Kategorie (Philosophie)
Physikalisch
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- 2026
Definition|
In der Semantik|
Kategorien nach Aristoteles|
Kategorien nach Johann Heinrich Lambert|
Kategorien nach Immanuel Kant|
Beispiel: Kausalität|
Gegenbeispiel: Raum und Zeit|
Subjekt-Objekt-Spaltung als Denk-Kategorie|
Fußnoten
Definition
Eine Kategorie ist eine Klasse von Denk- oder Seinsgegenständen.
In der Semantik
In der Semantik bilden alle jene Ausdrücke (z. B. Worte, Sätze) eine Kategorie, die man untereinander so austauschen kann, dass in anderen Ausdrücken, in denen sie als Bestandteile vorkommen, immer wieder nur neu sinnvolle Ausdrücke entstehen. [4]
Nehmen wir als Beispiel den Satz: "Die Tiere liefen mit letzter Kraft und nur getrieben von ihrem Willen zu überleben auf die Wasserstelle zu." Nehmen wir das Wort "Tiere". Durch welche andere Worte könnte man es sinnvoll ersetzen?
Statt Tiere könnte man in dem Satz auch einbauen: Krokodile, Wesen, Geschöpfe, Kreaturen, Wanderer, Schützlinge, Insassen, Überlebenden, Menschen, Einwohner, Gejagten, Täter, Opfer, Versicherungsbeamten und viele weitere mehr. Immer entstünde ein an sich sinnvoller Satz.
Andere Worte ergäben aber eingesetzt in den Satz keinen Sinn mehr: Algen (können nicht laufen), Roboter (haben eher keinen Willen), Gedanken (laufen nicht) und derart mehr.
Die untereinander problemlos austauschbaren Worte bilden dabei die Kategorien. Die Kategorien umfassen damit im Umkehrschluss Begriff oder Ausdrücke, die in ähnlichen Zusammenhängen oder Sinngefügen sinnvoll enthalten sein können.
Kategorien nach Aristoteles
Die Kategorien des Aristoteles sollten die Dinge nach allgemeinsten "Einteilungsprinzipien", den Kateogieren klassifiziert werden können. Aristoteles nannte 10 solche Kategorien [2]:
Aristoteles teilte die Welt des Seins also nach 10 Kategorien ein, später auch in 12. [7] Aristoteles sah aber noch eine Übereinstimmung dieser Kategorien im Sein und im Denken. Das sollte später durch Kant geändert werden.
Kategorien nach Johann Heinrich Lambert
Aus zwei oder mehr Begriffen zusammengesetzte neue Begriffe können in sich ungewollt oder geduldet Widersprüche enthalten.
ZITAT:
"Da sich die Möglichkeit der Widersprüche mit der Anzahl von Bestimmungen vermehrt, die in einem Begriffe beisammen sind, so ist unstreitig, daß sie desto geringer wird, je weniger ein Begriff zusammengesetzt ist, und daß sie bey ganz einfachen Begriffen vollends aufhöre. Wir haben bereits schon angemerkt, daß zum Widersprechen wenigstens zwey Merkmale oder Bestimmungen erfordert werden, und folglich in einem ganz einfachen Begriffe kein Widerspruch seyn könne, weil er einfach ist."
"Da sich die Möglichkeit der Widersprüche mit der Anzahl von Bestimmungen vermehrt, die in einem Begriffe beisammen sind, so ist unstreitig, daß sie desto geringer wird, je weniger ein Begriff zusammengesetzt ist, und daß sie bey ganz einfachen Begriffen vollends aufhöre. Wir haben bereits schon angemerkt, daß zum Widersprechen wenigstens zwey Merkmale oder Bestimmungen erfordert werden, und folglich in einem ganz einfachen Begriffe kein Widerspruch seyn könne, weil er einfach ist."
Johann Heinrich Lambert, aus dem Elsass, sprach in seinem Organon aus dem Jahr 1764 von "den einfachen oder für sich gedenkbaren
Begriffen".
1. Die Ausdehnung
2. Die Solidität
3. Die Bewegung
4. Die Existenz
5. Die Dauer und Succession
6. Die Einheit
7. Das Bewußtseyn
8. Die Kraft zu bewegen
9. Das Wollen
Lambert bezeichnet diese Grundbegriffe nicht als Kategorien (oder categorien), aber ihre Charakter ist doch der von ganz generellen Prinzipien, nach denen andere Dinge klassifiziert werden können.
Kategorien nach Immanuel Kant
Der Philosoph Immanuel Kant definierte insgesamt 12 Kategorien, die er in vier Gruppen einteilte: zur Quantität: 1) Einheit, Vielheit, Allheit; 2) zur Qualität: Realität, Negation, Limitation; 3) zur Relation: Substanz, Ursache, Gemeinschaft; 4) zur Modalität: Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit. Kant zufolge sind diese Kategorien keine Bestimmungen von realen Dingen also der Wirklichkeit. Die Kategorien als Denkgewohnheit werden also auch nicht aus der Erfahrung der Wirklichkeit abgeleitet sondern sie sind Kant zufolge unmittelbar unser Denken formende Grundprinzipien. Sie sind a priori gegeben, das heißt vorab. Mit dieser Sicht verließ Kant die jahrtausendealte Tradition, dass unser Denken zuverlässig auch Wirklichkeit erfasst oder abbildet.
Beispiel: Kausalität
Kants Vorstellung einer a priori Prägung unsere Denkens durch die Kategorien soll hier kurz am Beispiel des Konzepts der Wirkursache diskutiert werden. Eine Ursache und die von ihr ausgelöste Wirkung, fasst man oft zusammen zum Prinzip der Kausalität. Nach Kant ist das nun eine zwingende Grundlage unseres Denken, aber nicht zwingend auch eine Grundlage der Realität. Es ist für die meisten Menschen schwer bis unmöglich vorstellbar, dass Dinge ganz ohne Grund passieren. Wenn man ein zubereitetes Glas Tee sieht, muss jemand den Tee gemacht haben. Und wenn ein Atom zerfällt, muss etwas diesen Zerfall angestoßen haben. Kant zufolge sucht unser Denken zwanghaft nach einer Ursache. Bemerkenswerterweise löst sich gerade die moderne Physik von dieser Idee. Zu welchem Zeitpunkt genau ein radioaktives Atom zerfällt oder für welchen von mehren möglichen Zuständen sich ein Quantenobjekt entscheidet ist möglicherweise nicht durch Ursachen ausgelöst (keine verborgenen Variablen) sondern geschieht objektiv zufällig. Siehe dazu auch 👉 Kausalitätsprinzip
Gegenbeispiel: Raum und Zeit
Während Kant die Idee der Kausalität, vertreten durch das Wort Ursache, zu den Kategorien des Verstandes zählte, fallen Raum und Zeit nicht darunter. Sie zählt Kant zu den "Formen reiner Sinnlichkeit", also den Voraussetzungen für sinnliche Wahrnehmen.
ZITAT:
"Denn da nur mittels solcher reiner Formen der Sinnlichkeit uns ein Gegenstand erscheinen, d. i. ein Objekt der empirischen Anschauung sein kann, so sind Raum und Zeit reine Anschauungen, welche die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände als Erscheinungen a priori enthalten. Die Kategorien des Verstandes dagegen stellen uns gar nicht die Bedingungen dar, unter denen Gegenstände in der Anschauung gegeben werden, mithin können uns Gegenstände erscheinen, ohne daß sie sich notwendig auf Funktionen des Verstandes beziehen müssen …" [5]
"Denn da nur mittels solcher reiner Formen der Sinnlichkeit uns ein Gegenstand erscheinen, d. i. ein Objekt der empirischen Anschauung sein kann, so sind Raum und Zeit reine Anschauungen, welche die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände als Erscheinungen a priori enthalten. Die Kategorien des Verstandes dagegen stellen uns gar nicht die Bedingungen dar, unter denen Gegenstände in der Anschauung gegeben werden, mithin können uns Gegenstände erscheinen, ohne daß sie sich notwendig auf Funktionen des Verstandes beziehen müssen …" [5]
Was aber die Formen der reinen Sinnlichkeit wie Raum und Zeit mit den Kategorien des reinen Verstandes, wie Kausalität, gemeinsam haben ist, dass beide vor jeder Erfahrung in unserem Wahrnehmungs- und Denkapparat angelegt sein müssen. [6] In der Sprache Kants sind sie beide 👉 a priori
Subjekt-Objekt-Spaltung als Denk-Kategorie
Der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 bis 1969) bemerkte, dass das menschliche Intellekt nicht anders könne, als die Welt als sich etwas Gegenübergestelltes, etwas Andersartiges wahrzunehmen. [3] Selbst, so Japsers, wenn man sich selbst betrachte, so spalte man sich im Denken in ein wahrnehmendes Ich und ein wahrgenommenes, dann äußers Objekt auf. Dies so, Jaspers sei so stark im Denken eingeprägt, dass das Rätselhafte daran kaum wahrgenommen wird. Siehe dazu auch den Artikel 👉 Subjekt-Objekt-Spaltung
Fußnoten
- [1] Aristoteles: Kategorienschrift, 1a-15b
- [2] Kategorien. In: Metzeler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Seite 278.
- [3] Die Trennung der Welt in ein erlebendes Intellekt und ein erlebtes Äußeres ist ist als Erkenntnis tief in der Philosophie verwurzelt. Nur beispielhaft seien hier genannt Descartes' Unterscheidung einer res cogitans (denkende Substanz) von einer res extensa (ausgedehnte Substanz), Kants Idee von einem 'Ding an sich', das niemals genau erkannt werden könne die Idee des Physikers Ernst Mach, dass sich das Denken eine Außenwelt vorstelle, die es vielleicht gar nicht gibt. Siehe mehr dazu unter 👉 Subjekt-Objekt-Spaltung
- [4] Kategorien im Sinne der Semantik, der Bedeutungslehre, sind "alle diejenigen Ausdrücke einer Sprache die füreinander in einem sinnvollen Ausdruck einer Sprache eingesetzt werden können, sodaß wieder ein sinnvoller Ausdruck dieser Sprache entsteht." In: Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Dort der Artikel "Kategorie, semantische". Seite 278.
- [5] Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft (1781/1787), Transzendentaler Teil, Abschnitt über Raum und Zeit als reine Anschauungen. Deutsche Ausgabe online einsehbar: https://www.projekt-gutenberg.org/kant/krvb/krvb061b.html
- [6] Zur Idee, dass sowohl die Kategorien des Verstandes wie auch die Formen der Anschauung a priori sind: "Nach demjenigen, was in der Deduktion der Kategorien gezeigt worden, wird hoffentlich niemand im Zweifel stehen, sich über die Frage zu entschließen: ob diese reinen Verstandesbegriffe von bloß empirischem oder auch von transzendentalem Gebrauche sind, d.i. ob sie lediglich, als Bedingungen einer möglichen Erfahrung, sich a priori auf Erscheinungen beziehen, oder ob sie, als Bedingungen der Möglichkeit der Dinge überhaupt, auf Gegenstände an sich selbst (ohne einige Restriktion auf unsere Sinnlichkeit) erstreckt werden können. Denn da haben wir gesehen, daß Begriffe ganz unmöglich sind, noch irgend einige Bedeutung haben können, wo nicht, entweder ihnen selbst, oder wenigstens den Elementen, daraus sie bestehen, ein Gegenstand gegeben ist, mithin auf Dinge an sich (ohne Rücksicht, ob und wie sie uns gegeben werden mögen) gar nicht gehen können; daß ferner die einzige Art, wie uns Gegenstände gegeben werden, die Modifikation unserer Sinnlichkeit sei; endlich, daß reine Begriffe a priori, außer der Funktion des Verstandes in der Kategorie, noch formale Bedingungen der Sinnlichkeit (namentlich des inneren Sinnes) a priori enthalten müssen, welche die allgemeine Bedingung enthalten, unter der die Kategorie allein auf irgendeinen Gegenstand angewandt werden kann. Wir wollen diese formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit, auf welche der Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringiert ist, das Schema dieses Verstandesbegriffs, und das Verfahren des Verstandes mit diesen Schematen den Schematismus des reinen Verstandes nennen." In: Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft (Zweite Auflage 1787), transzendentale Deduktion der Kategorien. Online-Fassung bei Projekt Gutenberg. https://projekt-gutenberg.org/kant/krvb/krvb010.html
- [7] Aristoteles Richtung Kant: "Kategorie, griech., lat. praedicamentum, Aussage, Merkmal; dann der Stamm-. Grund-. Gattungs-, Klassen- oder Allgemeinbegriff. Um eine Topik zu schaffen, d.h. ein System von Fragen, durch welche alles aufgefunden werden sollte, was sich von irgend einem Ding hinsichtlich seines Wesens u. aller seiner Verhältnisse aussagen ließe, mußte Aristoteles versuchen, das ganze Gebiet des Erkennens auszumessen u. einzutheilen und somit die K.n aufsuchen. Er fand 10, nämlich: Substantialität, Quantität, Qualität. Relation, Raum, Zeit. Lage, Haben, Thun, Leiden. Diese K. ntafel wurde später vermehrt durch 5 Kategoreme, praedicabilia, die sich auf die 10 K.n beziehen: Geschlecht, Art, Unterschied, Eigenschaft, zufälliges Merkmal. sowie durch 5 abgeleitete Begriffe. postpraedicamenta, nämlich: Gegensatz, Früher-, Später-, Zugleichsein, Bewegung. Diese K.n waren weder folgerichtig noch vollständig, da von keinem festen Princip ausgegangen und ohne feste Regel empirisch verfahren worden war. Nachdem die aristotelischen K.n bei den mittelalterlichen Scholastikern eine Hauptrolle gespielt hatten und von Laurentius Valla auf nur 3 (Substantialität, Qualität, Handlung) zurückgeführt worden waren), unternahm es Kant, die K. auf die Einheit des Bewußtseins als ein festes Princip zu gründen, die Anwendbarkeit seiner K.n auf die Erfahrung aus dem Wesen des Bewußtseins nachzuweisen und vermittelst der K. alle Vorstellungen und Erkenntnisse in ein vollständiges System zu verwandeln." In: der Artikel "Quantität". Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 565-566. Online: http://www.zeno.org/nid/2000339672X