Logik
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Basiswissen|
Logik im Alltag|
Logik in der Philosophie|
Logik in der Mathematik|
Principia Mathematica|
Logik in der Theologie|
Die Logik als gesellschaftliches Leitmotiv?|
Gullivers Reisen|
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus|
Die Dialektik der Aufklärung|
Fußnoten
Basiswissen
Logik ist die Lehre des richtigen Denkens: Wenn ein Stern als ein Himmelskörper definiert, der notwendigerweise selbst leuchtet, dann ist logisch korrekt gefolgert ein erloschener Stern kein Stern mehr. Die Logik kann nur überprüfen, ob bestimmte Denkschlüsse korrekt sind. Die Logik kann keine empirischen Wahrheiten feststellen.
Logik im Alltag
- In der Alltagssprache meint das soviel wie: was jeder weiß.
- Es ist damit Ausdruck einer gewissen Alltagsvernunft.
- Was logisch ist und nicht unterliegt so dem Wandel der Einstellungen.
- Beispiel: Ein schwerer Hammer fällt schneller zum Boden als eine Feder.
- Es erscheint logisch, dass Hämmer schneller fallen als Federn.
- Diese Alltagslogik ist aber außerhalb des Alltags oft falsch:
- Tatsächlich fallen sie auf dem Mond gleich schnell.
- Siehe auch 👉 gesunder Menschenverstand
Logik in der Philosophie
- In der Philosophie meint Logik: korrektes schlussfolgern.
- Man hat immer eine oder mehrere Aussagen am Anfang.
- Die Logik sagt dann, welche korrekten Schlüsse man daraus ziehen kann.
- Beispiel A: Man hat zwei Aussagen mit denen man beginnt:
- 1. Aussage: Alle Vögel können fliegen.
- 2. Aussage: Ein Adler ist ein Vogel.
- Schluss: Ein Adler kann fliegen.
- Wichtig ist hier: es ist egal, ob die ersten Aussagen stimmen.
- In der Logik kann man so tun als ob sie richtig wären.
- Es interessiert nur die Frage: was wäre, wenn sie richtig sind?
- Beispiel B: Man hat wieder zwei Aussagen:
- 1. Aussage: Alle Vögel können fliegen.
- 2. Aussage: Ein Pinguin ist ein Vogel.
- Schluss: Ein Pinguin kann fliegen.
- Logisch gesehen ist der Schluss korrekt.
- Tatsächlich aber können Pinguine nicht fliegen.
- Man sagt: Der Schluss ist formal logisch korrekt aber inhaltlich falsch.
- Mit solchen Dingen beschäftigt sich die Logik in der Philosophie.
- Siehe auch 👉 Philosophie
Logik in der Mathematik
- Die mathematische Logik ist aus der Logik der Philosophie entstanden.
- Auch in der Mathematik geht es vor allem um die Regeln des Denkens.
- Ein wichtiges Teilgebiet der mathematischen Logik ist die 👉 Aussagenlogik
Principia Mathematica
- Ist die Mathematik völlig logisch?
- Kann man sich die Mathematik aus wenigen Grundlogiken erdenken?
- Diese Frage untersuchen um 1900 zwei berühmte Mathematiker.
- Ihr Ergebis: Die Mathematik hat kein logisches Fundament.
- Man muss in der Mathematik willkürliche Annahmen machen.
- Diese Annahmen kann man nicht weiter logisch begründen.
- Das Buch zu diesem Thema heißt 👉 Principia Mathematica
Logik in der Theologie
Als Thomismus bezeichnet man das theoretische Gebäude des Katholizismus. Im Jahr 1879 veröffentlichte der Papst die Schrift "Aeterni patris". Darin wurde die Lehre des Thomas von Aquin als maßgebend bezeichnet. Bei Widersprüchen von Glaube und Logik habe der Glaube den Vorrang. Mehr dazu unter 👉 Aeterni patris
Die Logik als gesellschaftliches Leitmotiv?
Ist die perfekte Gesellschaft nach durch und durch logisch organisierten Regeln aufgebaut? Das was man am Mensch als Böse bezeichnet, etwa Boshaftigkeit, Neid, Missgunst, Raubgier, Borniertheit oder unvernünftige Emotionalität wird oft im Gegensatz gesehen zur Logik, Rationalität, Vernunft: "lass uns die Sache einmal logisch und vernünftig betrachten" ist als Appell gleichsam auch der Anspruch, dass eine bestmögliche Lösung geben müsste, die letztendlich allen gerecht wird. Literatisch ausgearbeitete Utopien wie Thomas Morus' Utopia, Campanellas Sonnenstaat, Merciers Jahr 2044 oder H. G. Wells Modern Utopia zeichnen allesamt Staatswesen, in denen Logik und Vernunft die obersten Leitgedanken des Zusammenlebens sind. Doch liest man diese Werke, so macht sich - zumindest bei mir - ein Gefühl kalter Seelenlosigkeit breit. Man spürt, dass in solchen "Staatsapparaten" alles gut geregelt ist. Aber wo der Wunsch nach Gerechtigkeit und Vernunft letztendlich nur eine Abfolge logischer Schlussfolgerungen ist, ist gleichzeitig kein Raum mehr für Nachsicht, Güte, Wagemut. Das Seelenleben gleicht einem vom Gefühlsleben abgetrennten IQ-Apparat, einem Computer.
Gullivers Reisen
George Orwell hat das exemplarisch am Beispiel der Satire Gullivers Reisen (1726) von Jonathan Swift herausgearbeitet. Swift stellt den idealisiert vernünftigen und sanftmütigen Houyhnhnms die degeneriert bösartigen und habsüchtigen humanoiden Yahoos gegenüber. Doch Orwell sieht in den durchrationalisierten Houyhnhnms gleichzeitig eine Kälte des Gefüls und Affekts, die er nicht missen möchte. Vor die Wahl gestellt würde er die bösen Yahoos den kalt-rationalen Houyhnhnms vorziehen. [1]
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
ax Weber's „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ [](1904/1905) ist eine weiteres Beispiel dafür, wie strenge Logik als Weg hin zu einer Entseelung gesehen wird.. Weber argumentiert, dass die Rationalisierung und Bürokratisierung der modernen Gesellschaft, die aus der protestantischen Arbeitsmoral hervorging, zu einer „Entzauberung der Welt“ führte. Diese Rationalisierung, die auf strengen logischen Prinzipien und Effizienz basiert, kann laut Weber ein „stahlhartes Gehäuse“ [3] schaffen, das menschliche Wärme und persönliche Beziehungen zugunsten von Nützlichkeit und Regelhaftigkeit verdrängt. Zunächst noch im Bezug auf den Kapitalismus schrieb Weber: "Nur wie ‚ein dünner Mantel, den man jeder Zeit abwerfen könnte‘, sollte nach Baxters Ansicht die Sorge um die äußeren Güter um die Schultern seiner Heiligen liegen. Aber aus dem Mantel ließ das Verhängnis ein stahlhartes Gehäuse werden." Siehe auch 👉 Kapitalismus
Die Dialektik der Aufklärung
Ein anderes bedeutendes Werk, das die Umkehr der Logik in eine Art Tyrannei beschreibt ist „Dialektik der Aufklärung“ (1944) von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. [5] [6] Darin wird untersucht, wie die Aufklärung und ihr Fokus auf Vernunft und Logik zu einer totalitären Rationalität führen können, die Freiheit und Individualität bedroht. Die Autoren zeigen, dass extreme Rationalität in einer durchregulierten Gesellschaft oft in Barbarei umschlagen kann. Horkheime und Adorno verfassten das Werk unter dem Eindruck des deutschen Terrorregimes zur Zeit des Nationalsozialismus, aber die Anklage bezieht sich auf die gesamte Aufklärung als Epoche.
Fußnoten
- [1] George Orwell: Politics vs. Literature: An Examination of Gulliver's Travels. In: Polemic No 5 in September 1946. Siehe auch 👉 George Orwell
- [2] Max Weber
- [3] Brühlmeier, D. Das „stahlharte Gehäuse“: Zwei Beobachtungen zu Max Webers berühmter Metapher. Berlin J Soziol 34, 129–144 (2024). Online: https://doi.org/10.1007/s11609-024-00518-3
- [4] Max Weber: Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. 20, 1904, S. 1–54. Online: https://archive.org/details/bub_gb_w_UnAAAAYAAJ/page/n11
- [5] Max Weber: Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. 21, 1905, S. 1–110 Online: https://archive.org/details/bub_gb_D_YnAAAAYAAJ/page/n7
- [6] Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. In: Max Horkheimer: Gesammelte Schriften. Band 5. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 6. Entstanden sind die Schriften im Jahr 1944.