten einen Antriebsmotor zur positiven Selektion immer höherer Formen kollektiver Intelligenz. Die Entstehung globaler Überwesen betrachten manche Autoren (z. B. Kazem-Sadegh) als historisch unausweichlich in einem marxistischen Sinn. Siehe auch Darwinismus ↗

Denkkollektiv


So bezeichnete der polnische Mediziner und Naturphilosoph Ludwik Fleck Gruppen von Menschen, die sich gemeinsam einem Denkstil verschrieben haben. Für die Idee eines Global Brain ist das insofern interessant, als dass sich darüber mögliche Mechanismen einer Ausdifferenzierung menschlicher Individuen ähnlich wie ausdifferenzierten Zellen in einem Organismus andeuten. Es könnten sich beispielsweise besondere Denkstile für Menschen in kognitiven Bereichen (Forschungsinstitut?) des Global Brain ausbilden sowie davon veschieden in eher emotional-bewertenden Bereichen (Kulturbetrieb?). Mehr unter Denkkollektiv ↗

Der eindimensionale Mensch


Der Sozialforscher Herbert Marcuse skizzierte in seinem gleichnamigen Klassiker aus dem Jahr 1964 den Zustand des Menschen in der US-amerikanischen Konsumgesellschaft der 1950er Jahre: der individuelle Mensch ist zunehmend reduziert auf die Ausübung vorgefertiger Handlungs- und Denkschemata. Das operationale Denken hat Fragen nach Sinn und Bedeutung vollständig verdrängt. Die Vorstellung passt zur Idee einer funktionalen Festlegung des Menschen als bloß funktionale Zelle im Global Brain als Überorganismus. Siehe auch Der eindimensionale Mensch ↗

Desinformation


Erfolgreiche Desinformation in der alltäglichen politischen Auseinandersetzung führt uns eindringlich vor Augen, wie schwer es ist, sich selbst ein zuverlässiges Bild von der Realität zu machen. Das wird teilweise beklagt. In der Analogie von Gesellschaften mit den Zellen in einem Global Brain kann man jedoch fragen, ob nicht auch eine einzelne Nervenzelle im Gehirn keine Chance hat, etwas über die Realität außerhalb des Körper zu erfahren und ob dies nicht eine zwangsläufige Notwendigkeit für Individuen in hochkomplexen Überwesen sein muss. Mehr unter Desinformation ↗

Doppeldenk


Ein Wort des englischen Schriftstellers George Orwell (Farm der Tiere, 1984). Orwell bezeichnete damit die eindrucksvolle Fähigkeit von Menschen zwei widersprüchliche Aussagen gleichzeitig als wahr akzeptieren zu können. Aus Sicht der Global Brain Metapher könnte es den Teil-Individuen eines Überorganismus ganz generell so ergehen, dass es es höhere Sinnstrukturen im eigenen Kopf nicht mehr auflösen kann (die Zelle versteht nichts von Politik) und sozusagen ständig mit Widersprüchen operieren muss. Mehr unter Doppeldenk ↗

Dystopie


Eine schreckliche, pessimistisch gezeichnete Zukunft: während die meisten Autoren ihre eigene Variante des Global Brain meist als erstrebenswert beurteilen (Rosnay, Stock, Russell), gibt es auch Stimmen, die in der Ausbildung eines globalen Überwesens düstere, dystopische Aspekte sehen (Sadegh-Zadeh, Turchin). Mehr unter Dystopie ↗

Echoraum


Menschen spielen sich gegenseitig nur gleiche Inhalte und gleiche Meinungen zu: positiv gedeutet kann ein Echoraum einen Gruppe über eine längere Zeit hinweg auf ein Thema fokussieren. Hier wäre zu fragen, ob nicht auch Verbände von Nervenzellen in einem Gehirn davon profitieren, wenn sie ähnliche Echoräume bei der Ausbildung konkurrierender Erregungsmuster im Gehirn bilden. Die Mechanismen zur Ausbildung von Echoräumen könnten eine Präadaption zur Steuerung kollektiver Aufmerksamkeit sein. Mehr unter Echoraum ↗

Empirismus


Ein Schwachpunkt, der aber möglicherweise nicht behoben werden kann, fast jeder Theorie zu einem global Brain: keine der Theorien beinhaltet Vorschläge, wie man sie durch Versuche oder Beobachtungen mit Vorhersagen empirisch überprüfen könnte. Das ist aus Sicht der Naturwissenschaften ein erheblicher Mangel. Die Theorien genügen nicht dem Anspruch des Empirismus ↗

Endomorphismus


In der Theorie der Machina sapiens eine Abbildung von Innenzuständen der sogenannten Globalmaschine, dem Weltorganismus, in sich selbst. In einer Psychologie des Global Brain könnte man von Selbstbildern oder Innenrepräsentationen sprechen. Neben rein semantischen Beschreibungen kann man hier auch an Teile eines sich abzeichnenden Metaverse denken. Siehe auch Endomorphismus ↗

Energon


Als Energon bezeichnete der Zoologe Hans Hass die zentrale Lebenseinheit seiner Energon-Theorie. Ein Energon kann ein Tier, eine Pflanze, ein Unternehmen oder auch ein Staat sei. Die Mechanismen des Lebendigen abstrahiert Hass so weit, dass sich die veschiedenen Gebilde als Ausdruck eines Prinzips deuten lassen. Mehr unter Energon ↗

Erdgeschichte


Von Atomen über Moleküle zu Zellen, Zellkolonien, Individuen, Herden und nun vielleicht zu symbiotischen Lebensformen aus Maschinen und Menschen: verschiedene Denker glauben in der Erdgeschichte eine sich immer neu wiederholende Vereinigung von kleinen Bausteinen auf ständig höheren Ebenen der Komplexität zu erkennen. Mehr unter Erdgeschichte ↗

Erweiterter Geist


Ein Konzept der Philosophen David Chalmers und Andy Clark: bewusste, mentale Prozesse sind nicht an biologische Gehirne gebunden sondern können sich auch auf mehrere Menschen oder scheinbar tote Objekte erstrecken. Siehe auch erweiterter Geist ↗

Erwerbsorganisation


In der Energon-Theorie des Zoologen Hans Hass ist die Erwerbsorganisation eine Vorstufe zu einem Energon, einem kybernetischen Lebewesen. Die Erwerbsorganisation (z. B. eine Fabrik) ist eine Stufe komplexer als der Berufskörper (z. B. ein Schuster). Mehr unter Erwerbsorganisation ↗

Evolution


Die biologische Evolution auf der Erde begünstigt die Entstehung ständig komplexerer Lebensformen. Über die Jahrmilliarden beobachtet man dabei, dass sich immer wieder Individuen zu kollektiven Überindividuen zusammengeschlossen haben. Komplexität scheint einen evolutiven Vorteil zu haben. Mehr unter Evolution ↗

Evolutionäre Transitionen


Sprünge in der Qualität von Lebensformen: RNA, DNA, eukaryotische Zellen, Mehrzeller und Sozietäten: der Biologe John Maynard Smith und der Physiker Valentin Turchin untersuchten solche Übergänge zu neuen Qualitäten unter dem Stichwortevolutionäre Transitionen. Beide extrapolierten die erdgeschichtliche Entwicklung hin zur Entstehung von Überwesen aus der Mensch-Maschinen-Technosphäre. Siehe auch evolutionäre Transitionen ↗

Evolutionsökonomik


Wirken die Mechanismen einer darwinistisch interpretierten biologischen Evolution auch im Wirtschaftsgeschehen? Sind Unternehmen die in Analogie zu individuellen Lebewesen, die miteinander konkurrieren? Kann man verschiedene Branchen der Wirtschaftswelt in Analogie zu Gewebestrukturen in biologischen Organismen deuten? Grundlegend für eine entsprechende Modellbildung ist es hier, das Analogon zur Erbinformation in ökonomischen Abläufen zu definieren. Mehr unter Evolutionsökonomik ↗

Falsifizierungsprinzip


Nur dann wenn eine Theorie auch angibt, wie man sie zumindest theoretisch widerlegen könnte, gilt sie dem Wissenschaftstheoretiker Karl Popper zufolge als wissenschaftlich. Wie also könnte man Theorien eines Global Brain widerlegen? Lies mehr dazu unter Falsifizierungsprinzip ↗

Francis Heylighen


Francis Paul Heylighen ist ein belgischer Hochschullehrer an der niederländisch-sprachigen Freien Universität Brüssel. Sein Hauptinteresse liegt bei emergenten intelligenten Organiationen und der Idee eines Globalen Gehirns. Zusammen mit Valentin Turchin und anderen baute er in der Zeit um das Jahr 2000 die renommierte Internet-Seite Principia Cybernetica Web auf. Siehe auch Francis Heylighen ↗

Freier Wille


Viele Autoren zu globalen Überwesen sprechen dem Global Brain ausrücklich Willen und Bewusstsein zu. Oder aber sie unterstellen dies indirekt durch den Gebrauch handlungsbezogenener Worte (steuert, stabilisiert etc.) Aber ähnlich wie das Wort Bewusstsein deutet auch der Begriff Freier Willer eine große Menge an ungelösten und schwerwiegenden philosophischen Problemen an. Da bereits im Bezug auf einzelne Menschen nur schwer definierbar ist, was ein Freier Wille genau sein soll, erscheint es fragwürdig, ob man diesen Begriff ohne Weiteres auf hypothetische Überwesen anwenden sollte. Mehr unter Freier Wille ↗

Gaia-Hypothese


Die Gaia-Hypothese besagt, dass die Erde als Ganzes, insbesondere ihre Biosphäre, Mechanismen einer Selbstregulierung zeigt, die sonst eigentlich nur Lebewesen zukommen. Gaia ist die Erde als griechische Göttin personifiziert. Einer der Urheber der Idee, James Lovelock, betonte jedoch mehrfach, dass seine Idee einer Gaia weder Bewusstsein noch Wille mit einschließen sondern sich auf rein naturwissenschaftlich beschreibbare Phänomene bezieht. Mehr unter Gaia-Hypothese ↗

Geozentrisches Weltbild


Die Erde als Mittelpunkt der Welt und der Mensch als die wichtigste Lebensform darauf: Theorien eines Global Brain hinterfragen zwar nicht einen Geozentrismus, jedoch die überragende Stellung des Menschen als höchstes Wesen der Schöpfung. Mehr unter geozentrisches Weltbild ↗

Global Brain


Schon in der Antike gab es panpsychistische Vorstellung beseelter Himmelskörper. Dass die Erde als Ganzes oder Teile von ihr (Staaten, Unternehmen) beseelte Einzellebewesen sein könnten wurde dann seit dem 19ten Jahrhundert zunehmen auch mit wissenschaftlichem Anspruch formuliert. Der Begriff eines Global Brain, eines Weltgehirns, wurde erstmals im Jahr 1983 verwendet. Global Brain steht heute vor allem für ein weltweites Wesen mit dem Internet als Grundstruktur einer neuronalen Form von Intelligenz. Mehr unter Global Brain ↗

Globaler Organismus


Global heißt weltweit und Organismus steht für eine individuell abgrenzbare Lebensform. Viele Visionen aus den 1990er bis frühen 2000er Jahren sahen das Internet und die stark globalisierten internationalen Wirtschaftsprozesse als Bausteine eines entsehenden Weltgehirns. Offen ließen die Autoren meist die Frage, warum diese Lebensformen nicht etwa auch auf der Stufe von Kontinenten, Ländern oder Unternehmen entstehen sollten. Mehr unter Globaler Organismus ↗

Globaler Superorganismus


Das Wort Superorganismus wurde mehrfach zur Beschreibung von hypothetischen globalen Wesens verwendet. Das lateinische super bedeutet dabei so viel wie über im Sinne von übergeordnet. Das Wort Superorganismus ist aber insofern problematisch, da es innerhalb der Biologie oft ausdrücklich nur für Überwesen verwendet wird, deren konstituierenden Individuen alle von der gleichen Art sind (z. B. Ameisenstaaten). Der Begriff würde so definiert nicht mehr auf ein Global Brain aus Menschen und Maschinen passen. Mehr unter Globaler Superorganismus ↗

Hans Hass


Hans Hass wurde vor allem in den 1960er Jahren als Pionier des Tauchsports und als Biologe bekannt. 1970 veröffentliche er seinen Klassiker zur Energon-Theorie. Dieser Theorie zufolge sind Tiere, Pflanzen, Menschen, Unternehmen und Staaten allle ähnlich als Lebewesen beschreibbar. Wie viele Bücher aus der Zeit von 1960 bis etwa 2000 ist es stark durch ein kybernetisches Vokabular geprägt. Mehr unter Hans Hass ↗

Hebbsche Regel


Verbindungen zwischen Nerven, die öfters genutzt werden, bilden sich auch stärker und auch mit einem Vorrang gegenüber anderen Nervenverbindungen aus. Dieses als Hebbsche Regel bekanntes Prinzip wird oft als Grundmechanismus neuronalen Lernens in Nervengeflechten aber auch von Kommunikationsnetzen des Internet zitiert. Der Mechanismus selbst garantiert jedoch kein Lernen, ihm fehlt die für Lernen nötige Anbindung an ein Erfolgsmaß. Mehr unter Hebbsche Regel ↗

Holismus


Der Teil ist mehr als das Ganze: als Holismus bezeichnet man die Position, dass es Phänomene gibt, die sich nicht eindeutig als Summe von Teilen eines Ganzes beschreiben lassen. Man spricht auch von Emergenz. Der Holismus ist damit eine Gegenposition zum Atomismus oder Reduktionismus. Im Bezug auf ein Global Brain ist der Holismus insofern interessant, da aus seiner Sicht das globale Gehirn Phänomene zeigen könnte, die sich nicht alleine aus der Analyse seiner Teile ableiten ließen. Holistisch emergieren könnten zum Beispiel Bewusstsein und Wille, die dann irgendwie auf die Teile (Menschen, Maschinen) kausal zurückwirken. Mehr unter Holismus ↗

Holismus und Evolution


Der Südafrikaner Jan Christian Smuts veröffentlichte in den 1920er Jahren eine Theorie, der zufolge die biologische Evolution auf der Erde eine Fortsetzung in der geistigen und menschlichen Sphäre bis ins Politische erfährt. Mehr unter Holismus und Evolution ↗

Homo Symbioticus


Homo im Sinne der Evolution steht für Vertreter der Gattung Mensch. Der erste Homo in diesem Sinne war der Home erectus. Der Franzose Joel de Rosnay nennt den Menschen innerhalb seines hypothetischen Globalen Überwesens (Kybiont) einen Homo symbioticus, einen Menschen, der im Einklang zum gegenseitigen Nutzen in dem Überwesen lebt. Mehr unter Homo ↗

Howard Bloom


Der US-Amerikaner Howard Bloom veröffentliche seit den 1990er Jahren mehrere beachtenswerte Bücher in denen er bereits in Algenkolonien der erdgeschichtlchen Frühzeit kollektive Lebensformen erkennt. Er extrapoliert die entsprechenden Mechanismen hin bis zu technosozialen Strukturen der Jetztzeit. Bloom arbeitet dabei detailliert Mechanismen sozialer Intelligenz aus. Er unterstreicht, dass das Wohl der Gruppe nicht automatisch auch das Wohl der Individuen bedeuten muss (Luzifer Prinzip). Mehr unter Howard Bloom ↗

Indifferentismus


Menschen sind der Welt oder dem Kosmos völlig egal, wir spielen im kosmischen Rahmen oder für mögliche Götter keinerlei Rolle: so dystopisch charakterisierte der US-Schriftsteller H. P. Lovecraft seine lebensphilosophische Grundhaltung. Im Bezug zu einem globalen Überwesen kann man in diesem Sinne fragen: würde es sich vielleicht genauso wenig für einzelne Menschen interessieren, wie sich ein einzelner Mensch für das Schicksal einer seiner Körperzellen interessiert? Mehr unter Indifferentismus ↗

Informationsverarbeitung in sozialen Systemen (1995)


Ein sehr bemerkenswertes aber leider kaum wahrgenommenes Buch des Psychologen Theo Gehm: darin beschreibt er eine Fülle kommunikativer Prozesse zwischen Menschen, die an die Verarbeitung von Informationen und Reizen in neuronalen Netzen erinnern. Die Mechanismen könnten zur Entstehung eines Global Brain beitragen. Mehr unter Informationsverarbeitung in sozialen Systemen (1995) ↗

Intelligente Organisation


Behörden, Armeen, Unternehmen, Staaten: lassen sich für diese Strukturen die Grundprinzipien von Intelligenz in Analogie zu menschlichen oder anderen biologischen Formen von Intelligenz beschreiben? Vor allem: kann man in ihnen Formen neuronaler Intelligenz erkennen? Man denke zum Beispiel an Backpropagation, synaptische Plastizität. Mehr dazu unter Intelligente Organisation ↗

Intelligenz


Ähnlich wie Bewusstsein, Information, Wille und Leben gehört auch Intelligenz zu den Worten, die sich nur schwer oder gar nicht befriedigend allgemeingültig definieren lassen. Was bereits für Menschen problematisch ist, dürfte für einen vermuteten Überorganismus erst recht schwer werden. Wie könnte man sich einen Intelligenztest für ein globales Gehirn vorstellen? Mehr unter Intelligenz ↗

Joel de Rosnay


Geboren 1937 wurde Joel de Rosnay später Biologe und Informatiker. Er verfasste einige populärwissenschaftliche Bücher, unter anderem auch über eine Version des techno-sozialen, planetaren Überwesens, den von ihm so genannten Kybiont ↗

John Maynard Smith


John Maynard Smith war ein Biologe, der sich vor allem mit Sprüngen in der Evolution, den sogenannten Metasystem-Transitionen beschäftigte. Sein großer Verdienst liegt darin, dass er stets versucht hat, alle seine vermuteten Prinzipien als mathematisierbare oder zumindest empirisch greifbare Modelle zu formulieren. Mehr unter John Maynard Smith ↗

Joseph Schumpeter


Schumpeter waren ein österreichischer Ökonom und Wirtschaftstheoretiker. In seinen Theorien zur Volks- und Marktwirtschaft des Kapitalismus betonte er immer wieder wie wichtig reinigende Selektionsprozesse für die Beseitigung von Ineffizienzen sind (schöpferische Zerstörung). Sein Denken könnte dazu beitragen, ökonomische Sachzwänge zu erkennen, die hin zu einer Herausbildung biologistisch deutbarer Lebensformen innerhalb von Wirtschaftsstrukturen oder -prozessen führen. Mehr unter Joseph Schumpeter ↗

Kambrische Explosion


Nachdem das Leben auf der Erde über Jahrmilliarden keine großen, beweglichen Individuen hervorgebracht hat, geschah genau das vor rund 543 Millionen Jahren schlagartig. Innerhalb geologisch kürzester Zeit waren Tiere in großer Vielfalt entstanden. In einem übertragenen Sinn könnte in unserer Gegenwart die Entstehung einer großen Vielzahl möglicher techno-sozialer Überwesen stattfinden. Siehe auch Kambrische Explosion ↗

Katalysator


Ein Katalysator ist ein Stoff, der selbst eine Reaktion beschleunigt oder überhaupt erst ermöglicht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Das Wort taucht vor allem in systemtheoretisch-kybernetisch formulierten Theorien zu Überwesen auf (Machina sapiens). Mehr unter Katalysator ↗

Kausalität


Kausalität, in seiner konsequent gedachten Form bis hin zu einem Determinismus, geht davon aus, dass jeder jetzige Zustand zu einem eindeutigen Folgezustand führt. Das Kausalprinzip in letzter Konsqeuenz macht jede Idee frei handelnder Lebensformen unsinnig. Das gilt für Tiere genauso wie für Menschen oder einen gedachten Globalen Überorganismus. Strenge Kausalität gilt in der modernen Physik als mindestens fragwürdig. Mehr unter Kausalität ↗

Kollektive Aufmerksamkeit


In der Psychologie bezeichnet Aufmerksamkeit die auch kurzfristige Hinwendung von Wahrnehmungs- und Denkprozessen auf einen bestimmten Gegenstand hin. So wendet sich die Aufmerksamkeit schlagartig einen angreifenden Raubtier zu, wenn dieses auf einen zukommt. Dieses Konzept kann auch auf Gruppen von Individuen übertragen werden als kollektive Aufmerksamkeit ↗

Kollektive Intelligenz


Neuronen in einem Gehirn, Akteure an einer Börse oder Ameisen im Staat: der Begriff der kollektiven, also gemeinschaftlichen, Intelligenz verbindet äußerlich sehr verschiedene Phänomene zu durchgängigen Wirkungsmechanismen und Prinzipien. Ein Global Brain wäre eine solche kollektive Intelligenz bestehend aus Menschen, Computern, Kommunikatiostechnologie und möglicherweise auch anderen biologischen oder hybriden (bio-technologisch) Bestandteilen. Mehr unter Kollektive Intelligenz ↗

Kollektive Konzentration


In der Psychologie ist Konzentration die Fähigeit, seine Aufmerksamkeit willentlich längere Zeit auf einem Gegenstand des Denkens oder der Wahrnehmung zu halten. Ein typisches Beispiel sind schwere Fragestellungen der Mathematik. Hält zum Beispiel eine Gesellschaft von Menschen ihre Aufmerksamkeit gezielt längere Zeit an einem Thema (z. B. Erderwärmung), so kann man die individuelle Konzentration konzeptionell übertragen als kollektive Konzentration ↗

Kombinationsproblem


Die Frage, wie aus einzelnen zuvor unabhängigen psychischen Individuen eine neue zusammengefügte Psyche werden soll bezeichnet man in der Philosophie als Kombinationsproblem. Im Bezug auf Theorien eines Global Brain muss zum Beispiel erklärt werden, wie aus den Psychen, Bewusstseinen oder Seelen der Komponenten (Menschen, Tiere, Maschinen) ein Gesamtbewusstsein des globalen Gehirns emergieren oder sonstwie entstehen soll. Siehe dazu auch Kombinationsproblem ↗

Komplexes adaptives System


Unter dem Begriff Komplexe Adapative Systeme wurden vor allem in den 1980er bis 2000er Jahren in den USA Studien durchgeführt die ökonomische, biologische, soziale, physikalische und viele andere Phänomene auf eine einheitliche Theorie der Anpassungsfähigkeit zurückführen wollten. Ein Global Brain wäre demnach ebenfalls ein komplexes adaptives System. Mehr unter Komplexes adaptives System ↗

Konsumismus


Der dystopischen Vorstellung des Mediziners Kazem Sadegh-Zadeh zufolge sind die einzelnen Menschen getrieben von einem Konsumismus, der sie gleichzeitig die Globalmaschine erschaffen lässt, einem Überorganismus (Machina sapiens) der uns ausbeuten möchte. Gleichzeitig lassen sich Aspekte des Konsumisus aber auch als mögliche Vorstufen zu einem Global Brain deuten (kommunikative Konnektivität, Aufmerksamkeit als Ressource) Mehr unter Konsumismus ↗

Künstliche Intelligenz


Dominierte im 20ten Jahrhundert die Idee eines intelligenten Einzelroboters oder Einzelcomputers Vorstellungen künstlicher Intelligenz, entstanden seit etwa 1990 vermehrt auch Konzepte räumlich verteilter Formen von Intelligenz. Typische Stichworte sind ambient intelligence, Schwarmintelligenz oder kollektive Intelligenz. Die Konzepte eröffnen damit das Bild, dass der Mensch letztendlich auch nur Teil einer verteilten übergeordneten künstlichen Intelligenz sein könnte. Siehe auch Künstliche Intelligenz ↗

Künstliches neuronales Netz


Programmierbare und lernfähige Algorithmen, inspiriert durch reale biologische Netze aus Neuronen: solche neuronalen Netze gelten heute als einer der größten Höffnungsträger der KI-Forschung. Im Hinblick auf ein Globales Gehirn ist die Frage interessant, inwiefern sich konkrete Modellvorstellungen künstlicher neuronaler Netze auf sozio-technische Systeme übertragen lassen. Vor allem entscheidend für eine erfolgreiche Modellierung sind hier Lernalgorithmen. Mehr unter künstliches neuronales Netz ↗

Kybiont


Als Kybiont bezeichnete der französische Biologie Joel de Rosnay seine utopische bis euphorische Vorstellung eines globalen Überwesens, in dem der Mensch als Homo symbioticus seine Erfüllung finden kann. Mehr unter Kybiont ↗

Leben


Ein Manko vieler Theorien zu einem weltweiten Gehirn ist es, dass zwar einerseits festgestellt wird, das globale Gehirn sei lebendig, sei empfindsam und habe ein Bewusstsein, andererseits aber meist keine explizite Definition von Leben mitgeliefert wird. Wenn Leben mehr sein soll als bloß eine Auflistung physikalisch messbarer Eigenschaften (Stoffwechsel, Entropie-Bilanz, Vermehrungsfähigkeit etc.), dann braucht es eine tiefergehende Definition. Mehr unter Leben ↗

Leib-Seele-Problem


Wenn das Internet zusammen mit anderer Kommunikationstechnologie der Leib des Global Brain ist, kann man fragen, ob das Global Brain auch eine Seele hat. Dann stellt sich desweiteren aber auch die Frage, ob die Seele physikalisch auf ihren Körper einwirken kann. Könnte die Seele etwa Elektronenflüsse in einem Computer beeinflussen? Dieser Fragenkomplex, manchmal auch mit religiöser Prägung, ist für menschliche Leiber und Seelen bekannt unter dem Namen Leib-Seele-Problem ↗

Local Brain


Es gibt viele Spekulationen zu einem entstehenden weltweiten Gehirn. Als treibende Inspiration dienten vor allem seit den 1990er Jahren das Internet sowie die weltweite Globalsierung von Handelsströmen bis etwa 2020. Bemerkenswert ist, dass die Ideen nicht auf kleinere Strukturen, etwa Staaten, Städte oder Firmen, angewandt wurden. Eine Ausnahme stellt die Energon-Theorie von Hans Hass dar. Spätestens seit den 2020er Jahren zeichnet sich weltweit auch eine Deglobalisierung ab: Handelsströme entkoppeln sich, das Internet bildet zunehemend abgeschottete Bereiche kongruent zu politischen Strukturen aus (RuNet). Statt eines weltumspannenden Global Brains könnten so auch regionale (RuNet) oder lokale (Intranet) Gehirnstrukturen enstehen. Mehr dazu unter Local Brain ↗

Machina sapiens


Im Jahr 2000 veröffentlicht, zeichnet das Buch über die Machina sapiens - die wissende Maschine - das düster-dystopische Bild eines intelligenten Überorganismus, der den Menschen versklaven wird. Der Autor, Kazim Sadegeh-Zadeh, argumentiert unter anderem über Trends hin zu einer Rückbildung menschlicher Autonomie und Intelligenz. Hier verbinden sich Kulturpessimismus und Technivision. Mehr unter Machina sapiens ↗

Meta


Meta taucht im Zusammenhang mit dem Global Brain in Begriffen auf wie Metaverse, Metaorganismus, Metasystem oder Metaintelligenz. Als Silbe mit einem altgriechischen Ursprung steht Meta dabei für a) die Idee einer entweder sehr zugrundeliegenden oder einer übergeordneten Struktur oder b) für ein Zwischenstadium. Mehr zur Bedeutung der Silbe unter Meta ↗

Metabiont


In der Biologie ist Metabiont definiert als ein Vielzeller. In der Vorstellung eines Global Brain können zum Beispiel Menschen oder einzelne Computer (Neuronen) als Zellen des Überwesens gedacht werden. Das Global Brain wäre dann im biologischen Sinn ein Metabiont (Biologie) ↗

Metaman


Bereits im Jahr 1993 veröffentlicht, ist Gregory Stocks Vision des globalen Metaman stark von ökonomischen Analogien zwischen Marktwirtschafen und biologischen Systemen geprägt (Neuroökonomie). Stock hält die Entwicklung hin zum Metaman als zwangsläufig und auch gut. Im Metaman wird der Mensch der Art Homo sapiens seine Erfüllung finden. Mehr unter Metaman ↗

Metasystem


Ein System aus Systemen kann man ein Metasystem nennen. Die Idee wurde in den 1970er bis 1980er Jahre vor allem aus kybernetischer Sicht detailliert ausgearbeitet und auf die biologische Evolution mit ihrer gedachten Extrapolation zu einer biologisch-technischen Evolution angewandt. Mehr unter Metasystem ↗

Metasystem-Transitionen


Moleküle vereinigen sich zur RNA, daraus entwickelt sich DNA, daraus wiederum Zellen, aus den Zellen Organismen und aus den Organismen Gesellschaften: jeder dieser Schritte ist eine Transition - ein Fortschreiten - bei dem aus Systemen einer niederen Ordnunsstufe Systeme auf einer höherer Ordnungsstufe entstehen. Mehr unter Metasystem-Transitionen ↗

Metaverse


Die noch visionäre Vorstellung digitaler und realistisch erscheinender 3D-Welten in denen sich Menschen durch Avatare darstellen können: in einer Psychologie des Global Brain könnten Teile des Metaverse vielleicht als Repräsentationen von Äußenrealitäten (nachgestellte Länder, Epochen) oder auch Teile einer denkerischen Phantasie sein. Siehe auch Metaverse ↗

Modell


Ist das Global Brain bloß ein wissenschaftliches Modell - also eine Denkhilfe - oder steht es tatsächlich für ein real existierndes weltweites Nervennetz? Mehr unter Modell ↗

Moostierchen


Moostierchen sind Wasserbewohner die sogenannte Stöcke aus einzelligen Einzeltierchen bilden. Alle Einzeltierchen, die sogenannten Zooide, sind (abgesehen von Mutationen) genetisch identisch. Moostierchen gelten wie auch die Schwämme als eine Lebensform nahe am Übergangsbereich von Einzellern zur Mehrzellern. Für die Metapher des Global Brain ist hier vor allem die Frage interessant, wie die einzelnen Zooide untereinander kommunizieren und wie sie Vorläufer oder Analogien zu einem Nervennetz ausbilden. Mehr unter Moostierchen ↗

Naturalistischer Fehlschluss


Manche Autoren, wie etwa Gregory Stock oder Joel de Rosnay, gehen von einer zwangsläufigen Entwicklung der Menschheit hin zu einem Überorganismus aus. Von dieser angenommen Zwangsläufigkeit schließen sie darauf, dass dieser Prozess auch gut und wünschenswert sei. Eine solch logisch nicht zwingende Folgerung von einem Ist- auf einem Soll-Zustand heißt in der Philosophie Naturalistischer Fehlschluss ↗

Naturphilosophie


Das Wort Naturphilosophie stand bis ins 19te Jahrhundert für das, was wir heute Naturwissenschaften nennen. Heute steht das Wort für das Bemühen, naturwissenschaftliche Erkenntnis in einen größeren philosophischen Rahmen zu stellen. Die Idee eines Global Brain ist in diesem Sinne Naturphilosophie ↗

Negativer Flynn-Effekt


Der IQ-sinkt: tatsächlich beobachtet man in den westlich orientierten Industrienationen seit etwa 2000 einen Trend eines sinkenden Intelligenz-Quotienten individueller Menschen. In dystopischen Vorstellung eines globalen Überorganismus spielt die Rückentwicklung individueller Intelligenz und Autonomie eine wichtige Rolle. Siehe unter negativer Flynn-Effekt ↗

Neolithische Revolution


Die Seßhaftwerdung der Menschen in der späten Steinzeit: die neolitische Revolution gilt als ein Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Mit ihr entstanden Städte, Arbeitsteilung, die Ausbildung von Berufsständen und komplexe soziale Strukturen mit ebenso komplexen Kommunikationsmustern. Manche Autoren, z. B. Howard Bloom, sehen darin eine Analogie zur gegenwärtigen sprunghaften Entwicklung technischer Kommunikationsmethoden. Siehe auch Neolithische Revolution ↗

Netz


Netze spielen in vielen abstrakten Theorien eine grundlegende Rolle. Netze werden modelliert aus Knoten und Kanten. Im Bezug auf die Idee des Global Brain spielen hier vor allem menschliche Kommunikationsnetze, das Internet und als biologische Modelle neuronale Netze eine wichtige Rolle. Mehr unter Netz ↗

Neuron


Das Wort Neuron kommt sowohl in der Biologie als Nervenzelle als auch der Informatik als modellhafter Grundbaustein eines neuronalen Netzes vor. In den verschiedenen Theorien zum Globalen Gehirn werden vor allem miteinander kommunizierende Menschen und Computer als Neuronen betrachtet. Dabei fehlt aber meist eine anwendbare Modellbildung, es bleibt oft bei der Metapher. Mehr unter Neuron ↗

Neuronal


Gedanklich mit Neuronen (siehe oben) in Verbindung stehend: vor allem Kommunikationsmuster ähnlich biologischen Nervensystemen oder computerbasierten neuronalen Netzen spielen für die Idee eines Global Brain eine Rolle. Mehr unter Neuronal ↗

Neuronale Organisation


Firmen, Behörden, Armeen: die Idee, dass von Menschen geschaffene Organisationen Züge neuronaler Strukturen und Funktionen zeigen könnten führt zur Idee einer neuronalen Organisation. Anders als bei der Idee eines Globalen Gehirns führt dieses Modell eher zu kleinskaligen, sehr lokalen Analogien und nicht zu einem gobalen Gebilde. Mehr Neuronale Organisation ↗

Neuronales Netz


Als neuronales Netz bezeichnet man meist ein compurerbezogenes Rechen-Modell, welches zwar ursprünglich durch biologische Neuronen (Hebbsche Regel) inspiriert war, heute aber nicht mehr den Anspruch trägt, reale biologische Nervennetze vollständig abzubilden. Da neuornale Netze oft sehr effektiv lernen können, gelten sie als ein wichtiger Aspekt unter dem man ein Globales Gehirn betrachten kann. Grundlegend dazu ist ein Lernalgorithmus (z. B. Back-Propagation), der aber in Theorien zu einem Globalen Gehirn oft nicht ausformuliert ist. Das ist ein ernsthafter Schwachpunkt vieler Theorien zu einem globalen Gehirn. Mehr unter Neuronales Netz ↗

Neuronal-organisationale Aufgabe


Neuronale Netze als Softwaremodell lernen es, bestimmte Aufgaben mit Übung zunehmend besser bewältigen zu können. Typisch ist das Erkennen von Bildern oder Handschriften. Wichtig ist, dass das neuronale Netz diese Aufgabe in ähnlicher Form oft wiederholen kann. Möchte man ein Global Brain oder ein Local Brain in Anlehnung an neuronale Netze modellieren, so muss man dafür ausdrücklich solche Aufgaben definieren können. Für eine Firma könnte eine solche Aufgabe zum Beispiel die Auswahl geeigneter Bewerber oder die ständig neu vorzunehmende Auswahl von Zulieferern sein. Mehr unter neuronal-organisationale Aufgabe ↗

Neuronal-organisationale Aufmerksamkeit


In der Psychologie spielt die Steuerung der Aufmerksamkeit durch sich selbst eine große Rolle. Menschen müssen ihre psychischen Kräfte oftmals längere Zeit auf einem Thema halten und dürfen sich dabei nicht von anderen Themen oder Reizen ablenken lassen. Eng damit verbunden ist die Frage nach der Rolle des Bewusstseins in einem menschlichen Gehirn. Auch Organisationen oder Staaten müssen entscheiden, womit sie sich zu jedem Zeitpunkt vorrangig beschäftigen wollen. Welche Themen auf die Agenda gehören, ist ein ständiger Diskurs in der Politik als auch in Unternehmen. Eine Theorie eines Globalen Gehirns kann auch dazu Aussagen treffen, was Aufmerksamkeit für das Global Brain bedeutet kann. Mehr unter Neuronal-organisationale Aufmerksamkeit ↗

Neuronal-organisationale Backpropagation


Als Backpropagation bezeichnet man einen von mehreren möglichen Lernalgorithmen für softwarebasierte neuronale Netze. Zur Modellierung weltweiter oder auch enger lokalisierter neuronaler Netzwerke aus Menschen und Maschinen ließe sich entsprechend ein Algorithmus modellhaft definieren. Dabei muss die Frage beantwortet werden, was in eine Global Brain ein Neuron, eine Synapse, ein Axon und Dendriten sein sollen. Mehr unter Neuronal-organisationale Backpropagation ↗

Neuronal-organisationaler Input


Es ist bemerkenswert, wie viele Menschen in der modernen Gesellschaft den Kontakt zur physikalischen, das heißt naturhaften Außenwelt fast völlig verloren haben. Sie leben in künstlichen menschgemachten Städten und beschäftigen sich fast nur mit den Produkten und Handlungen anderer Menschen. Bemerkenswert daran ist, dass es Nervenzellen in einem menschlichen Gehirn nicht anders geht. Auch sie bekommen die reale Außenwelt nie zu Gesicht. Modelliert man Teile menschlicher Gesellschaften im Sinne von neuronalen Netzen, so braucht dieses Netz aber Input-Daten von der Außenwelt an denen es lernen kann. Mehr dazu unter Neuronal-organisationaler Input ↗

Neuronal-organisationaler Output


Eine Firma entscheidet sich dazu, ihre Aktivitäten in einer bestimmten geographischen Region ganz einzustellen. Möglicherweise hat die Firma zuvor intensive innere Kommunikations- und Denkprozesse durchgeführt: Gespräche, Computeranalysen, Mitarbeiterinterviews, Einschätzungen von Abteilungen etc. Ähnlich wie bei einem Neuron in einem softwarebasieren neuronalen Netz, wird eine große Menge an interner Informationsarbeit letztendlich auf eine kleine Menge an ausgehender Information reduziert, den Output. Im Beispiel hier war der Output nur ein Bit groß (ja/nein). Die kontextgemäße Verringerung von Information ist für Intelligenz vielleicht ein grundlegendes Phänomen. Mehr dazu unter Neuronal-organisationaler Output ↗

Neuronal-organisationales Neuron


Ein Neuron in einem softwarebasierten neuronalen Netzwerk ist ein zentraler Baustein lernfähiger Algorithmen. Will man ein Global Brain (weltweit) oder ein Local Brain (Firma, Land) in Anlehung an ein solches neuronales Netzwerk modellieren, bieten sich unter anderem Menschen, Server oder auch kleinere Organisationen als mögliche reale Neuronen an. Wesentlich ist, dass der Output von der Qualität her bewertet wird und ein Algorithmus einen statistisch greifbaren Zusammenhang zwischen dem Input und dem Output solcher Neuronen suchen kann. Mehr unter Neuronal-organisationales Neuron ↗

Neuronal-organisationale Synapse


Synapsen sind Schnittstellen zwischen zwei Neuronen. Sowohl in biologischen als auch softwarebasieren neuronalen Netzen scheint die Synapse an Neuronen der Wichtung eingehender Informationsströme zu dienen. Im Modell eines weltweiten Gehirns müssten dann analog Mechanismen benannt werden, die rückgekoppelt mit einem Lernalgorithmus Informationsströme hin zu einzelnen Neuronen verändern. Mehr unter Neuronal-organisationale Synapse ↗

Neuroökonomie


Die Idee, dass ökonomische Abläufe und Strukturen in Analogie und sogar funktionaler Entsprechung zu biologischen oder softwarebasierten neuoronalen Netzen stehen bezeichnet man als Neuroökonomie ↗

Operationalisierung


Messbar-Machung: ob ein Mensch zornig ist oder nicht kann man nicht direkt messen. Man kann aber Messanleitungen festlegen (Muskeltonus, Schwitzen, Stimmfrequenz etc.) über die man Zorn quasi umgekehrt definiert: immer wenn ein bestimmtes Messergebnis eintritt, spricht man dann von Zorn. Für die Theorie eines Globalen Gehirns wäre hier interessant, ob man Messanleitungen definieren könnte, um überhaupt die Existenz eines solchen Globalen Gehirns feststellen zu können. Mehr unter Operationalisierung ↗

Organ


Als Organ, wörtlich Werkzeug, bezeichnet man zweckmäßige Teile eines übergeordneten Ganzen. Das übergeordnete Ganze ist oft ein biologisches Lebewesen oder ein Staat. Man spricht zum Beispiel von Staatsorganen und meint damit etwa den Bundestag, die Regierung oder die Justiz. Was wären die entsprechenden Organe eines Global Brain? Mehr unter Organ ↗

Organisation


Jede zweckmäßige Anordnung einzeler Teile zu einem zielgerichtet handelnden Ganzen kann man als Organisation bezeichnen. Typische Organisationen in Gesellschaften sind Behörden, Unternehmen oder Armeen. Mehr unter Organisation ↗

Organisationale Intelligenz


Ein Unternehmen, eine Behörde oder auch Armeen sind Organisationen. Diese können gute oder auch schlechte Entscheidungen treffen. Wie erfolgreich sie daran sind, ihre eigenen Ziele mit Hilfe denkerischer, kommunikativer Prozesse umsetzen zu können kann man bezeichnen als Organisationale Intelligenz ↗

Organische Theorie


Im 19ten und frühen 20ten Jahrhundert war ein breite Literatur zur Idee von Staaten als lebenden Wesen entstanden. Einzelne Autoren sprachen etwa von einem sozialen Organismus. Einige gingen soweit, dem Staat ein eigenes Bewusstsein zuzuschreiben. Die Fülle dieser Gedanken und Konzepte wurde damals organische Theorie genannt, heute spricht man auch von Organizismus. Anders als bei der Idee des Global Brain heute, standen damals juristische, soziale oder metaphysische Gedanken im Vordergrund. Siehe auch organische Theorie ↗

Panpsychismus


Das Globale Gehirn als bewusstes Wesen? Die Vorstellung, dass grundsätzlich viele oder sogar alle Formen der Materie beseelt oder mit Bewusstsein ausgestattet sein könnten bezeichnet man in der Philosophie als Panpsychismus. Mehr unter Panpsychismus ↗

Peter Russell


Peter Russell gilt als Schöpfer des Begriffes vom Global Brain. Einen entsprechenden Aufsatz hatte er im Jahr 1983 veröffentlicht. Mehr unter Peter Russell ↗

Philosophie


Als Philosophie bezeichnet man alle Denkbemühungen, die sich grundsätzlich nicht auf vorgegebene Betrachtungsgegenstände oder Methoden eingrenzen lassen. Als einzig verbindlicher Grundzug gilt die Einhaltung strenger gedanklicher Logik als Wahrheitskriterium. Spekulationen über eine Globales Gehirn sind zurzeit noch kein Gegenstand der Naturwissenschaften sondern eher der Philosophie ↗

Pilz


Pilze sind keine Pflanzen sondern eher Tiere, die sich kaum bewegen. Man hat jedoch festgestellt, dass manche Pilze über ausgedehnte, stabile und hochkomplexe elektrische Kommunikationsmuster zu verfügen scheinen. Sie eignen sich deshalb vielleicht ähnlich gut wie Moostierchen oder Schwämme als modellhafte Analogien für menschliche Kommunikation an der Schwelle einer Metasystem-Transition. Siehe auch unter Pilz ↗

Planetarer Organismus


Planetare Organismen sind bereits seit dem frühen 20ten Jahrhundert ein Motiv der Science Fiction. Dabei standen zunächst aber Kommunikationsnetzte, wie beim Global Brain, eher nicht im Mittelpunkt. Mehr unter Planetarer Organismus ↗

Planetares EEG


Peter Russell, der Schöpfer des Wortes vom Globalen Gehirn, schrieb im Jahr 1966 in einem Artikel, dass man für die Erde von außen gesehen sozusagen ein planetares Elektroencepaholgramm, kurz ein EEG anlegen könnte. Damit ließen sich die Gehirnströme des Global Brain messen. Mehr unter Planetares EEG ↗

Planetisation


Als Planetisation bezeichnete der Theologe und Naturforscher Pierre Teilhard de Chardin seine Vorstellung einer zwanghaften Entwicklung der Menschheit hin zu einem durchsozialisierten Superorganismus. Chardin sieht in dieser Entwicklung keinen Widerspruch zur menschlichen Würde und Individudalität sondern geradezu eine Voraussetzung dafür. Mehr dazu unter Planetisation ↗

Planetisierung


Während das theologisch motivierte Konzept der Planetisation auf die menschliche Form von Materie beschränkt bleibt soll der Begriff der Planetarisierung andeuten, dass die gesamte Materie eines Planeten zum Zwecke von Intelligenz und/oder auch Bewusstsein dienstbar gemacht wird. Mehr dazu unter Planetarisierung ↗

Regelkreis


Viele Theorie zum Globalen Gehirn und ähnlichen Vorstellungen sind stark kybernetisch motiviert. Als Kybernetik bezeichnet man die Wissenschaft und Technik der Steuerung und Regelung von Maschinen. Kybernetische Ideen wurden oft auch auf biologische und andere Systeme übeträgen. Der Regelkreis im Sinne einer Selbststeuerung spielt unter anderem in Lovelocks Gaia-Theorie und bei Kazem-Sadeghs Machina sapiens eine wichtige Rolle. Mehr unter Regelkreis ↗

Scala naturae


Von der niedersten Pflanze über Tiere, Menschen, Engel bis hin zu Gott: über Jahrtausende sah sich der Mensch als Teil einer festgefügten statischen Ordnung. Die Scala naturae ist keine evoluierende Abfolge einer Entwicklung sondern festgefügter göttlicher Wille. Mit der Idee eines langsam entstehenden Global Brain ist die Vorstellung einer Scala naturae nicht verträglich. Siehe auch Scala naturae ↗

Schwämme


Schwämme gelten als mögliche Urahnen aller Tiere, und damit auch des Menschen. Ganz sicher sind sie eine Lebensform im Übergangsbereich von autonomen Einzellern hin zu konsolidierten Vielzellern. Für Neurobiologen sind Schwämme vor allem hinsichtlich der Vorstufen tierischer Nervensysteme interessant. Sie können deshalb möglicherweise auch auf Analogien zum Globalen Gehirn verweisen. Mehr unter Schwämme ↗

Schwarmintelligenz


Schwarmintelligenz ist ein Sonderfall einer kollektiven Intelligenz. So wie ein Superorganismus in der Biologie nur aus Individuen derselben Art besteht, etwa ein Ameisenstaat, so besteht auch ein Schwarm nur aus mehr oder minder gleichartigen Individuen (Fische, Vögel). Das Konzept der Schwarmintelligenz spielt sowohl in der Verhaltensbiologie, der Soziologie als auch in softwarebasierten Modellen eine Rolle. Mehr unter Schwarmintelligenz ↗

Seele


Unter einer Seele versteht man im weitesten Sinn ein empfindsames individuelles Wesen, und zwar als körperlos gedacht. Während die Seele genauso wie der Geist als körperlos gedacht wird, fehlt dem Geist oft die Aufteilung in unterscheidbare Individuen. Die Idee planetarer, solarer oder nebularer Seelen hat vor allem der englische Philosoph und Schriftsteller Olaf Stapledon ausgearbeitet. Mehr unter Seele ↗

Selektion


Selektion ist ein wesentlicher Aspekt darwinistisch gedachter Evolution. Selektion bedeutet im weitesten Sinn, dass erfolglose Individuen oder Strukturen weniger Ressourcen erhalten als solche mit mehr Erfolg. Im Bezug auf ein Globales Gehirn kann Selektion in zwei Richtungen eine Rolle spielen: der globale Organismus steht in einem evolution Wettstreit mit anderen Organismen (andere Planente?) oder es bilden sich innerhalb des Global Brain Strukturen aus, die gegeneinander in einem darwinistischen Sinn konkurrieren. In Frage kämen zum Beispiel marktwirtschaftliche Akteure wie Unternehmen. Die Idee, dass gerade die Auslöschung, das Wegselektieren, von Unternehmen und Branchen ein Ausdruck von Fortschritt sein kann, ist eng mit dem Namen des Wirtschaftstheoretikers Joseph Schumpeter verbunden. Mehr unter Selektion ↗

SETI


Seit dem Jahr 1960 ist SETI der Name für die planmäßige Suche nach außerirdischem Leben. Würde es tatsächlich auf der Erde zur Ausbildung einer planetaren Intelligenz, etwa dam Global Brain kommen, kann man umgekehrt annehmen, dass dies vielleicht auch auf vielen anderen Planten der Fall war. Und man kann weiter vermuten, dass uns von diesen planetaren Intelligenzen eine unüberbrückbare kommunikative Kluft trennt: so wie wir uns nicht mit einzelnen Zellen unterhalten könnten, wären auch wir als Lebensform für diese planetaren Intelligenzen vielleicht bedeutungslos. Mehr dazu unter SETI ↗

Solaris


Solaris ist der Name eines fiktiven Planeten aus dem gleichnamigen Roman des polnischen Kult-Autoren Stanislaw Lem. Forscher sehen sich mit einem bizarren Planeten konfrontiert, an dessen Oberfläche ein Ozean verschiedene Anzeichen von Leben zeigt. Bis zum Ende bleibt aber offen, was der Planet wirklich ist. So wie die Forscher im Roman erfolglos den geistigen Kontakt suchen, so erfolglos könnten zukünftig einzelne Menschen sein, mit ihrem Überwesen, dem Global Brain, in Kommunikation zu treten. Mehr unter Solaris ↗

Sozialdarwinismus


Internationaler Fortschritt findet dauerhaft nur dann statt, wenn die Völker und Nationen Kriege gegeneinander führen. Und nationaler Fortschritt findet nur im scharfen Wettbewerb der Individuen untereinander statt, das Weg-Selektieren nutzloser Individuen inbegriffen: die Übertragung eines biologisch gedachten Darwinismus auf die Lebensbereiche menschlicher Gesellschaften nennt man Sozialdarwinismus ↗

Sozialer Organismus


Wer menschliche Gesellschaften als einen höheren Organismus betrachtet, kann diesen Organismus als sozial bezeichnen. In seinen Principles of Sociology benannte der englische Politiker und Autor Herbert Spencer ein Kapital entsprechend The Social Organism. Auch ein Global Brain wäre ein solcher sozialer Organismus, vorausgesetzt Menschen spielten als wesentliche Bauteile darin eine Rolle. Mehr unter Sozialer Organismus ↗

Soziointegrative Degeneration [allgemein]


Gerade dadurch, dass einzelne Individuen sich zurückentwickeln, können sie sich zu einem Organismus zusammenfügen, der insgesamt leistungsfähiger ist als die Summe der ursprünglichen Einzel-Individuen. Einen solchen Prozess vermuetet etwa Kazem-Sadegh wenn er die Rolle des Menschen in der globalen Machina sapiens beschreibt. Schwierig ist es, das was degeneriert (Intelligenz, Autonomie etc.) messbar zu machen. Mehr unter Soziointegrative Degeneration ↗

Soziologie


Als Begriff der akademischen Soziologie spielt die Idee eines Global Brain bisher keine oder zumindest keine auffällige Rolle. Gleichwohl wäre es sicherlich interessant, wenn die Soziologie zum Beispiel dazu beitragen würde, wie ein solches Phänomen theoretisch überhaupt scharf gefasst werden könnte (Konstrukt) oder wie man es messbar machen könnte (Operationalisierung). Mehr unter Soziologie ↗

Soziotechnisches System


Der Begriff des soziotechnischen Systems entstand zunächst in der Bergbauindustrie. Dort war man zu der Erkenntnis gelangt, dass nicht nur die Leistungsfähigkeit einer Maschine alleine über den betrieblichen Erfolg entscheidet sondern auch, wie gut Menschen mit dieser Maschine oder Ausrüstung zusammenarbeiten können. Später wurde der Begriff verallgemeinert. Ein Global Brain könnte aus soziologischer Sicht als ein solches System betrachtet werden. Mehr unter Soziotechnisches System ↗

Superorganismus


Ameistenstaaten, Termitenkolonien, Bienenstöcke: in der Biologie ist ein Superorganismus eine Lebensform, die sich aus einer großen Anzahl von Individuen derselben Art zusammensetzt. Fasst man das Global Brain als ein hybrides Gebilde aus Menschen und Maschinen auf, wäre also der Begriff darauf nicht anwendbar. Mehr unter Superorganismus ↗

Super-Wesen


Der russisch-stämmige Theoretiker Valentin Turchin sah in der Kombination aus menschlichen Gesellschaften und ihren technischen Produkten ein Super-Wesen. Als Basis eines Nervensystems sah er die Sprache. Seine eigenen Erfahrungen aus einer totalitären Gesellschaft (Sowjetunion) ließen ihn fragen, ob ein solches Über-Wesen nicht letztendlich proto-faschistische Züge tragen würde. Mehr dazu unter Super-Wesen ↗

Symbiose


Algen und Pilze schließen sich zusammen und leben fortan als Flechten: eine Lebensgemeinschaft zum Vorteil aller Beteiligten. Denkt man sich das Global Brain als einen Rahmen in dem Maschinen und Menschen zum gegenseitigen Nutzen zusammenarbeiten, dann wäre das Global Brain eine Mensch-Maschinen Symbiose. Der französische Biologe Joel de Rosnay hat in genau diese Richtung gedacht, als er dazu den Begriff des Homo symbiotius prägte. Mehr unter Symbiose ↗

Synaptischer Browser


Ein Browser oder allgemeiner eine Benutzerschnittstelle, die dem Benutzer bestimmte Inhalte oder Kommunikationskanäle gezielt so bezüglich der Wahrnehmbarkeit wichtet, dass der Benutzer gesteuerte Wahrscheinlichkeiten hat, bestimmten Inhalte oder Kommunikationskanäle zu nutzen. Ein solcher Browser wäre eine Prädaptation im Hinblick auf ein lernfähige soziales neuronales Netzwerk. Siehe auch synaptischer Browser ↗

System


Als System im weitesten Sinn bezeichnet man ein Ganzes, das aus mehreren unterscheidbaren Teilen besteht, die zusätzlich nach festen Regeln aufeinander einwirken. Verschiedene Autoren beschreiben das Global Brain mit den Worten der Systemtheorie. Mehr unter System ↗

Technosphäre


Als Technosphäre bezeichnet man die hybride materielle Struktur bestehend aus Menschen, anderen Organismen und technischen Produkten. Eine Großstadt ist ein gutes Sinnbild für die Technosphäre. Aus der Technosphäre heraus entwickelt sich das Global Brain. Mehr unter Technosphäre ↗

Technosoziobiont


Aus technologischen, gesellschaftlichen und anderen biologischen Komponenten entsteht ein höherkomplexes neues Lebewesen (oder auch mehrere). Siehe dazu unter Technosoziobiont ↗

Theorie


Als Theorie bezeichnet man größere in sich logisch stimmige Gedankenkonstrukte, die man auf die Wirklichkeit anwenden kann. Insbesondere in den Naturwissenschaften wird oft noch gefordert, dass man eine Theorie auch empirisch beweisen oder zumindest der Möglichkeit nach auch widerlegen kann. Diese Anforderungen dürften für die Idee eines Global Brain nur sehr schwer zu erfüllen sein. Wie will man etwa ein mögliches Bewusstsein oder willentliches Handeln empirisch überprüfen? Mehr unter Theorie ↗

Überwesen


Ein Wesen, das wiederum aus anderen Wesen besteht kann man als Überwesen bezeichnen. Worte wie Superorganismus oder Metaorganismus treffen von ihrer Wortbedeutung genau diesen inhaltlichen Kern, sind in biologischen Fachdisziplinen aber oft enger definiert. Mehr unter Überwesen ↗

Utopie


Als Utopie bezeichnet man meist erstrebenswerte Endzustände der menschlichen Existenz. Für Gregory Stock und Joel de Rosnay ist die Ausbildung eines planetaren Überorganismus eine begrüßenswerte Utopie. Mehr unter Utopie ↗

Valentin Turchin


Valentin Turchin lebte von 1931 bis 2010. Er formulierte den Gedanken eines Super-Wesens. Bemerkenswert ist sein Gedanke, dass nicht das weltweite Kommunikationsnetz sondern Sprache die Basis eines entstehenden Nervennetzes sein könnte. Gemeinsam mit dem Belgier Francis Heylighen und anderen erstellte er die Internet-Plattform Principia Cybernetica Web, auf deren Seiten die Idee eines Globalen Gehirns häufig eine große Rolle spielt. Mehr unter Valentin Turchin ↗

Volkskörper


Die Vorstellung, ein Volk oder Staat arbeite in enger Analogie zu biologisch gedachten Körpern. Die Idee gewann vor allem im 19ten Jahrhundert an Popularität, doch wurden im Gegensatz zur später entwickelten Global Brain Theorie weniger kognitive Aspekte der Informationsverarbeitung betrachtet. Im Vordergrund standen eher mechanische oder organisatorische Entsprechungen (Kopf als Regierung, Blutkreislauf als Transportwesen). Lies mehr unter Volkskörper ↗

===== Zellenstaat
Der deutsche Biologie Ernst Haeckel (1834 bis 1909) verglich die Gehirne höherer Lebewesen mit den Regierungen von "Kulturstaaten". Insbesondere dem in seiner Zeit verbreiten Telegraphen-Wesen sprach er dabei die Rolle eines Nervensystems zu. Haeckel selbst bezeichnete einen höher entwickelten biologischen Organismus als Zellenstaat ↗