Technosphäre
Futurologie
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Definition|
Technosphäre in der Geologie|
Technosphäre in der Evolution|
Technosphäre in der spekulativen Evolution|
Fußnoten
Definition
Die Gesamtheit der von Menschen produzierten Objekte in einem geologischen Sinne [1] oder alternativ auch das funktionale Zusammenspiel technischer und biologischer Entitäten als ein neuartiges, auch biologistisch interpretierbares Funktionsgeflecht [2] [3] werden als Technosphäre bezeichnet.
Technosphäre in der Geologie
Die Geologen Jan Zalasiewicz und Mark Williams von der University of Leicester fordern eine Bezeichnung für einen neuen geologischen Zeitraum, das Anthropozän: "30 Billionen Tonnen - hunderttausendmal so viel wie das Gewicht aller sieben Milliarden Menschen zusammen -, so viel ungefähr wiegt das gesamte technologische Gerümpel zu Wasser, Land und in der Luft, mit dem sich Homo sapiens aktuell umgibt. [1]" Die Gesamtheit der vom Menschen produzierten Dinge wird hier als Technosphäre bezeichnet, in Anlehnung an andere Schalen der Erde wie die Asthenosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre oder Atmosphäre. Siehe auch 👉 Schalenaufbau der Erde
Technosphäre in der Evolution
In der chemischen und biologischen Evolution beobachtet man sogenannte Transitionen: so nennt man sprunghafte Übergänge von kleineren Komponenten, die sich zu größeren Komponenten verbinden: Moleküle werden zu Zellen, Zellen zu Tieren, Tiere zu Tiergemeinschaften und so fort. Und so fort heißt dann: möglicherweise verbinden sich Menschen und ihre Produkte in der Technosphäre zu Lebensformen einer höheren Organisationsstufe. Dieser Gedanke wird hier weiter betrachtet unter dem Stichwort 👉 soziotechnisches Überwesen
Technosphäre in der spekulativen Evolution
Schon im Jahr 1863 skizzierte der Schriftsteller Samuel Butler die Idee einer darwinistischen Evolution von Maschinen. [4] Der Volkswirt Carsten Hermann-Pillath beschreibt die Technosphäre als einen sich entwickelnden Raum, in dem Handlungsträger nicht mehr nur Menschen sondern auch Dinge sein können. Verbunden mit evolutionären Konzepten und Ideen von Netzwerken wird der Mensch als Funktionsträger in der Entwicklung höherer Entitäten gesehen.
ZITAT:
Carsten Hermann Pillath, 2018: "In this perspective, the economy is the medium by which human action becomes functional relative to the reproduction and growth of the technosphere." [2]
Carsten Hermann Pillath, 2018: "In this perspective, the economy is the medium by which human action becomes functional relative to the reproduction and growth of the technosphere." [2]
Während Hermann Pillath menschliche Autonomie und Ethik nicht für zwangsläufig gefährdet hält [2], sehen andere Autoren darin die Gefahr einer soziointegrativen Degeneration, etwa der Mediziner Kazem-Sadegh in seinem Buch Machina Sapiens. Ein sehr positives Bild des Lebens in der Technosphäre zeichnete der Biologe Joel de Rosnay unter dem Stichwort Kybiont. Als Extrapolation kann man die Technosphäre als eine Art Ursuppe betrachten aus der heraus ein heute noch hypothetisches Überwesen aus technologischen, sozialen und biologischen Komponenten entstehen könnten. Ein solcher Überwesen wird hier entsprechend bezeichnet als 👉 Technosoziobiont
Fußnoten
- [1] Joachim Müller-Jung: Übergewicht in der „Technosphäre“. In: Frankfurter Allgemeine. Online vom 11. Dezember 2016.
- [2] Carsten Hermann-Pillath: The Case for a New Discipline: Technosphere Science, Ecological Economics, 149, 212-225, 2018, https://doi.org/10.1016/j.ecolecon.2018.03.024
- [3] B. Schneider: Mensch-Maschine-Schnittstellen in Technosphäre und Anthropozän. In: Liggieri, K., Müller, O. (eds) Mensch-Maschine-Interaktion. J. B. Metzler, Stuttgart. 2019. Online: https://doi.org/10.1007/978-3-476-05604-7_13
- [4] Mechanisches Leben als Träger einer Evolution: "We have used the words “mechanical life,” “the mechanical kingdom,” “the mechanical world” and so forth, and we have done so advisedly, for as the vegetable kingdom was slowly developed from the mineral, and as in like manner the animal supervened upon the vegetable, so now in these last few ages an entirely new kingdom has sprung up, of which we as yet have only seen what will one day be considered the antediluvian prototypes of the race." In: Samuel Butler: Darwin Among the Machines. Letter to the Editor of the Press, Christchurch, New Zealand, 13 June, 1863. Siehe dazu auch 👉 Maschinenwesen