Kausalitätsprinzip


Definition


Basiswissen


Als Prinzip bezeichnet man "das, wovon etwas dem Sein oder Erkenntnis nach seinen Ausgang nimmt [1]" und als Kausalität die regelmäßige zeitliche Aufeinanderfolge von einem vorangehenden Merksmalszusammenhang, der Ursache, und dem zeitlich darauffolgenden Merkmalszusammenhang, der Wirkung [2]. Das ist hier kurz erläutert.

Statistische Kausalität


Als Kausalitätsprinzip bezeichnet man die Annahme oder die Tatsache, dass alles im Ablauf der Welt nach festen Regelmäßigkeiten stattfindet. Der Quantenphysiker Erwin Schrödinger (1887 bis 1961) definiert Naturgesetze dann als Sondefälle diese Kausalitätsprinzips: "Als Naturgesetz nun bezeichnen wir doch wohl nichts anderes als eine mit genügender Sicherheit festgesetellte Regelmäßigkeit im Erscheinungsablauf, sofern sie als notwendig im Sinn des oben genannten Postulats gedacht wird". Das Postulat war: "daß auch in solchen Fällen, in denen es noch nicht gelungen ist, die bedingenden Ursachen eines bestimmten Erscheinungsablaufes zu isolieren, solche doch angebbar sein müssen […]"

Physikalische Kausalität


Auf eine Blitz folgt der Donner. Man weiß heute, dass der elektrische Strom eines Blitzes die ihn umgebende Luft so schnell und stark erhitzt, dass daraus ein explosionsartiger Knall, der Donner entsteht. Man kennt also heute einen Wirkmechanismus, eine Erklärung aus anerkannten Naturgesetzen, die besagen, warum der erste Zustand (Blitz) den anderen Zustand (Donner) hervorruft. Mit der Annahme, es müsse immer auch einen Wirkmechanismus geben, macht man jedoch bewusst oder unbewusst eine Annahme, die in der bloßen Beobachtung einer zeitlichen Aufeinanderfolge noch nicht enthalten ist. So kann man zum Beispiel in den USA mit sicherer Regelmäßigkeit beobachten, dass Küstenbewohner bei strahlendem Sonnenschein anfangen, Fenster ihrer Häuser von außen mit Bretter zuzunageln. Kurz darauf trifft dann meist ein Tropensturm, ein Hurrikan, auf die Küste. Nun wäre es aber absurd, die Vernagelung der Fenster mit Brettern als Ursache des Tropensturms zu betrachten. Hier ist also streng zu trennen, ob man mit Kausalität nur die zeitlich regelmäßige Aufeinanderfolge von Ereignissen meint, oder auch einen wirkenden Mechanismus wie bei Blitz und Donner unterstellt. Einen Wirkmechanismus im Sinne eine Kausalität nennt man auch eine => causa efficiens

Kausalität als Extrapolation


Auf einen Blitz folgt der Donner. Auf Vollmond folgen hohe Wasserstände bei den Gezeiten an der Nordseeküste. Und auf Dauerstress folgt bei den meisten Menschen und Tieren eine Schwächung des Immunsystems: wir beobachten feste Regelmäßigkeiten im Ablauf der Welt. Und je mehr solcher Regelhaftigkeiten man erkannt hat, desto eher neigt man dazu zu glauben, dass alles in der Welt eine solche Ursache haben muss. Als unumstößliches Weltprinzip formuliert hatte das der Mathematiker Laplace: "Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen und als Ursache des Zustandes, der danach kommt. [3]" Lies mehr dazu unter => Laplacescher Dämon

Die Grenzen des Kausalitätsprinzipes


Man stellt sich Materie oft vor, als bestünde sie aus Atomen, kleinsten Teilchen, die sich gegenseitig stoßen und berühren können. Und die Atome selbst stellt man sich vor als seien sie aufgebaut aus kleineren Teilchen, den Neutronen, Protonen und Elektronen. Extrapoliert man das physikalische Kausalitätsprinzip mit seinem Wirkmechanismen hinein in die Welt der Bausteine von Materie, so sollte man auch dort erwarten, dass etwa die Stoßgesetze der Physik dort gelten oder die sehr zuverlässigen Gesetze der Erhaltung von Masse und Energie aus dem Markokosmos (Welt der großen Dinge). Doch dem ist nicht so. Über die Welt der kleinsten Teilchen bemerkt der Physike Schrödinger, dass "die gemeinsame Wurzel der beobachteten strengen Gesetzmäßigkeit - der Zufall ist" [2, Seite 10]. Tatsächlich sind alle Grundlegenden Naturgesetze der Physik heute nur als Wahrschscheinlickeits-Gesetze formuliert, ein Umstand, der an einem strikt kausalen Ablauf der Welt zweifeln lässt und zu Spekulationen, etwa über die Freiheit des Willens, anregt. Lies dazu unter => Bornsche Wahrscheinlichkeitsinterpretation

Quellen


◦ [1] Metzeler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Seite 467.
◦ [2] Erwin Schrödinger: Was ist ein Naturgesetz? Beiträge zum naturwissenschaftlichen Weltbild. Scientia nova, 5. Auflage, Oldenbourg, München 1997, ISBN 978-3-486-56293-4. Seite 9 ff.
◦ [3] Zitiert nach "Oskar Höfling: Physik. Band II Teil 1, Mechanik, Wärme. 15. Auflage. Ferd. Dümmlers Verlag, Bonn 1994, ISBN 3-427-41145-1." Originalquelle: Essai philosophique sur les probabilites aus dem Jahr 1814.