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Realität


Erkenntnistheoretisch


Basiswissen


Als Realität bezeichnet man die Gesamtheit aller Dinge, die nicht bloß als Illusion oder, Wunsch- oder Gedankenbild existieren sondern für sich alleine sind, unabhängig von einem Beobachter. Das ist hier näher ausgeführt.

Realität in der klassischen Physik


Als klassisch bezeichnet man das Weltbild der Physik, welches in der Zeit zwischen etwa 1600 bis 1910 in sich geschlossen ausgearbeitet und zu hoher theoretischer Stimmigkeit entwickelt wurde. Es gilt heute als überholt. Stellvertretend für dieses Weltbild wird oft die Theorie der Mechanik Isaac Newtons genannt: aus wenigen Naturgesetzen, den Prinzipien, lässt sich der Ablauf der Welt mit beliebiger Detailtreue vorhersagen. Die Grundidee dieses Weltbildes war die Trennung von Geist (res cogitans) und Materie (res extensa). Methodisch schloss man für physikalische Gesetze jedwede Einflussnahme eines Geistes auf die Materie aus. Wenn es etwas Geistartiges gab, dann war dies auf eine wirkungslose Zuschauerrolle beschränkt. Die Realität wurde zu einer Wirklichkeit ohne Wirkender. Realität in diesem verengten Sinn war ausschließlich eine für sich existierende Materie die sich nach starren Naturgesetzen abspult. Siehe auch => klassische Physik

Realität in der Quantenphysik


In der klassischen Physik nahm man an, dass Beobachter und beobachtete Dinge streng voneinander trennbar waren: die Farbe einer Rosenblüte ändert sich nicht damit, wer die Blüte gerade betrachtet. Seit etwa 1920 mehrten sich aber Versuchsergebnisse, die eine für sich unabhängit vom Beobachter seiende Realität zunehmend schwer vorstellbar machten. Insbesondere ist sind hier das Phänomen der Verschränkung und das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon zu nennen: möglicherweise nimmt die Realität erst dann ihre endgültige Gestalt an, wenn sie von einem Beobachter wahrgenommen wird. Lies mehr unter => Quantenphysik

Realität in der Außenwelthypothese


Als Außenwelthypothese bezeichnete der österreichische Physiker Ernst Mach die Annahme, dass es außerhalb unseres Bewusstseins existierende Objekte gibt. Unsere Wahrnehmung sei dann eine mehr oder minder gute Wahrnehmung dieser Objekte. Ein jedes solcher Objekte nannte der Philosoph Immanuel Kant ein Ding an sich. Der Österreichische Physiker Ernst Mach fasste gegen Ende des 19ten Jahrhhunderts dann eine Reihe von theoretischen Problemen zusammen, die sich aus der Annahme einer existierenden Außenwelt ergeben. Als Alternative schlug er eine Physik vor, die ganz auf die Annahme materiell in der Außenwelt existierender Dinge verzichten kann und als Gegenstand ausschließlich Sinneswahrnehmungen betrachtet. Die Realität im Sinne von Machs Außenwelthypothese sind nur unsere sinnlichen Wahrnehmungen, alles andere sind Theorien und Gedankenkonstrukte. Lies mehr unter => Außenwelthypothese

Realität als etwas mit Bestand


Der katholische Philosoph Josef Piper charakterisiert Realität als etwas, das "begegnet", was heißt, "etwas kommt auf solche Weise zu Gesicht, daß es Widerstand leistet. Strenggenommmen, das ist wahr, kann mir überaupt nicht wirklich etwas zu Gesicht kommen, das nicht auch Widerstand leistet. Zwar kann ich mir etwas ausdenken, ich kann Phantasien produzieren; aber ihre Unwirklichkeit zeigt sich eben darin: sie leisten keinen Widerstand, sie halten nicht stand ..." [2, Seite 18]

Literatur


◦ [1] Josef Piper: Verteidigungsrede für die Philosophie. Kösel-Verlag. 1966. ISBN: 3-466-40143-7.