Impuls
p = m·v
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- 2026
Grundidee|
Fakten und Formeln|
Impuls als Menge an Bewegung|
Impuls als Kraftstoß|
Bahndrehimpuls|
Eigendrehimpuls|
Spin|
Photonenimpuls|
Feldimpuls|
Relativistischer Impuls|
Unterschied zur kinetischen Energie|
Fußnoten
Grundidee
Die Gleichung zur Berechnung des Impulses p ist recht simpel: p = mv. Dabei ist p der Impuls, m die Masse des betrachteten Körpers und v dessen Geschwindigkeit. Wenn ein typischer Apfel mit zum Beispiel 0,4 Kilogramm Masse so schnell durch die Luft fliegt, wie ein gemächlicher Radfahrer schnell ist (18 km/h ≙ 5 m/s), dann hat er einen Impuls von 2 Ns. Hinter dieser scheinbar einfachen Berechenbarkeit steht jedoch ein historisch über 2000 Jahre mühsam ersonnenes Konzept, das auch gestandene Physiker noch ins Grübeln bringen kann. [4]
Fakten und Formeln
FAKTEN
- Das übliche Formelzeichen ist p als 👉 kleines p
- Die übliche Einheit ist die Ns als 👉 Newtonsekunde
- Alles was Masse (kg) hat, kann Impuls haben.
- Nicht alles, was Impuls hat, muss Masse haben.
- Eine Impulsänderung benötigt immer eine Kraft.
- Nicht jede Kraft führt zu einer Impulsänderung.
- Der Impuls ist eine der 👉 Erhaltungsgrößen
- Der Impuls ist eine 👉 Vektorgröße
FORMELN
- p = mv [Grundformel]
- p = F·Δt 👉 Kraftstoß
- F = dp:dt 👉 Zweites Newtonsches Axiom
- λ = h/p 👉 de-Broglie-Wellenlänge
- J = L/ω 👉 Eigendrehimpuls
- L = m·r·v 👉 Bahndrehimpuls
Impuls als Menge an Bewegung
Lange Geschichte, Impetustheorie
ZITAT:
Isaac Newton, 17. Jh.: "Die Bewegung (motion) des Ganzes ist die Summe der Bewegungen all seiner Teile. So hat ein Körper der doppelten Masse (quantity), gleiche Geschwindigkeit vorausgesetzt, auch die doppelte Bewegung; mit der doppelten Geschwindigkeit hätte er vier mal so viel Bewegung." [1]
Isaac Newton, 17. Jh.: "Die Bewegung (motion) des Ganzes ist die Summe der Bewegungen all seiner Teile. So hat ein Körper der doppelten Masse (quantity), gleiche Geschwindigkeit vorausgesetzt, auch die doppelte Bewegung; mit der doppelten Geschwindigkeit hätte er vier mal so viel Bewegung." [1]
ZITAT:
Franz Serafin Exner, 1919: "Setzt eine Kraft eine Masse in Bewegung, so hat das im allgemeinen einen doppelten Effekt: es müssen auf dem Wege irgendwelche äußere Widerstände überwunden werden, wie z. B. Reibung, Luftwiderstand u. dgl. und anderseits erhält der Körper eine Geschwindigkeit, d. h. seine Bewegungsgröße wurde verändert." [2]
Franz Serafin Exner, 1919: "Setzt eine Kraft eine Masse in Bewegung, so hat das im allgemeinen einen doppelten Effekt: es müssen auf dem Wege irgendwelche äußere Widerstände überwunden werden, wie z. B. Reibung, Luftwiderstand u. dgl. und anderseits erhält der Körper eine Geschwindigkeit, d. h. seine Bewegungsgröße wurde verändert." [2]
ZITAT:
Christian Gerthsen, 1966: "Das Produkt aus der Masse m eines Massenpunktes und seiner Geschwindigkeit u ergibt einen Vektor, den man als Impuls oder Bewegungsgröße (J) bezeichnet." [3]
Christian Gerthsen, 1966: "Das Produkt aus der Masse m eines Massenpunktes und seiner Geschwindigkeit u ergibt einen Vektor, den man als Impuls oder Bewegungsgröße (J) bezeichnet." [3]
Menge an Bewegung passt zur Intuition
Proportionalitäten
- Macht man einen bewegten Körper doppelt so schnell, dann hat er hinterher auch doppelt so viel Impuls.
- Macht man einen bewegten Körper doppelt so schwer, dann hat er hinterher auch doppelt so viel Impuls.
Ceteris paribus
Eine unpassende Einheit
- kg·m/s | mit v=at gilt auch: m/s = (m/s²)·s
- kg·(m/s²)·s | mit ma=F gilt: N = kg·m/s²
- N·s ✓
Welche Berechtigung die Newtonsekunde Ns als Einheit des Impulses hat, wird sich weiter unten zeigen. Dort wird der Impuls dann als ein sogenannter Kraftstoß gedeutet. Und genau von diesem Kommt dann die Idee der Newtonsekunde.
Impuls als Kraftstoß
Änderung des Impulses
🖩
Drückt man mit einer Kraft von 10 Newton über 2 Sekunden hinweg auf ein reibungsfrei gelagertes Luftkissenboot, dann hat man dem Boot einen Impuls von 10·2 Newtonsekunden, also kurz von 20 Ns übergeben.
Drückt man mit einer Kraft von 10 Newton über 2 Sekunden hinweg auf ein reibungsfrei gelagertes Luftkissenboot, dann hat man dem Boot einen Impuls von 10·2 Newtonsekunden, also kurz von 20 Ns übergeben.
Kraft mal Zeit
- F·s = W ist die Formel für die verrichtete Arbeit 👉 W
- F·t = Δp ist die Formel für die Impulsänderung 👉 Δp
Dabei steht s für die Wegstrecke über die hinweg die Kraft F wirkt und t steht für die Zeit, über die hinweg die Zeit wirkte.
Noch mal zur Einheit
Bahndrehimpuls
Sehr gut zu der bisher entwickelten Vorstellung von Impuls als Menge an Bewegung passt auch die Vorstellung, dass ein Körper bei einer Bahnbewegung entlang einer Kreislinie einen Impuls hat. Diesen Sonderfall des Impulses bezeichnet man als Bahndrehimpuls L. Er steht mit anderen Größen wie etwa dem Trägheitsmoment J rechnerisch in einem Zusammenhang.
- L = m·r·v
- L = m·r²·ω
Der Bahndrehimpuls L eines Körpers ist rechnerisch gleich dem Produkt aus einer Masse m, dem Radius r der Kreisbahn und der Bahngeschwindigkeit v entlang der Kreislinie. Alternativ kann man den Bahndrehimpuls auch mit Hilfe der Winkelgeschwindigkeit ω (kleines griechisches Omega) berechnen. Siehe mehr unter 👉 Bahndrehimpuls
Eigendrehimpuls
Eng mit dem Bahndrehimpuls verwandt ist der Eigendrehimpuls eines um sich selbst rotierenden Körpers. Man denke für Beispiele etwa an die Rotation der Erde um sich selbst oder schnell drehende Elektromotoren oder Dynamos.
- L =J·ω
Das große lateinische J steht für das sogenannte Trägheitsmoment und das kleine griechische ω (Omega) wieder für die Winkelgeschwindigkeit. Siehe mehr unter 👉 Eigendrehimpuls
Spin
In der submikroskopischen Welt der Atome und Moleküle ordnet man verschiedenen Teilchen einen sogenannten Spin zu. Das Verb to spin heißt im Englisch so viel wie sich drehen (the world spinning round). Das deutsche Wort spinnen, etwa von Wolle, passt dazu. Der Spin von zum Beispiel Elektronen wird zur Veranschaulichung oft mit einem Bahn- und Eigendrehimpuls erklärt. Doch hat diese Verbindung zu echten Drehbewegungen mehr nur die Funktion einer Eselsbrücke. Der Spin hat Eigenschaften, etwa seine Quantelung, die man größeren Körpern in einer Kreisbewegung nicht zuschreibt. Siehe mehr dazu im Artikel zum 👉 Spin
Photonenimpuls
Hummeln
Licht
Formeln
- λ = h/(mv)
- λ = h/p
Legende
- λ = die 👉 de-Broglie-Wellenlänge
- p = der 👉 Photonenimpuls
- m = die 👉 Ruhemasse [des Teilchens]
- c = die 👉 Lichtgeschwindigkeit
- h = die 👉 Planck-Konstante
Die Formeln beziehen sich auf sogenannte Photonen. Photonen sind ein gedankliches Scharnier zwischen der Wellenvorstellung von Strahlung (wie z. B. Licht) und der Teilchenvorstellung. Die Wellenlänge λ (kleines griechisches Lambda) gehört ganz ohne Zweifel in die Vorstellungswelt von Wellen. Masse hingegen ist ganz eindeutig keine Eigenschaft einer Welle sondern eine Eigenschaft eines Teilchens. Die Unanschaulichkeit von Wellen mit Masse und Teilchen mit Wellenlängen wird deutlich, wenn man ernsthaft versucht, Fragen der folgenden Art zu beantworten.
- Wie viele Kilogramm hat diese oder jene Welle am Strand?
- Was ist die Wellenlänge von einem Golfball und was sagt sie aus?
Obwohl das Wellenbild und das Teilchenbild von Strahlung anschaulich-realistisch kaum verträglich sind, kann man in der Physik diese Unverträglichkeit oft auf eine pragmatische Weise ignorieren und gelangt damit zu sehr guten Rechenergebnissen zur Vorhersage der Wirklichkeit. Siehe dazu mehr im Artikel zum 👉 Welle-Teilchen-Dualismus
Historisch
Feldimpuls
Einsteins Theorie
Relativistischer Impuls
Laut Einstein ändern sich Raum und Zeit wenn sich Dinge zueinander bewegen. Bei sehr schnell fliegenden Teilchen muss man den Impuls anders berechnen. Man muss dann die Relativitätstheorie von Albert Einstein benutzen. Siehe dazu auch 👉 relativistischer Impuls
Unterschied zur kinetischen Energie
Der Impuls m·v und die kinetische Energie ½·m·v", auch Bewegungsenergie genannt, geben gefühlsmäßig beide so etwas wie die Wucht an, die in einer Bewegung steckt. Bei beiden Berechnungstermen kommen als Formelgrößen nur die Masse m und die Geschwindigkeit v vor. Der einzige formelmäßige Unterschied ist, dass bei der kinetischen Energie der Term mit ½ multipliziert wird und die Geschwindigkeit als Quadrat vorkommt. Neben diesen zunächst nur formelmäßigen Unterschieden gibt es aber noch einige weitere für das physikalische Verständnis wichtige Aspekte zu betrachten.
- a) Der Impuls ist proportional zur Geschwindigkeit, die kinetische Energie nicht: verdoppelt man nur die Geschwindigkeit eines Körpers, dann verdoppelt sich auch sein Impuls, nicht aber die kinetische Energie. Die kinetische Energie wird sich vervierfachen. Siehe auch 👉 quadratisches Wachstum
- b) Der Impuls ist eine Vektorgröße, die kinetische Energie nicht. Wenn sich nur die Richtung einer Bewegung ändert, ändert sich der Impuls. Die kinetische Energie aber bleibt gleich. Siehe auch 👉 Vektorgröße
- c) Der Impuls eines abgeschlossenen Systems kann sich niemals ändern. Die kinetische Energie schon. Anders gesagt: Impuls kann nicht verloren gehen, kinetische Energie kann es. Siehe dazu unter 👉 Erhaltungssätze
Fußnoten
- [1] Isaac Newton umschrieb den heutigen Impuls noch als die "Menge an Bewegung": "The motion of the whole is the sum of the motions of all the parts; and therefore in a body double in quantity, with equal velocity, the motion is double; with twice the velocity, it is quadruple." In: Mathematical Principles of Natural Philosophy, by Sir Isaac Newton, Translated into English by Andrew Motte. Basierend auf der dritten lateinischen Ausgabe aus dem Jahr 1729. Auf Englisch erschienen im Jahr 1846. Online: https://redlightrobber.com/red/links_pdf/Isaac-Newton-Principia-English-1846.pdf
- [2] Impuls als Größe der Bewegung: "Setzt eine Kraft eine Masse in Bewegung, so hat das im allgemeinen einen doppelten Effekt: es müssen auf dem Wege irgendwelche äußere Widerstände überwunden werden, wie z. B. Reibung, Luftwiderstand u. dgl. und anderseits erhält der Körper eine Geschwindigkeit, d. h. seine Bewegungsgröße wurde verändert." Dass Exner mit Bewegungsgröße den Term m·v meinte geht hervor aus: "Nennen wir Gamma [den] Geschwindigkeitszuwachs pro Sekunde, die sogenannte Beschleunigung, so wird die Geschwindigkeit v in t Sekunden v = Gamma·t. Die Bewegungsgröße nach der Zeit ist dann m·Gamma·t." Da Gamma·t aber genau v gibt, ist der letzte Term identisch mit m·v. In: Franz Serafin Exner: Vorlesungen über die physikalischen Grundlagen der Naturwissenschaften. Deuticke, Wien 1919, OBV. Dort in der "17. Vorlesung. Der Kraftbegriff. Arbeit. Lebendige Kraft", Seite 141.
- [3] Impuls als Größe der Bewegung: "Das Produkt aus der Masse m eines Massenpunktes und seiner Geschwindigkeit u ergibt einen Vektor, den man als Impuls oder Bewegungsgröße (J) bezeichnet." In: Christian Gerthsen: Physik. 9. Aufl. Berlin: Springer-Verlag, 1966.
- [4] Einige anspruchsolle Fragen zum Impuls findet man in dem sehr lesenswerten Buch "Denksport Physik". Hier ein Beispiel: ein oben offener Eisenbahnwagen mit wasserdichten Wänden rollt mit einer konstanten Geschwindigkeit reibungsfrei auf horizontalen Schienen. Nun regnet es. Wassertropfen fallen senkrecht zur Bewegungsrichtung des Wagens in den offenen Behälter und füllen ihn langsam mit Wasser an. Was passiert a) mit dem Impuls, b) mit der kinetischen Energie und c mit der Geschwindigkeit des Wagens? Und wenn man diese Fragen beantwortet hat, stellt man sich die Fragen analog für den Fall, dass das Wasser dann über eine Öffnung im untersten Bereich des Wagens wieder abfließen kann. Siehe auch 👉 Denksport Physik
- [5] Albert Eintein zur Idee, das Strahlung (etwa Licht), einen Impuls (Trägheit) übertragen kann: "Gibt ein Körper die Energie L in Form von Strahlung ab, so verkleinert sich seine Masse um L/V² [wobei V die Lichtgeschwindigkeit bedeutet]. Hierbei ist es offenbar unwesentlich, daß die dem Körper entzogene Energie gerade in Energie der Strahlung übergeht, so daB wir zu der allgemeineren Folgerung geführt werden: Die Masse eines Körpers ist ein MaB für dessen Energieinhalt; ändert sich die Energie um L, so ändert sich die Masse in demselben Sinne um L/9·10²⁰, wenn die Energie in Erg und die Masse in Grammen gemessen wird." Und: "Wenn die Theorie den Tatsachen entspricht, so überträgt die Strahlung Trägheit zwischen den emittierenden und absorbierenden Korpern." In: Albert Einstein (1905): Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig? Annalen der Physik, Vierte Folge, Band 18, Heft 13, S. 639–641. Siehe auch 👉 Photonenimpuls
- [6] Feynman zum Feldimpuls: "Next we would like to talk about the momentum in the electromagnetic field. Just as the field has energy, it will have a certain momentum per unit volume. Let us call that momentum density g." In: Feynman, Richard P., Robert B. Leighton, and Matthew Sands. The Feynman Lectures on Physics. Vol. II, Mainly Electromagnetism and Matter. Chapter 27, "Field Energy and Field Momentum." Reading, MA: Addison-Wesley, 1964. Online: https://www.feynmanlectures.caltech.edu/II_27.html