Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Wissenschaftskommunikation (Das Geheimnisvolle)

Inszenierung

© 2026




Grundidee


Enthält der Titel eines Buches das Wort Geheimnis, scheint das seine Verkaufszahlen zu erhöhen. Das Versprechen, das ein Geheimnis enthüllt oder näher beschrieben wird scheint eine Art Magnetwirkung auf Kunden zu haben. Aber wie kann man etwas vermitteln, das ja per Definition noch unbekannt ist? Ein geoffenbartes Geheimnis ist ja keines mehr. In diesem Artikel beschreibe ich zunächst, was das Geheimnisvolle in der Wissenschaft auszeichnet. Anschließend werden Techniken vorgestellt, mit denen man ein Gefühl für das Geheimnisvolle gezielt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördern kann.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Eine typische Inszenierung des Geheimnisvollen: spärliches Licht inmitteln großer Dunkelheit, fehlende soziale Interaktion und ein mysteriöser Gegenstand. Man sieht hier ein ein Gemälde von Joseph Wright of Derby, entstanden um das Jahr 1766. © Joseph Wright of Derby (1734 bis 1796) ☛


Einführung


Viele Wissenschaftler (nicht alle) gaben als Antrieb ihrer Arbeit oft ein Gefühl des Geheimnisvollen, des Mysteriösen an. Der Natur auf die Schliche zu kommen ist der Treibstoff ihrer Schaffenskraft:


ZITAT:

Albert Einstein, 1934: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen." [22]


Und:


ZITAT:

Albert Einstein, 1949: "Meine wissenschaftliche Arbeit wird durch ein unwiderstehliches Verlangen vorangetrieben, die Geheimnisse der Natur zu verstehen, und durch nichts sonst." [23]


Das ist extrem: wer kein "Grundgefühl" für das "Geheimnisvolle" habe, der sei "sozusagen tot". Die "Geheimnisse der Natur zu verstehen" sei der einzige Antrieb von Forschung. Sonst gebe es da "nichts". Das trifft ganz sicher nicht auf alle Menschen zu. Es gibt Schüler [8], Wissenschaftler [26] und Unternehmer [27], die eher vom Sinn für das Praktische getrieben sind, vom Wunsch ihren Mitmenschen einen Nutzen bieten zu können. In diesem Artikel hier soll es jedoch ganz alleine um das metaphysische, vielleicht auch mystische Gefühl des Geheimnisvollen gehen und wie man dieses gezielt in einer Lernumgebung fördern könnte.

Bleiben wir noch kurz bei Einstein. Er war nicht religiös im Sinne irgendeiner Religion. Er folgte keine Riten und besuchte wohl kaum eine Kirche oder Synagoge. Aber zumindest bringt er mit "dem Alten", der für Gott steht, die Idee des Religiösen ins Spiel:


ZITAT:

Albert Einstein, 1926: "Die Quantenmechanik ist sehr Achtung gebietend. Aber eine innere Stimme sagt mir, dass das noch nicht der wahre Jakob ist. Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns kaum näher." [24]


Tatsächlich nimmt die Naturwissenschaft in der Nähe des Geheimnisvollen viele Merkmale des Religiösen an. Gesucht wird ein Urgrund des Seins, Gefühle wie das Mystische kommen hinzu und man glaubt sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Religion, Aussagen über das Ende der Welt treffen zu können. Solche Bezüge zwischen Wissenschaft und Religion werden wir weiter unten noch ausführlich besprechen.

Den Magnetismus des Geheimnisvollen scheint aber nicht alleine auf begnadete Wissenschaftler zu wirken. Wer eine größere Buchhandlung oder Bücherei betritt und sich dort in die Abteilung für die Wissenschaften begibt, wird dort nicht lange suchen müssen. Viele Titel tragen das Geheimnis im Titel:

  • Ernst Peter Fischer: Offenbare Geheimnisse – Wunder der Wissenschaft. Opus magnum, 2023.
  • Sheddad Kaid-Salah Ferrón, Eduard Altarriba: Professor Albert und das Geheimnis der Quantenphysik. Knesebeck, 2019.
  • Thibault Damour, Mathieu Burniat: Das Geheimnis der Quantenwelt. Knesebeck, 2017.
  • Albrecht Beutelspacher: Das Geheimnis der Zahlen. C. H. Beck, 2010.
  • Ernst Peter Fischer: Das Geheimnis der Naturgesetze. C. H. Beck, 2006.
  • Harald Lesch, Jörn Müller: Das geheime Wissen der Physik. Piper, 2014.
  • Reinhard Breuer: Das Geheimnis der Zeit. S. Fischer, 2002.
  • Stefan Klein: Das Geheimnis der Intuition. S. Fischer, 2004.
  • Manfred Spitzer: Das Geheimnis des Gedächtnisses. Pantheon, 2002.
  • Carl Friedrich von Weizsäcker: Das Geheimnis der Welt. Hanser, 1977.

Und auf Englisch:

  • Thomas Braidwood: Secrets in the Making of Modern Science. Callender Press, 1880.
  • James Jeans: The Mysterious Universe. Cambridge University Press, 1930.
  • Stephen Hawking: The Universe in a Nutshell – Secrets of the Cosmos. Bantam Books, 2001.
  • Lucy Hawking, Stephen Hawking: George’s Secret Key to the Universe. Doubleday, 2007.
  • Brian Greene: The Hidden Reality – Parallel Universes and the Deep Laws of the Cosmos. Knopf, 2011.
  • Ian Stewart: The Great Mathematical Mystery. Profile Books, 2013.
  • Marcus Chown: The Never-Ending Days of Being Dead – The Secret of Quantum Reality. Faber & Faber, 2007.
  • Jim Al-Khalili: The World According to Physics – The Secret Laws of the Universe. Princeton University Press, 2020.
  • Philip Ball: The Secret Life of Nature. University of Chicago Press, 2011.
  • Sean Carroll: The Big Picture – On the Origins of Life, Meaning, and the Universe Itself (Secrets of Modern Physics). Dutton, 2016.

Irgendetwas in vielen Menschen scheint vom Versprechen des Geheimnisvollen angezogen zu sein. Es scheint Wissenschaftler zum Forschen und potentielle Kunden zum Buchkauf bewegen zu können. Aus meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen glaube ich, dass diese Ahnung von einem Geheimnis für viele - nicht alle - Lernende ein starkes Motiv ist.

Das Gefühl des Geheimnisvollen, die Ahnung dem großen Welträtsel auf der Spur zu sein, ist für manche Schüler eine starke Motivation zu lernen. [25]

Aber was genau macht dieses "Geheimnisvolle" aus? Ganz sicher ist es nicht nur eine von Mitmenschen bewusst verborgene Kenntnis. Es ist eher eine Ahnung von größeren uns noch nicht nicht klar ersichtlichen Wahrheiten, Zusammenhängen, Eigenschaften, die die Welt als Ganzes betreffen.

Im ersten Teil dieses Artikel werde ich zunächst Eigenschaften des Geheimnisvollen ausmachen. Wodurch genau wird aus einem kniffligen Zahlenrätsel ein Geheimnis? Was könnte aus einem bunten Lichterzauber einer Science Show eine mystische Tiefenerfahrung machen?

Im zweiten Teil stelle ich dann einige Techniken vor, mit denen man gezielt Momente des Geheimnisvollen, des Mystischen bei Kindern und Jugendlichen fördern könnte.

TEIL I: Eigenschaften des Geheimnisvollen


Mehr als nur unbekannt
Ein Kreuzworträtsel kann knifflig zu lösen sein. Aber kaum jemand käme auf die Idee, ein gewöhnliches Kreuzworträtsel als ein "Geheimnis der verborgenen Worte" zu mystifizieren. Auch Zahlenknobeleien oder Denksportaufgaben werden eher nicht mit Titel wie "Die geheimnisvolle Mystik der Zahlen" verkauft (obwohl es eine Zahlenmystik gibt). Wie wird das bloß Unbekannte oder Rätselhafte zu etwas Geheimnisvollen?

  • Die verborgene Ordnung
  • Der erahnte Plan
  • Das Unerwartete
  • Das Illusionäre

Die verborgene Ordnung


Im Jahr 1888 veröffentlichte der französische Astronom und Schriftsteller populärwissenschaftlicher Bücher Camille Flammarion (1842 bis 1925) ein Buch über Meteorologie. Darin findet sich ein Bild, in dem ein mittelalterlicher Missionar auf der Suche nach dem Paradies an eine Lücke zwischen dem Himmelsgewölbe und dem Irdischen kommt. Durch diese Lücke erblickt er die Ordnung der Welt, wie sie uns Menschen eigentlich verborgen sein sollte.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Dieses Bild, gewollt oder ungewollt, versinnbildlicht sehr schön die Idee, dass hinter der uns sichtbaren Welt eine uns normalerweise verborgene Ordnung liegen könnte. Über Jahrhunderte sah man in der Astronomie und später der Mathematik eine Möglichkeit, diese verborgene Ordnung zu erahnen.

Der Quantenpionier Werner Heisenberg, geboren 1901, berichtete davon, wie er sich schon als junger Schüler in den "untersten Klassen des Max-Gymnasiums" in München "für Zahlen" interessierte: "Es machte mir Freude, ihre Eigenschaften zu kennen, z. B. zu wissen, ob sie Primzahlen seien oder nicht, und zu probieren, ob sie vielleicht als Summen von Quadratzahlen dargestellt werden können". Auch den Beweis, dass es unendlich viele Primzahlen gebe, führte Heisenberg als eines seiner kindlichen Interessen an. [25]

Zahlen am Rande der Philosophie
Sein Vater, ein Lateinlehrer, hatte ihm einmal ein Mathematik-Buch des Mathematikers Kronecker auf Latein geschenkt. Dort wurden die "Beziehungen der ganzen Zahlen in Beziehung gesetzt" zu dem "geometrischen Problem, einen Kreis in eine Anzahl gleicher Teile zu teilen." Es machte auf den jungen Heisenberg "einen tiefen Eindruck", dass man "aus dem Problem der Kreisteilung […] etwas über die ganz andersartigen Formen der elementaren Zahlentheorie lernen konnte." Im Rückblick erinnerte sich der fast 70 Jahre alte Heisenberg auch, das "ganz in der Ferne" wohl auch schon die Frage "ob es die ganzen Zahlen und die geometrischen Formen gibt, d. h. ob es sie außerhalb des menschlichen Geistes gibt oder ob sie nur von diesem Geist als Werkzeuge zum Verständnis der Welt gebildet worden sind" vorbeiglitt. Heisenberg räumte dann ein, dass er damals "über solche Probleme noch nicht nachdenken" konnte. Aber er glaubt sich zu erinnern, dass der "Eindruck von etwas sehr Schönem ganz direkt" gewesen sei.

Die zitierten Erinnerungen Heisenberg bestätigen, was ich auch an Schülern der Klassen 5 bis 8 immer wieder beobachte: eine unmittelbare Berührtheit bei tiefen erkenntnistheoretischen Fragen. Gibt es Zahlen wirklich? Gibt es die Welt noch, wenn man die Augen zu macht? Ist mein Rot dasselbe wie dein Rot? Warum halten sich alle Dreiecke an den Satz des Pythagoras? Im richtigen Moment der Empfänglichkeit können Kinder dabei einen tiefen Schauer erleben. Sie spüren, dass sie einer ganz anderen oder viel tiefere Realität als jener des gewöhnlichen Alltags auf der Spur sind.

Im Zuge der sogenannten natürlichen Religion oder der natürlichen Theologie hatten Denker des 19. Jahrhunderts versucht, die Existenz Gottes in der Welt zu erkennen. Gott, so der Gedanke, habe sich in der Welt geoffenbart. Und damit ist eine Brücke angedeutet, zwischen der Ahnung einer Ordnung der Welt und proto-religiösen Gefühlslagen. Siehe auch 👉 natürliche Religion

Der erahnte Plan


Eng verwandt mit der verborgenen Ordnungen der Welt ist die Idee eines nicht ganz offensichtlichen Weltplans oder eines unausweichlichen Schicksals. Die Vollstreckerinnen sind zum Beispiel die Nornen des Nordens, die Moiren aus dem antiken Griechenland, das Fatum der Muslime, das Karma der Buddhisten oder der Weltprozess des 19. Jahrhunderts. In der rational ausgearbeiteten Theologie gibt es dann die Prädestinationslehre, in der sogar unsere Chancen ins Himmelreich zu kommen von Geburt an feststehen. [32] Viele moderne Geschichten zu Zeitreisen spielen ebenfalls mit der Idee eines unveränderlichen Ablaufs der Welt. Zeitreisende dürfen oder können nicht den Ablauf der Welt ändern. Und wenn der Gang der Welt in seinen großen Zügen vorherbestimmt ist, dann machen vielleicht auch Weissagungen Sinn, dann sind scheinbar zufällig zueinander passende Ereignisse, sogenannte Synchronizitäten [33] doch mehr als nur ein Spiel der Stochastik.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Die Nornen spinnen unnachgiebig die Fäden des Schicksals. Daran können selbst die sonst so mächtigen Götter der germanischen Nordens nicht viel ändern.

Vielleicht sind Synchronizitäten ein gutes Beispiel für die emotionale Stärke der Idee eines vorgezeichneten Weltplans. Das klassische Beispiel ist, dass man eine alte Freundin seit Jahre aus dem Gedächtnis verloren hat. Und just als man zufällig an sie denkt, ruft sie völlig unerwartet an. Wem läuft bei solchen Erfahrungen nicht hin und wieder ein Schauer über den Rücken? Hat man dann nicht für einen zumindest kurzen Moment den Eindruck von fremden Mächten und Gesetzen, die uns aus dem Verborgenen steuern? Ganz gleich, ob es solche Mächte real gibt oder nicht, das Gefühl eines geheimnisvoll sich vollstreckenden Weltlaufs, mit unbekanntem Ziel, stellt sich doch immer wieder zu solchen Anlässen ein.

Das Unerwartete


Das Geheimnisvolle bedarf nicht des Unerwarteten. Man kann in einem geeigneten Zustand des Bewusstsein ein Tiefes Geheimnis in der bloßen Existenz eines Gegenstandes Erfahren. Doch scheinen gänzlich unerwartete Effekte in unsere Inneren etwas zum Schwingen zu bringen, das uns daran erinnert, dass wir von der ganzen Welt nur einen kleinen, und vielleicht auch einen nur unbedeutenden Ausschnitt wahrnehmen. Und im Umkehrschluss verweist das Unerwartete vielleicht auch auf große Weltbereiche, die für uns noch Terra incognita sind.

Das Illusionäre


Die Illusion - als solche angepriesen - oder mit der Absicht echter Täuschung schlägt seit alters her die Menschen in ihren Bann. Kinder können sich nicht satt sehen an optischen Täuschungen. Erwachsene bezahlen viel Geld für gut gemachte Zaubervorführungen. Und je perfekter die Illusion gelingt, desto eher lassen wir uns von ihr ergreifen. Nicht umsonst spricht man von der Filmindustrie auch von einer Traumfabrik.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Die Jastrow-Illusion: die beide Kurven der Spielzeugeisenbahn sind tatsächlich gleich lang. Hat man einmal erkannt, wie leicht und beharrlich uns unsere Sinne täuschen können, wuchert das ständige Zweifeln bei entsprechend veranlagten Menschen schnell bis hin zu existenziellen Grundfragen des Seins.

Wer uns überzeugend eine Illusion als Wirklichkeit verkaufen kann, reißt wieder die Frage an, ob denn nicht auch die ganze Wirklichkeit eine Illusion sein könnte. Und damit steht man wieder nahe am den Gefühl, dass die eigentliche Welt etwas ganz Anderes ist, als wir gemeinhin wahrnehmen. Die Welt als bloßer Schein heißt im Buddhismus Maja (Täuschung). Und im Christentum ist es vielleicht nicht so sehr die physische Realität der Welt, die angezweifelt wird. Aber die Motive der Menschen, das worum ihr Denken und Tun im Alltag so sehr kreist, werden doch als verwerflich und als falsche Werte hinterfragt. Man denke an den Tanz um das Goldene Kalb oder die Bilder vom Gott Mammon und der Hure Babylon.

Die Andersweltlichkeit


Gefühle des Geheimnisvollen können sich durch starke Zweifel an der "Echtheit" der erfahrenen Welt entzünden, aber auch an Andeutungen einer Welt jenseits der unsrigen. Für den britannisch-keltischen Kulturkreis gibt es dafür den Begriff der Anderswelt, auch Anderswelt. Während die Ideen eines Jenseits in vielen Kulturen davon ausgehen, dass man als Sterblicher nur per Einbahnstraße dorthin gelangen kann (z. B. Sage von Demeter und Persephone), können in der Anderswelt auch Sterbliche ein und ausgehen. Das erinnert an die Geisterwelt des Schamanismus. Doch ganz gleich, ob die Anderswelt nur nach unserem Tod oder auch schon vorher und dann mit Wiederkehr ins irdische Leben betrete werden kann, so ist sie immer eine Welt mit ganz anderen Gesetzen als die unsrige Welt.

Christlicher Himmel
Die gesamte Theologie und Philosophie des Mittelalters ging davon aus, dass die physikalischen Gesetze des Himmels, des translunaren Bereichs oberhalb der Mondbahn, gänzlich andere seine als die Gesetze der Physik auf der Erde, im sublunaren Bereichen. Die Vorstellung reicht weit zurück bis in die Antike:


ZITAT:

Cicero (106 bis 43 v. Chr): "Danach hat dann die Sonne ungefähr das mittlere Gebiet inne, als Führer, Fürst und Lenker der übrigen (himmlischen) Lichter, maßgebender Geist der Welt, von solcher Größe, daß sie alles mit ihrem Lichte durchdringt und erfüllt. Von dort folgen wie Begleiter (der Sonne) die Umläufe sowohl der Venus wie des Merkurs. Und auf der untersten Bahn läuft der Mond um, von den Strahlen der Sonne entzündet. Unterhalb (der Mondbahn) gibt es nur noch Sterbliches und Hinfälliges, außer den Seelen, die dem Menschengeschlechte von den Göttern als Geschenk gegeben wurden. Oberhalb des Mondes ist alles ewig." [34]


Auch wenn Isaac Newton um 1700 überzeugend zeigen konnte, dass die Bewegung der Planeten nach denselben Gesetzen geschieht wie die Bewegung eines Ochsenkarrens auf der Erde, blieb der Zauber erhalten. Wie gut passen die Darstellungen der himmlischen Sphären, die zum Beispiel die Künstler des Barock und des Rokkoko schufen zu Ideen eines ganze anderen Welt jenseits der unsrigen? Menschen und Engel können fliegen, es gibt keine Kranken und Alten oder noch nicht einmal unglückliche Menschen. Man kann auf Wolken sitzen. Und die ganze Welt des Himmels ist in ein "überirdisches Licht" getaucht.

Moderne Autoren denen oft eine pessimistische Weltsicht zugeschrieben wurden, brachten mit verblüffenden Ähnlichkeiten Schilderungen von paradiesischen Orten zu Papier, die wie ein Blick in eine andere Welt anmuten.

  • Edgar Allan Poe: The Domain of Arnhem
  • Herbert George Wells: The Door in the Wall
  • H. P. Lovecraft: Celephais

Mit wenigen Zeilen bringt die amerikanische Dichterin Emily Dickinson die Ahnung einer ganz anderen Welt zum Ausdruck. Diese, unsere Welt sei nicht das Ende (conclusion) sondern eine andere Welt (sequel) käme danach.

THIS world is not conclusion;
A sequel stands beyond,
Invisible, as music,
But positive, as sound.
It beckons and it baffles;
Philosophies don't know,
And through a riddle, at the last,
Sagacity must go.
To guess it puzzles scholars;
To gain it, men have shown
Contempt of generations,
And crucifixion known.

Zwischenfazit


Betrachet man die verschiedenen Aspekte des emotional wirklich ergreifenden Geheimnisschauers gemeinsam, fällt eine Gemeinsamkeit auf: unser bisheriger Blick auf die Welt zeigte uns noch nicht die Welt, um die es eigentlich geht. Das Wesentliche, der Sinn, der Plan liegt vor uns noch verborgen, im Dunkeln.

Die Welt wie wir sie zu sehen glauben ist nicht die Welt um die es wirklich geht. Wir ahnen etwas, können es aber weder rational noch bildlich greifen.

Es geht nicht darum, noch einen Planeten mehr zu entdecken oder noch eine weitere Formel in der Physik zu finden. Die magisch-magnetische Gefühlslage ist das flüchtige Gewahrwerden, dass unser ganzer Erkenntnisapparat, all unsere Sinnes- und Denkorgane noch unfertig für das Erfassen der eigentlichen Wahrheit sein könnten. Aus dem ersten Schrecken einer Mangelhaftigkeit kann so ein Gefühl des Pioniergeistes, des Abenteuers erwachsen, wenn wir uns nicht als kleine Individuen sondern als Gattung, als Menschengeschlcht, als Fackelträger von Bewusstsein, Geist oder Seele am Anfang einer große Enthüllung fühlen dürfen. Vielleicht ist das ein emotionaler Kern von Erlebnissen des Geheimnisvollen, wie Wissenschaft sie mit vermitteln kann?

TEIL II: das Geheimnis inszenieren


Wie also kann man den Reiz des Geheimnisvollen, des mystisch Numinösen, des magnetisch Rätselhaften gezielt in der Vermittlung von Physik oder Chemie einsetzen? Die von Huxley vorgeschlagenen Mittel wie monotone Gesänge, Schlafentzug und Fasten dürften nur in Ausnahmefällen wie Camps oder Freizeiten - wenn überhaupt - in Frage kommen. Die übliche Situation dürfte eher eine bis wenige Stunden in einem vorgegebenen Raum mit vorgegebenen Mitteln dauern. Anleihen kann man dabei dort nehmen, wo diese Kunst schon beherrscht werden muss:

  • Verborgene Sinnstrukturen erahnbar machen in der Literatur [20]
  • Schauerbilder mit optischen [31] und akustischen Effekten

In solchen Büchern findet man dann verschiedene Stilmittel, die man gezielt auch für die Präsentation wissenschaftlicher Inhalte verwenden kann. Hier ein Beispiel.

Huxleys Entrückung in eine Anderswelt


Entrückung
Der englische Schriftsteller Aldous Huxley veröffentlichte im Jahr 1954 ein kleines Buch mit dem Titel Die Pforten der Wahrnehmung. Eingebettet in philosophische Überlegungen schilderte er dort seine Erfahrungen mit der Droge Mescalin. Die Wirkung diese Droge sei es, die Pforten zu einer gänzlich anderen Welt der Wahrnehmung zu öffnen. Es sei die Welt der Visionen, der religiösen Gefühle, einer Entrückung vom Alltag in eine Anderswelt (otherworld). Und in dieser Welt des Zaubers finden auch starke Sinngefühle statt. Um in diese andere Welt zu gelangen, so Huxley, hätten Menschen weltweit und seit Urzeiten eine Fülle Techniken entwickelt. Manchmal seien es auch ganz einfach nur bestimmte Gegenstände oder Sinneserlebnisse, die in die andere Welt hinüberführen. Im englischen Original bezeichnete Huxley diese Techniken und Gegenstände als "transporting" was sich in etwa mit entrückend oder hinüberführend übersetzen lässt. Eine Liste der Methoden zur Entrückung lässt schnell erkennen, dass diese auch in unserem Kulturkreis und auch heute an vielen Orten anzutreffen sind:

  • Rhythmische, monotone Gesänge
  • Atemtechniken hin zur Ruhe
  • Meditative Ausschaltung der Gedanken
  • Schlafentzug, Übernächtigung
  • Hunger, Krankheit, Fasten
  • Stille, Abgeschiedenheit
  • Dunkle Räume, fahles Licht
  • Funkelnde Edelsteine
  • Seltene, edle Gerüche
  • Hypnagogie

Weg vom Alltag
Wer hier nicht die typische Ausstattung von Kirchen und anderen heiligen Orten sowie die typischen Grundmuster religiöser Lebensweisen erkennt, hat in seinem bisherigen Leben einige vielleicht sehr bereichernde Erfahrung noch versäumt. Man denke bei der Liste an das Innere von Kathedralen, die steinzeitlichen Kulthöhlen mit ihren Zeichnungen, entlegene Naturheiligtümer wie Moorlandschaften oder weite einsame Landschaften, man denke an Weihrauch und Räucherstäbchen, an die leiernden Gesänge tibetanischer oder mittelalterlicher Mönche, an die erschöpfenden Rhythmus-Tänze vieler Naturvölker, an die kindliche Faszination für Glitzersteine, an das mystische Gefühl im tiefen Wald in einer stillen Mondnacht. Auch kurz vor dem Einschlafen, im Moment der Hypnagogie oder nach längeren Zeiten ohne Schlaf und bei stimmten Krankheiten fühlt man sich oft wie in einer anderen Welt, sieht dort Wesen oder Muster, die nicht dem bekannten Alltag zu entstammen scheinen. Von dieser Anderswelt scheint eine so große Anziehungskraft auszugehen, dass ein großer Teil der Menschheit viel Aufwand treibt, um sich vom Alltag weg gelegentlich nach dort hintransportieren zu lassen.

Überreizt
Familiarity breeds contempt oder auf Deutsch: Gewohnheit stumpft ab. Huxley beschrieb auch, dass unserer moderne Zivilisation die Mittel der Entrückung im Prinzip von morgens bis abends in Überfülle darbietet. Nicht mehr nur jede Innenstadt sondern fast alle menschlichen Siedlungen sind heute überwuchert mit bunten Werbetafeln, leuchtenden Großbildschirmen und farbenreicher Architektur. Edle Gerüche strömen aus jedem Imbiss, Musik und Rhythmus kommen nicht mehr nur aus großen Lautsprechern sondern inzwischen dauerhaft aus Kopfhörern, auch unterwegs. Huxley schlug als Gedankenreise vor, sich einmal ins Mittelalter zurück zu versetzen. Die übliche Kleidung üblicher Menschen war eine Variation von Brauntönen. Schön gefärbte Textilien waren teuer und selten. Auch edle Gerüche und Geschmäcker waren nicht alltäglich. Gewürze kamen aus fernen Gegenden zu uns und waren oft unerschwinglich teure. Und Lichteffekte mit Glas und Edelsteinen waren alles andere als für jedermann zugänglich. Wie muss sich jemand gefühlt haben, der den größten Teil seines Alltags in einer Hütte am Waldrand verbringt und ohne jeden Strom, wenn er dann zu einem seltenen Moment einmal ein zauberhafte Kathedrale von innen erblickt? Wie müssen die mächtigen Gesänge eines Chors, der Klang einer Orgel auf jemanden gewirkt haben, der im Alltag nur selbst gemachte Musik hören konnte? Wer aber heute lebt und sich rund um die Uhr offen hält für die reizvollen Eindrücken der digitalen Konsum- und Erlebniswelt, wird nicht leicht mit dem "Budenzauber" der alten Methoden zu entrücken sein.

Guckkästen


Als Kind, in den 1970er Jahren konnte ich mich nicht satt sehen an diesen kleinen, billigen Plastikfernsehern von der Größe einer Apfelsine. Sie werden heute angeboten mit Namen wie Gucki oder Klickfernseher. Durch ein kleines Loch blickte man mit einem Auge auf ein hell erleuchtetes Bild. Als Lichtquelle diente oft die Sonne oder eine Glühlampe. Typische Bildmotive waren Photographien von unseren Urlaubsort Borkum. Man sah den Leuchtturm, die kleine pittoreske Inselbahn, Bilder vom Strand und den Nordseefähren. Das verwunderliche ist, dass die bezaubernde Wirkung selbst qualitativ schlechter Bilder oft viel größer ist, als der Blick auf das Original. Hat der exklusive Blick durch das kleine Loch etwas mit der Wirkung zu tun?

Um Spannung aufzubauen, verdecken manche Zauberkünstler noch nicht benötigte Utensilien unter einem Tuch. Und wenn man selbst Experimente vorführt, so erregt oft das offensichtlich Verborgene, die Sache unter dem Tuch oder in der Kiste mehr Aufmerksamkeit als alles andere.

Lichteffekte


Im 18. und frühen 19. Jahrhundert waren kunstvoll und aufwändig inszenierte Riesengemälde in Rundform, sogenannte Panoramen, sowie die Projektion von Bildern mit der damals populären Laterna magica oder einem Megaskop groß in Mode. Entsprechende Vorführungen zogen ein großes Publikum an. Die Technik war oft Gegenstand Streiten über die Urheberschaft. Ein durchgängiges Motiv, das sich in vielen Beschreibungen bis zurück ins 17. Jahrhundert findet, ist, dass der Zuschauer selbst im Dunkeln steht. Idealerweise wird er noch durch einen dunklen Gang in den Vorführraum geleitet, wo er dann längere Zeit im Dunkeln auf die eigentliche Schau warten muss.


ZITAT:

"Ein schwach erleuchteter Zugang, der sich bis unter die Plattform hinzieht, die durch eine Treppe zu ersteigen ist, kommt der Erhöhung der Lichtwirkung zu Hilfe". [28]


Erhöhte werden konnte die Wirkung des Lichts durch verschiedene Maßnahmen, die dem jeweiligen Gegenstand der Vorführung angepasst gewesen sei müssen:

  • Kein direktes Sonnenlicht, eher indirektes Licht
  • Lichtquelle eher oben als unten, Spotlights (in Museen)
  • Zuschauer selbst im Dunkeln, Blick vom Dunkeln ins Helle
  • Zugänge durch längere Bereiche der Dunkelheit (Tunnel)
  • Projektion von Bildern auf Rauch

Beachtlich ist, dass sich viele dieser Erfahrungen auch in der Gestaltung moderner Kinos und Museen wieder finden. Man denke nur an die entrückende Wirkung von längeren abgedunkelten Zugängen in Kinos. Auch der magische Moment wenn die Lichter im Vorführsaal ausgehen spricht für den Effekt.

Storytelling


Geschichten
Die richtige Geschichte zu finden taucht als Tipp in vielen Ratgebern immer wieder auf. Sie bildet den Rahmen für die Inszenierung. Eine sehr punktgenaue Methode wird von Randy Olson beworben. [19] In dem folgenden Satz soll man die zwei Leerstellen durch geeignete Worte ausfüllen: Nichts in (___) ergibt Sinn, außer im Lichte von (____).

  • Nichts in der Geologie macht Sinn außer im Lichte der Plattentektonik.
  • Nichts in der Biologie macht Sinn außer im Lichte der Evolutionstheorie.
  • Nichts in der Physik macht Sinn außer im Lichte der Quantentheorie.

Um einen Spannungsbogen (narrative arc) aufzubauen, schlägt Olson die ABC-Methode vor [19]: AND, BUT, THEREFORE. Man präsentiert erst einige Fakten oder Phänomene, die man lose mit einem UND verbindet. Dann kommt ein überraschendes ABER. Die Auflösung bietet das abschließende ALSO, kurz: [1, Seite 97]

  • AND: Eröffne die Geschichte mit einer Nennung der Fakten und binde die Aufmerksamkeit des Publikums
  • BUT (das Problem): Führe ein Problem oder einen Konflikt ein, der den Status quo stört
  • ALSO (die Lösung): Liefere eine Lösung oder eine Aufforderung etwas zu tun

Anschließend kann man die Geschichte mit Details ausstaffieren. Hier sind einige Tipps [1, Seite 98] woran man dabei denken kann:

  • Wer sind die Hauptcharaktere?
  • Wo findet die Geschichte statt?
  • Gibt es für das Publik spannende Konflikte oder Dramen?
  • Was würde mit dem Publikum resonieren?
  • Was kann man an Bildern, Gefühlen, Gerüchen einbauen?

Als Beispiel sei hier überlegt, wie man den Bau und Flug von Streichholzraketen in dieses Format des AND-BUT-ALSO bringen könnte. Im Herbst und Winter wurden in der Lernwerkstatt in Aachen von verschiedenen Schülern über 80 solcher Raketen gebaut und getestet. Hier ist eine Idee, wie man AND-BUT-ALSO einbauen könnte.

UND

Um die Reichweite von Flugzeugen zu erhöhen, macht man sie leichter. Wenn sie leichter sind, dann benötigen sie weniger Treibstoff um bei derselben Geschwindigkeit die Höhe zu halten. Werden sie schwerer, ist der Treibstoff früher aufgebraucht und das Flugzeug kommt nicht so weit. UND auch bei Raketen gilt: je leichter ihre Nutzlast ist, desto höher können sie bei gegebenem Treibstoff aufsteigen. UND sogar Segelflugzeuge, die gar keinen Treibstoff benötigen, können mit nur einer Person an Bord wesentlich weitere Flüge machen als mit einem zusätzlichen Passagier. Der Grund dafür ist, dass ihre Gleitzahl mit zunehmenden Gewicht sinkt.

ABER

Ende 2025 machten wir Versuche mit etwa 80 selbst gebauten Streichholzraketen. Zunächst bauten wir sie so leicht wie möglich. Damit erreichten wir Flugweiten von bis zu 6 Metern. Erst als wir ihre Masse mit einem ansonsten nutzlosen Ballast deutlich erhöhten, ging ihre Flugweite sprunghaft nach oben, bis auf fast 15 Meter (mit einem einzigen Streichholz). Wie kann das sein?

ALSO

Man kann also nicht automatisch sagen, dass leichtere Fluggeräte auch weiter kommen. Je nach Art des Körpers und Antriebs könne es ein Optimum irgendwo zwischen zu leicht und zu schwer geben. Der Knackpunkt ist wahrscheinlich Luftwiderstand im Verhältnis zur Größe des Gerätes. Einfaches Beispiel: man kann einen schweren Handball sehr viel weiter werfen als einen leichten aufgeblasenen Luftballon.

Das interessante an diesem Beispiel ist, dass es in der Entwicklung unserer Raketen in einer Lernwerkstatt auch genau so abgelaufen ist. Erst nach vielleicht 50 Flügen kam uns die Idee mit dem Ballast. Der bisherige Stand unserer Entwicklungen ist beschrieben im Artikel 👉 Streichholzrakete

In einem anderen Buch zur Kunst des Geschichtenerzählens wurde ein Grundmuster vieler erfolgreicher Geschichten beschrieben:


ZITAT:

"Ein Held verlässt die Welt des Alltags und begibt sich in eine Region übernatürlicher Wunder: Dort begegnet er fabelhaften Kräften und erringt einen entscheidenden Sieg: Der Held kehrt von diesem geheimnisvollen Abenteuer mit der Macht zurück, seinen Mitmenschen Gaben zu verleihen." [7]


Plot Point, Cliffhanger, Der verbotene Ort, Bluffen und Täuschen, Überspitzung, Provokation, Verfremdung, Rätsel, Widerspruch, konstruieren, Erste Ablehnung, Spannung durch Verzögerung, Fallhöhe verstärken, Clean Entrance & Exit, Imagetransfer, Sehen ist glauben, Brain-Scripts, Bedürfnisorientierte Erzählweise, Storydesign, Heldenreise, Emotionen aufgreifen, Walt-Disney Methode (Rollenspiel) [17]

Heisenbergs Schönheit der Zahlenwelt


Der Physiker Werner Heisenberg (1901 bis 1976) gilt als einer der großen Pioniere der Quantenphysik der 1920er Jahre. An einem humanistischen Gymnasium gebildet, verfügte über umfangreiche Kenntnisse außerhalb der Physik, etwa über die Denkwelt der antiken griechischen Philosophen. Auch wurde er immer wieder als guter Musiker beschrieben. Er war sportlich und wanderte gerne in der Natur. Naturerlebnisse findet man immer wieder in seinen Erzählungen.

Im Jahr 1970 hielt Heisenberg einen Vortrag vor der Akademie der Schönen Künste in München. [21] Der Titel war Die Bedeutung des Schönen in der exakten Naturwissenschaft. Darin entwickelt er sein Konzept des Schönen im Sinne einer tieferen Struktur hinter der Welt der Erscheinungen, einem Urgrund [21, Seite 94]. Und es ist genau dieses Erahnen einer Welt hinter der uns sichtbaren Welt, die ein wichtiges Moment des Geheimnisvollen ausmacht. Folgen wir Heisenberg, wie er diese verborgene Welt für sich erkannte. Vielleicht lassen sich davon Anleihen nehmen.

Beispiele


Es folgen nun einige Beispiele zu emotional wirksamen Erlebnissen aus unserer Aachener Lernwerkstatt. Mein Eindruck aus der Erinnerung ist, dass sich das Gefühl bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen einstellte, die sich selbst als philosophisch interessiert bezeichneten, gerne grübelten und recht gut auf C. G. Jungs ursprüngliche Beschreibung des eher introvertiert geneigten Menschentyps passten.

a²+b²=c²


Zahlengehorsam
Mit einem stark philosophisch und künstlerisch geneigten Schüler der Klasse 9 hatte ich über mehrere Stunden hinweg den Satz des Pythagoras behandelt. Wir vermaßen zig rechtwinklige Dreiecke und immer ging der Satz einigermaßen gut auf. Auf einmal sagte der Schüler von sich aus, dass ihm gerade ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen sei: woher wissen die Dreiecke, wie sie aufgebaut sein müssten, dass der Satz aufgeht? Der Schüler hat ein oder zwei Jahre später erneut von dem Gefühl berichtet, als wir irgendeine einfache Formel der Physik studierten und er erneut bemerkte, wie sich "die Wirklichkeit" an die Formeln hält. Siehe auch 👉 Satz des Pythagoras

Riss in der Matrix


Ist die Welt vielleicht irreal?
Ein Schüler, 16 Jahre alt, führte eine kleinere Rechnung mit dem Taschenrechner durch. Die angezeigte Zahl war aber nicht die richtige Lösung auf das gerade betrachtete Problem. Kurz darauf tippte der Junge exakt dieselbe Rechnung noch einmal ein; und plötzlich erschien die richtige Lösung. Er beteuerte mehrfach, dass er bei beiden Versuchen exakt dieselben Tasten in exakt derselben Reihenfolge getippt habe. Als ich nur das Wort "Riss in der Matrix" in den Raum warf, schüttelte er in Andeutung eines Schauergefühls kurz den ganzen Oberkörper. Als Riss in der Matrix verstanden wir aus vorherigen Gespräche beide die Idee, dass unsere Realität eine computergenerierte Illusion, die Matrix, sein könnte. Ein Riss kommt dann zustande, wenn der Computer mit seiner Rechenleistung nicht hinterher kommt und die Simulation auch für ihre Bewohner von innen heraus durch Inkonsistenzen oder sonstwie erkennbar wird. [30]

Erdkugel


Man ist ein Stück Physik
Oft kann ein Gefühl des Geheimnisvollen durch einen bloßen Wechsel der Perspektive, eine Verfremdung der Sicht, erzeugt werden. Wenn ich Kindern das Gesetz der Gravitation im Sinne Newtons zum ersten Mal erkläre, fange ich gerne mit zwei Steinen im ansonsten leeren Weltraum an. Zwei Stückchen Materie, so meine Einleitung, würden sich bei ansonsten fehlenden Kräften mit der Zeit immer mehr aufeinander zu bewegen. Hier spüren schon viele den Zauber, der der Idee der Fernwirkung innewohnt. Woher "wissen" denn die Steine, wo ihr Gravitations-Partner ist? Dann variiere ich dieses Bild, etwa dass ein Stein gegenüber dem andere riesengroß sei. Auch bewege ich das Denkbild dann bewusst weg von irgendwie geformten Steinen zu den in der Astronomie oft vorherrschenden Kugeln. Und am Ende kippe ich die Perspektive: du - ich meine den Zuhörer - bis eine der zwei Gegenstände. Der andere Gegenstand ist die Erdkugel unter deinen Füßen. Am Ende dieser dramaturgisch aufgebauten Erzählungen äußerten mehrere Kinder oder Jugendliche ein starkes Erstaunen.

Megaskop


Licht und Schatten
Mit einer starken Taschenlampe wurden kleine Kristalle aus Salz über 7 Meter hinweg auf eine helle Fläche in einem dunklen Raum projiziert. Ich führte 2026 diesen Effekt einer großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen vor. Standen sie selbst in dem dunklen Raum und ich als Projektionsleiter weit entfernt in einem andere Raum, war der emotionale Effekt wohl besonders stark.



Mit einfachsten optischen Mitteln werden kleine quadratische Kristalle aus Salz an eine helle Wand geworfen. Der Effekt wirkt bei Kindern deutlich stärker als etwa mit einem teuren Beamer an die Wand projizierte und auch noch so gute Bilder.

Die emotionale Berührtheit machte ich daran fest, wie lange die Kinder das Bild betrachten und auch an kleinen Gefühlsäußerungen wie einem angedeuteten "Boah" oder "Wow". Solche Reaktionen waren bei dieser Vorführung nicht selten.

Dunkellicht


Verborgene Realitäten
Kann man Licht auch im Dunkeln sehen? Die Tatsache, dass man Licht an sich erst einmal nicht sehen kann, verblüfft so gut wie alle Schüler. Und bei vielen stellt sich dann auch ein ehrliches Aha-Erlebnis bis Schauergefühl ein.



In dem Video blickt man in die nachtschwarze Landschaft einer Nordseeheide. Tatsächlich müssen Aberbilliarden von Lichtteilchen unmittelbar vor den Augen des Beobachters vorbeiflitschen. Doch erst mit einem Trick werden diese Lichtteilchen, die Photonen für uns sichtbar.

Für eine emotionale Berührung muss man Effekt richtig vorbereiten, framen sozusagen. Dabei ist es noch nicht einmal nötig, den Versuch auch wirklich durchzuführen. Schon das reine Gedankenexperiment kann eine sichtbar starke und auch emotionale Verwunderung hervorrufen. Hier ist der Gedanke: man ist irgendwo im dunklen Weltraum. Direkt vor der eigenen Nase, vielleicht einen halben Meter vor ihr, geht ein Strahl intensivsten weißen Lichts vorbei, etwa von einem hellen Strahler. Man würde nichts von diesem Licht sehen. Obwohl es direkt vor den eigenen Augen nur so von Lichtteilchen, den Photonen, wimmeln müsste, bleibt der Weltraum tiefschwarz und völlig durchsichtig. Tatsächlich kann man den Effekt mit einfachsten Mitteln auch im Freien nachstellen. Siehe dazu 👉 Tarnkappenlicht (Versuch)

200 Würfel


Gelenkter Zufall?
Ein Standardversuch der Lernwerkstatt ist der Wurf von 200 Spielwürfeln gleichzeitig. Aufgabe ist es dabei, im Voraus die Anzahl von Sechsen anzusagen, die gleich kommen. Ich "inszeniere" den Versuch oft so, dass die Würfel mit einer Schale auf einen großen leeren Tisch geworfen werden, der Raum abgedunkelt und der Tisch warm beleuchtet ist. Ich baue oft lange Pausen ein und wiederhole die Würfe oft, vor allem, um die Zeit in die Länge zu ziehen. Mit wenigen suggestiven Worten provoziert, bestätigen mir dann einige (nicht wenige) Schüler, dass sie es durchaus als "gruselig" bezeichnen würden, dass die Würfel sich einigermaßen gut an die Regel halten, dass etwa ein Sechstel der 200 Würfel eine Sechs zeigt. Siehe auch 👉 200-Würfel-Versuch

Schattenzauber


Geheimnis Licht
Mit einem billigen Lasergerät und einem dünnen Nagel kann man einfach ein Interferenzmuster an die Wand zaubern. Führe ich den Versuch, etwa in der Oberstufe, ohne weitere Einleitung begleitend zum aktuellen Schulgeschehen vor, kann ich den Schülern nicht wirklich eine emotionale Ergriffenheit entlocken. Was soll an dem hell-dunkel-Muster an der Wand auch schon so verblüffend sein. Ganz anders ist die Reaktion, wenn ich den Versuch als Abschluss einer etwa einstündigen dramatischen Anbahnung vorführe. Ich gehe mit den Schülern dann erst ausführlich mit Versuchen die Logik der Strahlenoptik durch. Ein abgedunkelter Raum ist dabei Standard.


Dieses Bild ist für das Verständnis des Textes nicht wichtig. Das Bild wird im Text nicht erwähnt.
Mit der selbst angefertigten Schattenbank kann man die Gesetze der Strahlenoptik erkunden. Ein abgedunkelter Raum erleichtert das Experimentieren und fördert eine stimmungsvolle Grundhaltung.

Wir vergewissern uns, dass mittig hinter einem angestrahlten Objekt immer der dunkelste Bereich des Schattens liegt. Dieser Kernschatten oder Umbra stellt sich immer ein, wenn das schattenwerfende Objekt nicht allzu dünn ist. Variationen mit eine oder zwei Objekten sowie vor allem mit mit mehreren Lichtquellen können eine ganze Stunde ausfüllen. Dabei geht es immer darum, für eine bestimmte Anordnung millimetergenau die genaue Form und Größe des Schattens vorherzusagen. Wir haben uns auf eine solche Weise ganz davon überzeugt, dass sich Licht strahlenartig zu verhalten scheint. Dann zeige ich den Aufbau mit dem Laser und dem dünnen Nagel zwischen ihm und der Wand. Die Schüler wieder mit Hilfe der - völlig selbstverständlichen - Strahlenoptik das Schattenbild an der Wand vorhersagen. Wenn man dann den Laser einschaltet und an der Wand erscheint das helle Streifenmuster ist die Verwunderung groß. Und vor allem: dort wo der dunkelste Schatten sein sollte, erscheint die Wand jetzt am hellsten. Die Verwunderung für dieses Phänomen geht zurück bis ins 17. Jahrhundert. Die Verblüffung und das Wundern und Staunen der Alten nachzustellen ist das Ziel dieses Versuches. Siehe dazu auch 👉 Newtons Lichtbeugung

Fußnoten


  • [1] Laura Lindenfeld, John C. Besley, Xia Zheng, Anthony Dudo, Todd P. Newman: Science Communication for Scientists: Linking Strategy with Creativity, Practice, and Respect. Routledge. 2025. ISBN-13: 978-1-032-79733-5.
  • [2] Jean Paul Bertemes, Serge Haan, Dirk Hans (Herausgeber): 50 Essentials on Science Communication. ISBN-13: 978-3-11-076326-3
  • [3] Das historisch lange Werden der heutigen Begriffe Impuls und kinetische Energie begann in der griechischen Antike, ging über die Blütezeit der arabischen Kultur, die mittelalterliche Scholastik bis weit in die Neuzeit hinein. Und mit den Begriffen wie relativistische Masse landen wir letztend Endes sogar noch im 20. Jahrhundert. Zu den historischen Wurzeln siehe den Artikel zur 👉 Impetustheorie
  • [4] Mit mehreren Schülern ab der Klasse 9 hatte ich gezielt die Gesetze des elatistischen Stoßes mit den Termen mv und ½mv² mit den Begriffen Entropie und darüber kurz mit größeren philosophischen Themen verbunden. Mein Eindruck war, dass gerade dieses kurze Aufleuchten von großen möglichen Sinnzusammenhängen die eigentliche Physik noch einmal deutlich interessanter machen kann. Siehe als Beispiel dazu etwa den Artikel zur 👉 Billardkugelwelt
  • [5] Schüler aus der Oberstufe fragen oft nach dem "Sinn" der Vektorrechnung. Wenn ich dann realistische Beispiele bringe wie die Berechnung der Bewegung von Luft- oder Wassermassen im Raum, das Flugverhalten von Vögeln in einem Schwarm, die Darstellunge von Worten in einem Bedeutungsraum oder auch einfache Navigationsfragen der Luft- und Seefahrt (Abdrift), sind die meisten dieser Schüler nach kurzen Andeutungen zufrieden. Es ist dann nicht nötig, tiefer auf die Beispiele einzugehen. Ich frage dann immer, ob die Beispiele als Antwort auf die Sinnfrage genügen. Meistens ist die Antwort ein Ja.
  • [6] Die Ideenschau als Belohnung ausdauernden Lernens bei Platon: "Wie nun die Seele unsterblich ist und oftmals geboren, und, was hier ist und in der Unterwelt, alles erblickt hat, so ist auch nichts, was sie nicht hätte in Erfahrung gebracht, so daß nicht zu verwundern ist, wenn sie auch von der Tugend und allem andern vermag sich dessen zu erinnern was sie ja früher gewußt hat. Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist, und die Seele alles inne gehabt hat: so hindert nichts, daß wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung. In: Platon, Menon 81c f. Siehe auch 👉 Ideenlehre
  • [7] Die Übersetzung stammt von mir. Das englische Original ist: "A hero ventures forth from the world of common day into a region of supernatural wonder: fabulous forces are there encountered and a decisive victory is won: the hero comes back from this mysterious adventure with the power to bestow boons on his fellow man." Diese knappe Charakterisierung erfolgreicher Mythologien stammt aus dem im Jahr 1949 veröffentlichen Buch The Hero with A Thousand Face von Joseph Campbell. Zitiert in: Laura Lindenfeld, John C. Besley, Xia Zheng, Anthony Dudo, Todd P. Newman: Science Communication for Scientists: Linking Strategy with Creativity, Practice, and Respect. Routledge. 2025. ISBN-13: 978-1-032-79733-5.
  • [8] Dass der praktische Nutzen eine wichtige Motivation für viele Schüler betonte der US-amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey (1859 bis 1952): "The number twelve is uninteresting when it is a bare, external fact; it has interest … when it presents itself as an instrument of carrying into effect some dawning energy or desire — making a box, measuring one’s height, etc." Und: "Many a student, of so-called practical make-up, has found mathematical theory, once repellent, lit up by great attractiveness after studying some form of engineering in which this theory was a necessary tool." In: John Dewey: Interest and Effort in Education. Houghton & Mifflin. New York. 1913. Siehe auch 👉 Extraversion (Mathematik)
  • [9] Innere Interessen müssen angesprochen werden: "… the problem is one of intrinsic connection as a motive for attention … the new material be presented in such a way as to enable the child to appreciate its bearings, its relationships, its value in connection with what already has significance for him." (Die Übersetzung ins Deutsche stammt von mir). In: John Dewey: Interest and Effort in Education. Houghton & Mifflin. New York. 1913.
  • [10] Henning Nelms: Magic and Showmanship: A Handbook for Conjurors, Dover Publications, New York, 1973.
  • [11] John Graham: Stage By Stage, Supreme Magic Company, London, 2005.
  • [12] Terry Magelssen: Stagecraft For Magicians: Producing Your Own Show for the Stage, Lulu Press, Raleigh, 2008.
  • [13] Nina Tecklenburg: Performing Stories: Erzählen in Theater und Performance, transcript Verlag, Bielefeld. 201
  • [14] Michl Zirk: Freies mündliches Erzählen, Erzählverlag, Berlin, 2020.
  • [15] Thomas Kabel: Handbuch Liturgische Präsenz. Zur praktischen Inszenierung des Gottesdienstes, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2002 (Band 1) — praxisorientierte Techniken zur Gestik, Mimik, Bewegung, Stimme im Gottesdienstkontext.
  • [16] Helge Stadelmann: Kommunikativ predigen – Plädoyer und Anleitung für die Auslegungspredigt, CV, Dillenburg, 2024 – enthält Reflexionen zur Verbindung von Predigt und Gottesdienstablauf.
  • [18] Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): Warum das Bildungssystem Deutschlands größte Zukunftsgefahr ist. 23. Januar 2026. Bericht über die für den Deutschen Beamtenbund (dbb) durchgeführte Forsa‑Umfrage „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“ (repräsentative Befragung, 18.–19. Dezember 2025, n = 1004), laut der 90 % der Befragten Probleme im Bildungssystem als größte Gefahr für Deutschlands Zukunft nennen.
  • [19] "Hollywood has a lot to teach scientists about how to tell a story". Und als Empfehlung einen narrativen Kern zu finden: "Nothing in (___) makes sense except in the light of (____)." In: Randy Olson: Houston, we have a Narrative. The University of Chicago Press. 2015. ISBN: 978-0226270845.
  • [20] Hier denke ich etwa an Wissenschaftler, die versuchen das das riesige Gedankengebäude der Mathematik als tiefere Ursache hinter der Welt der Erscheinungen erkennbar zu machen. Die Wurzeln gehen mindesens auf die wohl mystische Schule Platons zurück.
  • [21] Werner Heisenberg: Die Bedeutung des Schönen in der exakten Naturwissenschaft. In: Werner Heisenberg: Quantentheorie und Philosophie. Reclam Verlag. Stuttgart. 1983. ISBN: 3-15.00948-X. Dort die Seiten 91 bis 114. Das Textstück war ursprünglich ein Vortrag den Heisenberg am 9. Juli 1970 vor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München hielt.
  • [24] Das Geheimnis "des Alten" erwähnte Einstein in einem Brief an Max Born, geschrieben am 4. Dezember 1926. In: Albert Einstein Max Born Briefwechsel 1916-1955. Geleitworte von Bertrand Russell und Werner Heisenberg. Ullstein Buch, Frankfurt am Main, 1986. ISBN: 3-548-3445-7. Mit dem Namen Born ist heute aber gerade jede stochastische Deutung der Quantenphysik verbunden, die Einstein hier ablehnt. Dass der Alte nicht würfele ist Einteins ablehnende haltung gegenüber Borns Idee von reinen Wahrscheinlichkeiten als Grundlage der Quantenphysik. Siehe dazu den Artikel über die 👉 Bornsche Wahrscheinlichkeitsinterpretation
  • [25] Werner Heisenberg: Das Schöne in den exakten Naturwissenschaften. Vortrag vom 9. Juli 1970 vor der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. In: Werner Heisenberg: Quantentheorie und Philosophie. Reclam Verlag. Stuttgart. 1983. ISBN: 3-15.00948-X. Dort auf den Seite 91 und 92.
  • [26] Der sächsische Landbauwissenschaftler Julius Kühn (1825 bis 1910): "Meine Aufgabe war ein Ziel, das vorher nicht ausgesprochen worden ist. Aber die naturwissenschaftliche Forschung ist noch keine Landwirtschaft. Das wahre Ziel ist die größtmögliche Produktion an Nahrungsmitteln und Kleidungsstoffen. So, wie die medizinische Wissenschaft die Erhaltung des Leibes in Kraft und Gesundheit zum praktischen Ziele hat, besitzt unsere Wissenschaft die Pflicht, die Bedürfnisse der Menschheit nach Nahrung und Kleidung zu decken zu versuchen. Die Gesetze der Natur müssen wir anerkennen, die Gesetze der Natur müssen wir anwenden mit möglichster Rente, zur Stofferzeugung. Das höchste wissenschaftliche Ziel ist das praktische Ziel… Unsere Aufgabe ist der Nutzen." In: Saale-Zeitung (Halle), 11. März 1907, Nr. 118, Beilage.
  • [27] Werner von Siemens: "Ideen an und für sich haben nur einen sehr geringen Wert. Der Wert einer Erfindung liegt in ihrer praktischen Durchführung." In: Siemens Historical Institute, Siemens-Archiv-Akte W6249, Brief von Werner von Siemens an seinen Bruder Carl, 27. Januar 1865. Und: "Nur in enger Verbindung mit der Fabrikation zur Lösung direkt vorliegender Fragen wird die Erfindungstätigkeit nützlich und sicher erfolgreich." Werner von Siemens, 1886. Beide Zitate aus: Martin Münzel: 175 Jahre Siemens. Ein Technologieunternehmen seit 1847. Herausgegeben von der Siemens AG und dem Siemens Historical Institute, Berlin. 2022. Online: https://assets.new.siemens.com/siemens/assets/api/uuid:e27c0a1c-0716-44b3-89f1-9f996ea00135/106-siemens-175-jahre-deutsch-digital.pdf
  • [28] In: Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 796-797. Siehe auch 👉 Panorama
  • [29] Jochen Kirchhoff: Die Anderswelt: Eine Annäherung an die Wirklichkeit. Edition Hagia Chora. 2002. Der Autor deutet eigene transpersonale Erlebnisse von einer Parallelwelt (ohne Drogeneinfluss) aus rationaler und wissenschaftlicher Sicht.
  • [30] Eine filmische Umsetzung von einem solchen "Riss in der Matrix" findet man etwa in Rainer Werner Fassbinders "Welt am Draht" aus dem Jahr 1973. Computer erzeugen eine künstliche Welt, in der die Bewohner diese Kunsthaftigkeit normalerweise nicht erkennen (bis auf eine dramaturgisch wichtige Ausnahme). Bei einer Verfolgungsjagd mit einem Auto in dieser Kunstwelt werden plötzlich ganze Straßenzüge nicht mehr korrekt in Echtzeit eingeblendet: der Computer war in seiner Rechenleistung überfordert. Mehr zu diesem Gedanken steht im Artikel zur sogenannten 👉 Simulationshypothese
  • [31] Seit dem späten 17. Jahrhundert wurden in ganz Westeuropa Lichtershows mit einer Laterna Magica vorgeführt, die viele Zuschauer emotional stark mitnahmen. Effekt von Licht und Schatten zeigten Bilder von Schlachten, Teufeln oder verstorbener Ahnen, die manche Zuschauer für bare Münze nahmen. Das wird sehr ausführlich dargelegt in: Laurent Mannoni: The Great Art of Light and Shadow. Archeology of the Cinema. Aus dem Französischen übersetzt von Richard Crange. University of Exter Press, Devon (UK), 2000. Original: Le Grand Art de la Lumière et de l'Ombre (1995).
  • [32] Die Anziehungskraft der Prädestinationslehre, der Lehre von der Vorherbstimmtheit unserer Schicksals nach dem Tod scheint aber weniger auf mystische oder ähnliche Erfahrungen als vielmehr auf eine konsequente Ernstnahme von Gottes Allamcht zu fußen. Wenn Gott allmächtig und allwissend ist, dann kennt er auch im Voraus unsere ganze Lebensgeschichte. Und damit ist man dann bei der 👉 Prädestinationslehre
  • [33] Man denkt an einen alten Freund, den man jahrelang aus dem Gedächtnis verloren hatte, und just dann ruft er unerwartet an. Wem läuft bei solchen Erfahrung nicht hin und wieder eine Schauer über den Rücken? Solche sinnstiftenden Gleichzeitigkeiten wurden unter anderem von dem Psychologen Carl Gustav Jung und dem Pionier der Quantenphysik, Wolfgang Pauli, umfangreich diskutiert. Siehe auch 👉 Synchronizitäten
  • [34] Originalzitat in: T. M. Cicero: Scritpa quae manserunt omnia. Leipzig 1905. Darin: De re publica. Seite 271 bis Seite 379. Übersetzt von W. Petri. Buch 6, Kapitel 17, Seite 373/4. Zitiert nach: Jürgen Teichmann: Wandel des Weltbildes. Astronomie, Physik und Meßtechnik in der Kulturgeschichte. Mit Beiträgen von Volker Bialas und Felix Schmeidler. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt. 1983. Seite 23. Siehe auch 👉 sublunar



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