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Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Wissenschaftskommunikation (Das Geheimnisvolle)

Inszenierung

© 2026




Grundidee


Enthält der Titel eines Buches das Wort Geheimnis, scheint das seine Verkaufszahlen zu erhöhen. Das Versprechen, das ein Geheimnis enthüllt oder näher beschrieben wird scheint eine Art Magnetwirkung auf Kunden zu haben. Aber wie kann man etwas vermitteln, das ja per Definition noch unbekannt ist? Ein geoffenbartes Geheimnis ist ja keines mehr. In diesem Artikel beschreibe ich zunächst, was das Geheimnisvolle in der Wissenschaft auszeichnet. Anschließend werden Techniken vorgestellt, mit denen man ein Gefühl für das Geheimnisvolle gezielt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördern kann.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Eine typische Inszenierung des Geheimnisvollen: spärliches Licht inmitteln großer Dunkelheit, fehlende soziale Interaktion und ein mysteriöser Gegenstand. Man sieht hier ein ein Gemälde von Joseph Wright of Derby, entstanden um das Jahr 1766. © Joseph Wright of Derby (1734 bis 1796) ☛


Einführung


Viele Wissenschaftler (nicht alle) gaben als Antrieb ihrer Arbeit oft ein Gefühl des Geheimnisvollen, des Mysteriösen an. Der Natur auf die Schliche zu kommen ist der Treibstoff ihrer Schaffenskraft:


ZITAT:

Albert Einstein, 1934: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen." [22]


Und:


ZITAT:

Albert Einstein, 1949: "Meine wissenschaftliche Arbeit wird durch ein unwiderstehliches Verlangen vorangetrieben, die Geheimnisse der Natur zu verstehen, und durch nichts sonst." [23]


Das ist extrem: wer kein "Grundgefühl" für das "Geheimnisvolle" habe, der sei "sozusagen tot". Die "Geheimnisse der Natur zu verstehen" sei der einzige Antrieb von Forschung. Sonst gebe es da "nichts". Das trifft ganz sicher nicht auf alle Menschen zu. Es gibt Schüler [8], Wissenschaftler [26] und Unternehmer [27], die eher vom Sinn für das Praktische getrieben sind, vom Wunsch ihren Mitmenschen einen Nutzen bieten zu können. In diesem Artikel hier soll es jedoch ganz alleine um das metaphysische, vielleicht auch mystische Gefühl des Geheimnisvollen gehen und wie man dieses gezielt in einer Lernumgebung fördern könnte.

Bleiben wir noch kurz bei Einstein. Er war nicht religiös im Sinne irgendeiner Religion. Er folgte keine Riten und besuchte wohl kaum eine Kirche oder Synagoge. Aber zumindest bringt er mit "dem Alten", der für Gott steht, die Idee des Religiösen ins Spiel:


ZITAT:

Albert Einstein, 1926: "Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher." [24]


Tatsächlich nimmt die Naturwissenschaft in der Nähe des Geheimnisvollen viele Merkmale des Religiösen an. Gesucht wird ein Urgrund des Seins, Gefühle wie das Mystische kommen hinzu und man glaubt sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Religion, Aussagen über das Ende der Welt treffen zu können. Solche Bezüge zwischen Wissenschaft und Religion werden wir weiter unten noch ausführlich besprechen.

Den Magnetismus des Geheimnisvollen scheint aber nicht alleine auf begnadete Wissenschaftler zu wirken. Wer eine größere Buchandlung oder Bücherei betritt und sich dort in die Abteilung für die Wissenschaften begibt, wird dort nicht lange suchen müssen. Viele Titel tragen das Geheimnis im Titel:

  • Ernst Peter Fischer: Offenbare Geheimnisse – Wunder der Wissenschaft. Opus magnum, 2023.
  • Sheddad Kaid-Salah Ferrón, Eduard Altarriba: Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik. Knesebeck, 2019.
  • Thibault Damour, Mathieu Burniat: Das Geheimnis der Quantenwelt. Knesebeck, 2017.
  • Albrecht Beutelspacher: Das Geheimnis der Zahlen. C. H. Beck, 2010.
  • Ernst Peter Fischer: Das Geheimnis der Naturgesetze. C. H. Beck, 2006.
  • Harald Lesch, Jörn Müller: Das geheime Wissen der Physik. Piper, 2014.
  • Reinhard Breuer: Das Geheimnis der Zeit. S. Fischer, 2002.
  • Stefan Klein: Das Geheimnis der Intuition. S. Fischer, 2004.
  • Manfred Spitzer: Das Geheimnis des Gedächtnisses. Pantheon, 2002.
  • Carl Friedrich von Weizsäcker: Das Geheimnis der Welt. Hanser, 1977.

Und auf Englisch:

  • Thomas Braidwood: Secrets in the Making of Modern Science. Callender Press, 1880.
  • James Jeans: The Mysterious Universe. Cambridge University Press, 1930.
  • Stephen Hawking: The Universe in a Nutshell – Secrets of the Cosmos. Bantam Books, 2001.
  • Lucy Hawking, Stephen Hawking: George’s Secret Key to the Universe. Doubleday, 2007.
  • Brian Greene: The Hidden Reality – Parallel Universes and the Deep Laws of the Cosmos. Knopf, 2011.
  • Ian Stewart: The Great Mathematical Mystery. Profile Books, 2013.
  • Marcus Chown: The Never-Ending Days of Being Dead – The Secret of Quantum Reality. Faber & Faber, 2007.
  • Jim Al-Khalili: The World According to Physics – The Secret Laws of the Universe. Princeton University Press, 2020.
  • Philip Ball: The Secret Life of Nature. University of Chicago Press, 2011.
  • Sean Carroll: The Big Picture – On the Origins of Life, Meaning, and the Universe Itself (Secrets of Modern Physics). Dutton, 2016.

Irgendetwas in vielen Menschen scheint vom Versprechen des Geheimnisvollen angezogen zu sein. Es scheint Wissenschaftler zum Forschen und potentielle Kunden zum Buchkauf bewegen zu können. Aus meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen glaube ich, dass diese Ahnung von einem Geheimnis für viele - nicht alle - Lernende ein starkes Motiv ist.

Das Gefühl des Geheimnisvollen, die Ahnung dem großen Welträtsel auf der Spur zu sein, ist für manche Schüler eine starke Motivation zu lernen. [25]

Aber was genau macht dieses "Geheimnisvolle" aus? Ganz sicher ist es nicht nur eine von Mitmenschen bewusst verborgene Kenntnis. Es ist eher eine Ahnung von größeren uns noch nicht nicht klar ersichtlichen Wahrheiten, Zusammenhängen, Eigenschaften, die die Welt als Ganzes betreffen.

Im ersten Teil dieses Artikel werde ich zunächst Eigenschaften des Geheimnisvollen ausmachen. Wodurch genau wird aus einem kniffligen Zahlenrätsel ein Geheimnis? Was könnte aus einem bunten Lichterzauber einer Science Show eine mystische Tiefenerfahrung machen?

Im zweiten Teil stelle ich dann einige Techniken vor, mit denen man gezielt Momente des Geheimnisvollen, des Mystischen bei Kindern und Jugendlichen fördern könnte.

TEIL I: Kennzeichen des Geheimnisvollen


Mehr als nur unbekannt
Ein Kreuzworträtsel kann knifflig zu lösen sein. Aber kaum jemand käme auf die Idee, ein gewöhnliches Kreuzworträtsel als ein "Geheimnis der verborgenen Worte" zu mystifizieren. Auch Zahlenknobeleien oder Denksportaufgaben werden eher nicht mit Titel wie "Die geheimnisvolle Mystik der Zahlen" verkauft (obwohl es eine Zahlenmystik gibt). Wie wird das bloß Unbekannte oder Rätselhafte zu etwas Geheimnisvollen?

  • Die erahnte Ordnung
  • Der erahnte Plan
  • Das Unerwartete
  • Das Illusionäre
  • Die Anderweltlichkeit

Die erahnte Ordnung


Im Jahr 1888 veröffentlichte der französische Astronom und Schriftsteller populärwissenschaftlicher Bücher Camille Flammarion (1842 bis 1925) ein Buch über Meteorologie. Darin findet sich ein Bild, in dem ein mittelalterlicher Mission auf der Suche nach dem Paradies an eine Lücke zwischen Himmelsgewölbe und dem Irdischen kommt. Durch diese Lücke erblickt die Ordnung der Welt, wie sie uns Menschen eigentlich verborgen sein sollte.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Dieses Bild, gewollt oder ungewollt, versinnbildlicht sehr schön die Idee, dass hinter der uns sichtbaren Welt eine uns normalerweise verborgene Ordnung liegen könnte. Über Jahrhunderte sah man in der Astronomie und später der Mathematik eine Möglichkeit, diese verbogene Ordnung zu erahnen.

Der Quantenpionier Werner Heisenberg, geboren 1901, berichtete davon, wie er sich schon als junger Schüler in den "untersten Klassen des Max-Gymnasiums" in München "für Zahlen" interessierte: "Es machte mir Freude, ihre Eigenschaften zu kennen, z. B. zu wissen, ob sie Primzahlen seien oder nicht, und zur probieren, ob sie vielleicht als Summen von Quadratzahlen dargestellt werden können". Auch den Beweis, dass es unendlich viele Primzahlen gebe, führte Heisenberg als eines seiner kindlichen Interessen an. [25]

Zahlen am Rande der Philosophie
Sein Vater, ein Lateinlehrer, hatte ihm einmal ein Mathematik-Buch des Mathematiker Kronecker auf Latein geschenkt. Dort wurden die "Beziehungen der ganzen Zahlen in Beziehung gesetzt" zu dem "geometrischen Problem, einen Kreis in eine Anzahl gleicher Teile zu teilen." Es machte auf den jungen Heisenberg "einen tiefen Eindruck", dass man "aus dem Problem der Kreisteilung […] etwas über die ganz anderartigen Formen der elementaren Zahlentheorie lernen konnte." Im Rückblick erinnerte sich der fast 70 Jahre Heisenberg auch, das "ganz in der Ferne" wohl auch schon die Frage "ob es die ganzen Zahlen und die geometrischen Formen gibt, d. h. eb es sie außerhalb des menschlichen Geistes gibt oder ob sie nur von dieem Geist als Werkzeuge zum Verständnis der Welt gebildet worden sind" vorbeiglitt. Heisenberg räumte dann ein, dass er damals "über solche Probleme [] noch nicht nachdenken" konnte. Aber er glaubt sich zu erinnern, dass der "Eindruck von etwas sehr Schönem [] ganz direkt" gewesen sei.

Die zitierten Erinnerungen Heisenberg bestätigen, was ich auch an Schülern der Klassen 5 bis 8 immer wieder beobachte: eine unmittelbare Berührtheit bei tiefen erkenntnistheoretischen Fragen. Gibt es Zahlen wirklich? Gibt es die Welt noch, wenn man die Augen zu macht? Ist mein Rot dasselbe wie dein Rot? Warum halten sich alle Dreiecke an den Satz des Pythagoras? Im richtigen Moment der Empfänglichkeit können Kinder dabei einen tiefen Schauer erleben und spüren, dass sie einen ganz anderen oder viel tiefere Realität als jener des Schulalltags auf der Spur sind.

Teil 2: das Geheimnis inszenieren


Wie also kann man den Reiz des Geheimnisvollen, des mystisch Numinösen, des magnetisch Rätselhaften gezielt in der Vermittlung von Physik oder Chemie einsetzen? Die von Huxley vorgeschlagenen Mittel wie monotone Gesänge, Schlafentzug und Fasten dürften nur in Ausnahmefällen wie Camps oder Freizeiten - wenn überhaupt - in Frage kommen. Die übliche Situation dürfte eher eine bis wenige Stunden in einem vorgegebenen Raum mit vorgegebenen Mitteln dauern. Anleihen kann man dabei dort nehmen, wo diese Kunst schon beherrscht werden muss:

  • Das professionelle Erzählen von Geschichten für Zuhörer [13] [14]
  • Verborgene Sinnstrukturen erahnbar machen in der Literatur [20]

In solchen Büchern findet man dann verschiedene Stilmittel, die man gezielt auch für die Präsentation wissenschaftlichter Inhalte verwenden kann. Hier ein Beispiel.

Huxleys Entrückung in eine Anderwelt


Entrückung
Der englische Schriftsteller Aldous Huxley veröffentlichte im Jahr 1954 ein kleines Buch mit dem Titel Die Pforten der Wahrnehmung. Eingebettet in philosophische Überlegungen schilderte er dort seine Erfahrungen mit der Droge Mescalin. Die Wirkung diese Droge sei es, die Pforten zu einer gänzlich anderen Welt der Wahrnehmung zu öffnen. Es sei die Welt der Visionen, der religiösen Gefühle, einer Entrückung vom Alltag in eine Anderswelt (otherworld). Und in dieser Welt des Zaubers finden auch starke Sinngefühle statt. Um in diese andere Welt zu gelangen, so Huxley, hätten Menschen weltweit und seit Urzeiten eine Fülle Techniken entwickelt. Manchmal seien es auch ganz einfach nur bestimmte Gegenstände oder Sinneserlebnisse, die in die andere Welt hinüberführen. Im englischen Original bezeichnete Huxlex diese Techniken und Gegenstände als "transporting" was sich in etwa mit entrückend oder hinüberführend übersetzen lässt. Eine Liste der Methoden zur Entrückung lässt schnell erkennen, dass diese auch in unserem Kulturkeis und auch heute an vielen Orten anzutreffen sind:

  • Rhytmische, monotone Gesänge
  • Atemtechniken hin zur Ruhe
  • Meditative Ausschaltung der Gedanken
  • Schlafentzug, Übernächtigung
  • Hunger, Krankheit, Fasten
  • Stille, Abgeschiedenheit
  • Dunkle Räume, fahles Licht
  • Funkelnde Edelsteine
  • Seltene, edle Gerüche
  • Hypnagogie

Weg vom Alltag
Wer hier nicht die typische Ausstattung von Kirchen und anderen heiligen Orten sowie die typischen Grundmuster religiöser Lebensweisen erkennt, hat in seinem bisherigen Leben einige vielleicht sehr bereichernde Erfahrung noch versäumt. Man denke bei der Liste an das Innere von Kathedralen, die steinzeitlichen Kulthöhlen mit ihren Zeichnungen, entlegene Naturheiligtümer wie Moorlandschaften oder weite einsame Landschaften, man denke an Weihrauch und Räucherstäbchen, an die leiernden Gesäche tibetanischer oder mittelalterlicher Mönche, an die erschöpfenden Rhythmus-Tänze vieler Naturvölker, an die kindliche Faszination für Glitzersteine, an das mystische Gefühl im tiefen Wald in einer stillen Mondnacht. Auch kurz vor dem Einschlafen, im Moment der Hypnagogie oder nach längeren Zeiten ohne Schlaf und bei stimmten Krankheiten fühlt man sich oft wie in einer anderen Welt, sieht dort Wesen oder Muster, die nicht dem bekannten Alltag zu entstammen scheinen. Von dieser Anderswelt scheint eine so große Anziehungskraft auszugehen, dass ein großer Teil der Menschheit viel Aufwand treibt, um sich vom Alltag weg gelegentlich nach dort hintransportieren zu lassen.

Überreizt
Familiarity breeds contempt oder auf Deutsch: Gewohnheit stumpft ab. Huxley beschrieb auch, dass unserer moderne Zivilisation die Mittel der Entrückung im Prinzip von morgens bis abends in Überfülle darbietet. Nicht mehr nur jede Innenstadt sondern fast alle menschlichen Siedlungen sind heute überwuchert mit bunten Werbetafeln, leuchtenden Großbildschirmen und farbenreicher Architektur. Edle Gerüche strömen aus jedem Imbiss, Musik und Ryhthmus kommen nicht mehr nur aus großen Lautsprechern sondern inzwischen dauerhaft aus Kopfhörern, auch unterwegs. Huxley schlug als Gedankenreise vor, sich einmal ins Mittealter zurück zu versetzen. Die übliche Kleidung üblicher Menschen war eine Variation von Brauntönen. Schön gefärbte Textilien waren teuer und selten. Auch edle Gerüche und Geschmäcker waren nicht alltäglich. Gewürze kamen aus fernen Gegenden zu uns und waren oft unerschwinglich teure. Und Lichteffekte mit Glas und Edelsteinen waren alles andere als für jedermann zugänglich. Wie muss sich jemand gefühlt haben, der den größten Teil seines Alltags in einer Hütte am Waldrand verbringt und ohne jeden Strom, wenn er dann zu einem seltenen Moment einmal ein zauberhafte Kathedrale von innen erblickt? Wie müssen die mächtigen Gesänge eines Chors, der Klang einer Orgel auf jemanden gewirkt haben, der im Alltag nur selbst gemachte Musik hören konnte? Wer aber heute lebt und sich rund um die Uhr offen hält für die reizvollen Eindrücken der digitalen Konsum- und Erlebniswelt, wird nicht nicht leicht mit dem "Budenzauber" der alten Methoden zu entrücken sein.

Storytelling


Geschichten
Die richtige Geschichte zu finden taucht als Tipp in vielen Ratgebern immer wieder auf. Sie bildet den Rahmen für die Inszenierung. Eine sehr punktgenaue Methode wird von Randy Olson beworben. [19] In dem folgenden Satz soll man die zwei Leerstellen durch geeignete Worte ausfüllen: Nichts in (___) ergibt Sinn, außer im Lichte von (____).

  • Nichts in der Geologie macht Sinn außer im Lichte der Plattentektonik.
  • Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Lichte der Evolutionstheorie.
  • Nichts in der Physik macht Sinn außer im Lichte der Quantentheorie.

Um einen Spannungsbogen (narrative arc) aufzubauen, schlägt Olson die ABC-Methode vor [19]: AND, BUT, THEREFORE. Man präsentiert erst einige Fakten oder Phänomene, die man lose mit einen UND verbindet. Dann kommt ein überraschendes ABER. Die Auflösung bietet das abschließende ALSO, kurz: [1, Seite 97]

  • AND: Eröffne die Geschichte mit einer Nennung der Fakten und bind die Aufmerksamkeit des Publikums
  • BUT (das Problem): Führe ein Problem oder einen Konflikt ein, der den Status quo stört
  • ALSO (die Lösung): Liefere eine Lösung oder eine Aufforderung etwas zu tun

Anschließend kann man die Geschichte mit Details ausstaffieren. Hier sind einige Tipps [1, Seite 98] woran man dabei denken kann:

  • Wer sind die Hauptcharaktere?
  • Wo findet die Geschichte statt?
  • Gibt es für das Publik spannende Konflikte oder Dramen?
  • Was würde mit dem Publikum resonnieren?
  • Was kann man an Bildern, Gefühlen, Gerüchen einbauen?

Als Beispiel sei hier überlegt, wie man den Bau und Flug von Streichholzraketen in dieses Format des AND-BUT-ALSO bringen könnte. Im Herbst und Winter wurden in der Lernwerkstatt in Aachen von verschiedenen Schülern über 80 solcher Raketen gebaut und getestet. Hier ist eine Idee, wie man AND-BUT-ALSO einbauen könnte.

UND

Um die Reichweite von Flugzeugen zu erhöhten, macht man sie leichter. Wenn sie leichter sind, dann benötigen sie weniger Treibstoff um bei derselben Geschwindigkeit die Höhe zu halten. Werden sie schwerer, ist der Treibstoff früher aufgebraucht und das Flugzeug kommt nicht so weit. UND auch bei Raketen gilt: je leichter ihre Nutzlast ist, desto höher können sie bei gegebenem Treibstoff aufsteigen. UND sogar Segelfugzeuge, die gar keinen Treibstoff benötigen, können mit nur einer Person an Bord wesentlich weitere Flüge machen als mit einem zusätzlichen Passagier. Der Grund dafür ist, dass ihre Gleitzahl mit zunehmenden Gewicht sinkt.

ABER

Ende 2025 machten wir Versuche mit etwa 80 selbst gebauten Streichholzraketen. Zunächst bauten wir sie so leicht wie möglich. Damit erreichten wir Flugweiten von bis zu 6 Metern. Erst als wir ihre Masse mit einem ansonsten nutzlosen Ballast deutlich erhöhten, ging ihre Flugweite sprunghaft nach oben, bis auf fast 15 Meter (mit einem einzigen Streichholz). Wie kann das sein?

ALSO

Man kann also nicht automatisch sagen, dass leichtere Fluggeräte auch weiter kommen. Je nach Art des Körpers und Antriebs könne es ein Optimum irgendwo zwischen zu leicht und zu schwer geben. Der Knackpunkt ist wahrscheinlich Luftwiderstand im Verhältnis zur Größe des Gerätes. Einfaches Beispiel: man kann einen schweren Handball sehr viel weiter werfen als einen leichten aufgeblasenen Luftballon.

Das interessante an diesem Beispiel ist, dass es in der Entwicklung unserer Raketen in einer Lernwerkstatt auch genau so abgelaufen ist. Erst nach vielleicht 50 Flügen kam uns die Idee mit dem Ballast. Der bisherige Stand unserer Entwicklungen ist beschrieben im Artikel 👉 Streichholzrakete

In einem anderem Buch zur Kunst des Geschichtenerzählens wurde ein Grundmuster vieler erfolgreicher Geschichten beschrieben:


ZITAT:

"Ein Held verlässt die Welt des Alltags und begibt sich in eine Region übernatürlicher Wunder: Dort begegnet er fabelhaften Kräften und erringt einen entscheidenden Sieg: Der Held kehrt von diesem geheimnisvollen Abenteuer mit der Macht zurück, seinen Mitmenschen Gaben zu verleihen." [7]


Plot Point, Cliffhanger, Der verbotene Ort, Bluffen und Täuschen, Überspitzung, Provokation, Verfremdung, Rätsel, Widerspruch, konstruieren, Erste Ablehnung, Spannung durch Verzögerung, Fallhöhe verstärken, Clean Entrance & Exit, Imagetransfer, Sehen ist glauben, Brain-Scripts, Bedürfnisorientierte Erzählweise, Storydesign, Heldenreise, Emotionen aufgreifen, Walt-Disney Methode (Rollenspiel) [17]

Heisenbergs Schönheit der Zahlenwelt


Der Physiker Werner Heisenberg (1901 bis 1976) gilt als einer der großen Pioniere der Quantenphysik der 1920er Jahre. An einem humanistischen Gymnasium gebildet, verfügte über umfangreiche Kenntnise außerhalb der Physik, etwa über die Denkwelt der antiken griechischen Philosophen. Auch wurde er immer wieder als guter Musiker beschrieben. Er war sportlich und wanderte gerne in der Natur. Naturerlebnisse findet man immer wieder in seinen Erzählungen.

Im Jahr 1970 hielt Heisenberg einen Vortrag vor der Akademie der Schönen Künste in München. [21] Der Titel war Die Bedeutung des Schönen in der exakten Naturwissenschaft. Darin entwickelt er sein Konzept des Schönen im Sinne einer tieferen Struktur hinter der Welt der Erscheinungen, einem Urgrund [21, Seite 94]. Und es ist genau dieses Erahnen einer Welt hinter der uns sichtbaren Welt, die ein wichtiges Moment des Geheimnisvollen ausmacht. Folgen wir Heisenberg, wie er diese verborgene Welt für sich erkannte. Vielleicht lassen sich davon Anleihen nehmen.



Beispiele


Es folgen nun einige Beispiele zum emotionalen Erlebnissen eines metaphysischen Sinns aus unserer Lernwerstatt. Mein Eindruck aus der Erinnerung ist, dass sich das Gefühl bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen einstellte, die sich selbst als philosophisch interessiert bezeichneten, gerne grübelten und recht gut auf C. G. Jungs ursprüngliche Beschreibung des eher introvertiert geneigten Menschentyps passten.

a²+b²=c²


Mit einem philosophisch veranlagten Schüler der Klasse 9 hatte ich über mehrere Stunden hinweg den Satz des Pythagoras behandelt. Wir vermaßen zig rechtwinklige Dreiecke und immer ging der Satz einigermaßen gut auf. Auf einmal sagte der Schüler von sich aus, dass ihm gerade ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sei: woher wissen die Dreiecke, wie sie aufgebaut sein müssten, dass der Satz aufgeht? Der Schüler hat ein oder zwei Jahre später erneut von dem Gefühl berichtet, als wir irgendeine einfache Formel der Physik studierten und er erneut bemerkte, wie sich "die Wirklichkeit" an die Formeln hält. Siehe auch 👉 Satz des Pythagoras

Dunkellicht


Kann man Licht auch im Dunkeln sehen? Die Tatsache, dass man Licht an sich erst einmal nicht sehen kann, verblüfft so gut wie alle Schüler. Und bei vielen stellt sich dann auch ein ehrliches Aha-Erlebnis bis Schauergefühl ein. Man muss den Effekt aber richtig vorbereiten, framen sozusagen. Dabei ist es noch nicht einmal nötig, den Versuch auch wirklich durchzuführen. Schon das reine Gedankenexperiment kann eine sichtbar starke und auch emotionale Verwunderung hervorrufen. Hier ist der Gedanke: man ist irgendwo im dunklen Weltraum. Direkt vor der eigenen Nase, vielleicht einen halben Meter vor ihr, geht ein Strahl intensivten weißen Lichts vorbei, etwa von einem hellen Strahler. Man würde nichts von diesem Licht sehen. Obwohl es direkt vor den eigenen Augen nur so von Lichtteilchen, den Photonen, wimmeln müsste, bleibt der Weltraum tiefschwarz und völlig durchsichtig. Tatsächlich kann man den Effekt mit einfachsen Mitteln auch im Freien nachstellen. Siehe dazu 👉 Tarnkappenlicht (Versuch)

200 Würfel


Ein Standardversuch der Lernwerkstatt ist der Wurf von 200 Spielwürfeln gleichzeitig. Aufgabe ist es dabei, im Voraus die Anzahl von Sechsen anzusagen, die gleich kommen. Ich "inszeniere" den Versuch oft so, dass die Würfel mit einer Schale auf einen großen leeren Tisch geworfen werden, der Raum abgedunkelt und der Tisch warm beleuchtet ist. Ich baue oft lange Pausen ein und wiederhole die Würfe oft, vor allem, um die Zeit in die Länge zu ziehen. Mit wenigen suggestiven Worten provoziert, bestätigen mir dann einige (nicht wenige) Schüler, dass sie es durchaus als "gruselig" bezeichnen würden, dass die Würfel sich einigermaßen gut an die Regel halten, dass etwa ein Sechstel der 200 Würfel eine Sechs zeigt. Siehe auch 👉 200-Würfel-Versuch

Schattenzauber


Mit einem billigen Lasergerät und einem dünnen Nagel kann man einfach ein Interferenzmuster an die Wand zaubern. Führe ich den Versuch, etwa in der Oberstufe, ohne weitere Einleitung begleitend zum aktuellen Schulgeschehen vor, kann ich den Schülern nicht wirklich eine emotionale Ergriffenheit entlocken. Was soll an dem hell-dunkel-Muster an der Wand auch schon so verblüffend sein. Ganz anders ist die Reaktion, wenn ich den Versuch als Abschluss einer etwa einstündigen dramatischen Anbahnung vorführe. Ich gehe mit den Schülern dann erst ausführlich mit Versuchen die Logik der Strahlenoptik durch. Ein abgedunkelter Raum ist dabei Standard. Wir vergewissern uns, dass mittig hinter einem angestrahlten Objekt immer der dunkelste Bereich des Schattens liegt. Dieser Kernschatten oder Umbra stellt sich immer ein, wenn das schattenwerfende Objekt nicht allzu dünn ist. Variationen mit eine oder zwei Objekten sowie vor allem mit mit mehreren Lichtquellen können eine ganze Stunde ausfüllen. Dabei geht es immer darum, für eine bestimmte Anordnung millimetergenau die genaue Form und Größe des Schattens vorherzusagen. Wir haben uns auf eine solche Weise ganz davon überzeugt, dass sich Licht strahlenartig zu verhalten scheint. Dann zeige ich den Aufbau mit dem Laser und dem dünnen Nagel zwischen ihm und der Wand. Die Schüler wieder mit Hilfe der - völlig selbstverständlichen - Strahlenoptik das Schattenbild an der Wand vorhersagen. Wenn man dann den Laser einschaltet und an der Wand erscheint das helle Streifenmuster ist die Verwunderung groß. Und vor allem: dort wo der dunkelste Schatten sein sollte, erscheint die Wand jetzt am hellsten. Die Verwunderung für dieses Phänomen geht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Die Verblüffung und das Wundern und Staunen der Alten nachzustellen ist das Ziel dieses Versuches. Siehe dazu auch 👉 Newtons Lichtbeugung

Fußnoten


  • [1] Laura Lindenfeld, John C. Besley, Xia Zheng, Anthony Dudo, Todd P. Newman: Science Communication for Scientists: Linking Strategy with Creativity, Practice, and Respect. Routledge. 2025. ISBN-13: 978-1-032-79733-5.
  • [2] Jean Paul Bertemes, Serge Haan, Dirk Hans (Herausgeber): 50 Essentials on Science Communication. ISBN-13: 978-3-11-076326-3
  • [3] Das historisch lange Werden der heutigen Begriffe Impuls und kinetische Energie begann in der griechischen Antike, ging über die Blütezeit der arabischen Kultur, die mittelalterliche Scholastik bis weit in die Neuzeit hinein. Und mit den Begriffen wie relativistische Masse landen wir letztend Endes sogar noch im 20. Jahrhundert. Zu den historischen Wurzeln siehe den Artikel zur 👉 Impetustheorie
  • [4] Mit mehreren Schülern ab der Klasse 9 hatte ich gezielt die Gesetze des elatistischen Stoßes mit den Termen mv und ½mv² mit den Begriffen Entropie und darüber kurz mit größeren philosophischen Themen verbunden. Mein Eindruck war, dass gerade dieses kurze Aufleuchten von großen möglichen Sinnzusammenhängen die eigentliche Physik noch einmal deutlich interessanter machen kann. Siehe als Beispiel dazu etwa den Artikel zur 👉 Billardkugelwelt
  • [5] Schüler aus der Oberstufe fragen oft nach dem "Sinn" der Vektorrechnung. Wenn ich dann realistische Beispiele bringe wie die Berechnung der Bewegung von Luft- oder Wassermassen im Raum, das Flugverhalten von Vögeln in einem Schwarm, die Darstellunge von Worten in einem Bedeutungsraum oder auch einfache Navigationsfragen der Luft- und Seefahrt (Abdrift), sind die meisten dieser Schüler nach kurzen Andeutungen zufrieden. Es ist dann nicht nötig, tiefer auf die Beispiele einzugehen. Ich frage dann immer, ob die Beispiele als Antwort auf die Sinnfrage genügen. Meistens ist die Antwort ein Ja.
  • [6] Die Ideenschau als Belohnung ausdauernden Lernens bei Platon: "Wie nun die Seele unsterblich ist und oftmals geboren, und, was hier ist und in der Unterwelt, alles erblickt hat, so ist auch nichts, was sie nicht hätte in Erfahrung gebracht, so daß nicht zu verwundern ist, wenn sie auch von der Tugend und allem andern vermag sich dessen zu erinnern was sie ja früher gewußt hat. Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist, und die Seele alles inne gehabt hat: so hindert nichts, daß wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung. In: Platon, Menon 81c f. Siehe auch 👉 Ideenlehre
  • [7] Die Übersetzung stammt von mir. Das englische Original ist: "A hero ventures forth from the world of common day into a region of supernatural wonder: fabulous forces are there encountered and a decisive victory is won: the hero comes back from this mysterious adventure with the power to bestow boons on his fellow man." Diese knappe Charakterisierung erfolgreicher Mythologien stammt aus dem im Jahr 1949 veröffentlichen Buch The Hero with A Thousand Face von Joseph Campbell. Zitiert in: Laura Lindenfeld, John C. Besley, Xia Zheng, Anthony Dudo, Todd P. Newman: Science Communication for Scientists: Linking Strategy with Creativity, Practice, and Respect. Routledge. 2025. ISBN-13: 978-1-032-79733-5.
  • [8] Dass der praktische Nutzen eine wichtige Motivation für viele Schüler betonte der US-amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey (1859 bis 1952): "The number twelve is uninteresting when it is a bare, external fact; it has interest … when it presents itself as an instrument of carrying into effect some dawning energy or desire — making a box, measuring one’s height, etc." Und: "Many a student, of so-called practical make-up, has found mathematical theory, once repellent, lit up by great attractiveness after studying some form of engineering in which this theory was a necessary tool." In: John Dewey: Interest and Effort in Education. Houghton & Mifflin. New York. 1913. Siehe auch 👉 extravertierte Mathematik
  • [9] Innere Interessen müssen angesprochen werden: "… the problem is one of intrinsic connection as a motive for attention … the new material be presented in such a way as to enable the child to appreciate its bearings, its relationships, its value in connection with what already has significance for him." (Die Übersetzung ins Deutsche stammt von mir). In: John Dewey: Interest and Effort in Education. Houghton & Mifflin. New York. 1913.
  • [10] Henning Nelms: Magic and Showmanship: A Handbook for Conjurors, Dover Publications, New York, 1973.
  • [11] John Graham: Stage By Stage, Supreme Magic Company, London, 2005.
  • [12] Terry Magelssen: Stagecraft For Magicians: Producing Your Own Show for the Stage, Lulu Press, Raleigh, 2008.
  • [13] Nina Tecklenburg: Performing Stories: Erzählen in Theater und Performance, transcript Verlag, Bielefeld. 201
  • [14] Michl Zirk: Freies mündliches Erzählen, Erzählverlag, Berlin, 2020.
  • [15] Thomas Kabel: Handbuch Liturgische Präsenz. Zur praktischen Inszenierung des Gottesdienstes, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2002 (Band 1) — praxisorientierte Techniken zur Gestik, Mimik, Bewegung, Stimme im Gottesdienstkontext.
  • [16] Helge Stadelmann: Kommunikativ predigen – Plädoyer und Anleitung für die Auslegungspredigt, CV, Dillenburg, 2024 – enthält Reflexionen zur Verbindung von Predigt und Gottesdienstablauf.
  • [18] Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): Warum das Bildungssystem Deutschlands größte Zukunftsgefahr ist. 23. Januar 2026. Bericht über die für den Deutschen Beamtenbund (dbb) durchgeführte Forsa‑Umfrage „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“ (repräsentative Befragung, 18.–19. Dezember 2025, n = 1004), laut der 90 % der Befragten Probleme im Bildungssystem als größte Gefahr für Deutschlands Zukunft nennen.
  • [19] "Hollywood has a lot to teach scientists about how to tell a story". Und als Empfehlung einen narrativen Kern zu finden: "Nothing in (___) makes sense except in the light of (____)." In: Randy Olson: Houston, we have a Narrative. The University of Chicago Press. 2015. ISBN: 978-0226270845.
  • [20] Hier denke ich etwa an Wissenschaftler, die versuchen das das riesige Gedankengebäude der Mathematik als tiefere Ursache hinter der Welt der Erscheinungen erkennbar zu machen. Die Wurzeln gehen mindesens auf die wohl mystische Schule Platons zurück.
  • [21] Werner Heisenberg: Die Bedeutung des Schönen in der exakten Naturwissenschaft. In: Werner Heisenberg: Quantentheorie und Philosophie. Reclam Verlag. Stuttgart. 1983. ISBN: 3-15.00948-X. Dort die Seiten 91 bis 114. Das Textstück war ursprünglich ein Vortrag den Heisenberg am 9. Juli 1970 vor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München hielt.
  • [24] Das Geheimnis "des Alten" erwähnte Einstein in einem Brief an Max Born, geschrieben am 4. Dezember 1926. In: Albert Einstein Max Born Briefwechsel 1916-1955. Geleitworte von Bertrand Russell und Werner Heisenberg. Ullstein Buch, Frankfurt am Main, 1986. ISBN: 3-548-3445-7. Mit dem Namen Born ist heute aber gerade jede stochastische Deutung der Quantenphysik verbunden, die Einstein hier ablehnt. Dass der Alte nicht würfele ist Einteins ablehnende haltung gegenüber Borns Idee von reinen Wahrscheinlichkeiten als Grundlage der Quantenphysik. Siehe dazu den Artikel über die 👉 Bornsche Wahrscheinlichkeitsinterpretation
  • [25] Werner Heisenberg: Das Schöne in den exakten Naturwissenschaften. Vortrag vom 9. Juli 1970 vor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. In: Werner Heisenberg: Quantentheorie und Philosophie. Reclam Verlag. Stuttgart. 1983. ISBN: 3-15.00948-X. Dort auf den Seite 91 und 92.
  • [26] Der sächsische Landbauwissenschaftler Julius Kühn (1825 bis 1910): "Meine Aufgabe war ein Ziel, das vorher nicht ausgesprochen worden ist. Aber die naturwissenschaftliche Forschung ist noch keine Landwirtschaft. Das wahre Ziel ist die größtmögliche Produktion an Nahrungsmitteln und Kleidungsstoffen. So, wie die medizinische Wissenschaft die Erhaltung des Leibes in Kraft und Gesundheit zum praktischen Ziele hat, besitzt unsere Wissenschaft die Pflicht, die Bedürfnisse der Menschheit nach Nahrung und Kleidung zu decken zu versuchen. Die Gesetze der Natur müssen wir anerkennen, die Gesetze der Natur müssen wir anwenden mit möglichster Rente, zur Stofferzeugung. Das höchste wissenschaftliche Ziel ist das praktische Ziel… Unsere Aufgabe ist der Nutzen." In: Saale-Zeitung (Halle), 11. März 1907, Nr. 118, Beilage.
  • [27] Werner von Siemens: "Ideen an und für sich haben nur einen sehr geringen Wert. Der Wert einer Erfindung liegt in ihrer praktischen Durchführung." In: Siemens Historical Institute, Siemens-Archiv-Akte W6249, Brief von Werner von Siemens an seinen Bruder Carl, 27. Januar 1865. Und: "Nur in enger Verbindung mit der Fabrikation zur Lösung direkt vorliegender Fragen wird die Erfindungstätigkeit nützlich und sicher erfolgreich." Werner von Siemens, 1886. Beide Zitate aus: Martin Münzel: 175 Jahre Siemens. Ein Technologieunternehmen seit 1847. Herausgegeben von der Siemens AG und dem Siemens Historical Institute, Berlin. 2022. Online: https://assets.new.siemens.com/siemens/assets/api/uuid:e27c0a1c-0716-44b3-89f1-9f996ea00135/106-siemens-175-jahre-deutsch-digital.pdf


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