Impulsdichte
Physik
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Basiswissen
Die Impulsdichte g [2] bezeichnet die räumliche Dichte des mit dem elektromagnetischen Feld verknüpften Impulses. [1] Für ein Vakuum gilt die Formel g = S/c². Dabei ist c die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum und der große Buchstabe S der Betrag des sogenannten Poynting-Vektors. Der Betrag des Poynting-Vektors alleine steht für die sogenannte Impulsstromdichte. Den Gesamtimpuls eines Feldes bezeichnet man auch als Feldimpuls. [2] Die Einführung einer Impulsdichte war historisch nötig, um Bedingungen von Gleichgewichten (Kräfte) und Erhaltungen (Impuls) aus der klassischen Physik gerecht werden zu können.
Abrahams Herleitung
Anlehnung an die klassische Mechanik
ZITAT:
Max Abraham, 1902: "Ich sehe den Vorzug der Lorentzschen Theorie hauptsächlich darin, dass man aus ihr eine elektromagnetische Bewegungsgröße ableiten kann. Das vereinfacht die mathematische Betrachtung und ermöglicht die Analogie zur gewöhnlichen Mechanik." [3]
Max Abraham, 1902: "Ich sehe den Vorzug der Lorentzschen Theorie hauptsächlich darin, dass man aus ihr eine elektromagnetische Bewegungsgröße ableiten kann. Das vereinfacht die mathematische Betrachtung und ermöglicht die Analogie zur gewöhnlichen Mechanik." [3]
Doch dabei tritt ein Problem auf:
ZITAT:
Max Abraham, 1902: "Das Elektron befinde sich nun in einem gegebenen äußeren elektromagnetischen Felde". Doch dann "heben sich im allgemeinen die Kräfte, welche vom Felde auf das Elektron einerseits und auf die Begrenzung andererseits ausgeübt werden, durchaus nicht auf; sie widersprechen also dem dritten Axiome Newtons." [3]
Max Abraham, 1902: "Das Elektron befinde sich nun in einem gegebenen äußeren elektromagnetischen Felde". Doch dann "heben sich im allgemeinen die Kräfte, welche vom Felde auf das Elektron einerseits und auf die Begrenzung andererseits ausgeübt werden, durchaus nicht auf; sie widersprechen also dem dritten Axiome Newtons." [3]
Das dritte Newtonsche Axiom gilt immer nur für zwei Körper. Es besagt, dass "actio = reactio: F₁=−F₂, wenn F₁ die Kraft, die auf den 1. Körper, F₂ die Kraft, die auf den 2. Körper wirkt, bedeutet." [4] Dabei unterstellt Abraham stillschweigend, dass das Feld, in dem sich das Elektron befindet, die Rolle eines Körpers einnimmt. Hier muss man sich aber bewusst halten, dass ein elektromagnetisches Feld keine Masse im Sinne Newtons besitzt und damit auch kein klassisch gedachter Körper mit Masse ist. Folgt man Abrahams Gedanken, und unterstellt man, dass das dritte Newtonsche Axiom auch zwischen einem Elektron und einem elektromagnetischen Feld als zwei Körper gelten soll, dann, so Abraham, kann man auf so etwas wie einen Impuls in Verbindung mit dem Feld schließen:
ZITAT:
Max Abraham, 1902; "[…] das dritte Axiom können wir retten, wenn wir eine neue „elektromagnetische Bewegungsgröße“ einführen, die über das Feld mit der Dichte 1c2⋅𝔖 verteilt ist." [3]
Max Abraham, 1902; "[…] das dritte Axiom können wir retten, wenn wir eine neue „elektromagnetische Bewegungsgröße“ einführen, die über das Feld mit der Dichte 1c2⋅𝔖 verteilt ist." [3]
Als Bewegungsgröße bezeichnete man damals wie zum Teil auch heute noch den mechanischen Impuls. Der Impuls gibt anschaulich so etwas wie die Menge an Bewegung wieder, die irgendwo vorhanden ist. Abraham ordnet nur eine solche Größe auch Teilen des elektromagnetischen Feldes zu.
Feynmans Herleitung
RADNNOTIZ !Alternative Herleitung! Der Physiker Richard Feynman (1918 bis 1988) sprach sowohl von einer Impulsdichte (momentum density) wie auch von einem Feldimpuls (field momentum). [2] Feynman leitet diese Konzepte aber anders als Abraham aus dem Satz von der Erhaltung der Energie in Verbindung mit einer Erfordernis von Einsteins Relativitätstheorie her, dass nämlich keinerlei Information im Universum sich schneller ausbreiten kann als sich Licht im Vakuum bewegen kann.
Schwache Formulierung der Erhaltung von Energie
Starke Formulierung der Erhaltung von Energie
Feynmans Stil
Einsteins Invarianz
ZITAT:
Albert Einstein, 1905: die "mißlungenen Versuche [z. B. von Michelson und Morley], eine Bewegung der Erde relativ zum „Lichtmedium“ zu konstatieren, führen zu der Vermutung, daß dem Begriffe der absoluten Ruhe nicht nur in der Mechanik, sondern auch in der Elektrodynamik keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen, sondern daß vielmehr für alle Koordinatensysteme, für welche die mechanischen Gleichungen gelten, auch die gleichen elektrodynamischen und optischen Gesetze gelten [kkk]. Wir wollen diese Vermutung (deren Inhalt im folgenden „Prinzip der Relativität“ genannt werden wird) zur Voraussetzung erheben [kkk]" [5]
Albert Einstein, 1905: die "mißlungenen Versuche [z. B. von Michelson und Morley], eine Bewegung der Erde relativ zum „Lichtmedium“ zu konstatieren, führen zu der Vermutung, daß dem Begriffe der absoluten Ruhe nicht nur in der Mechanik, sondern auch in der Elektrodynamik keine Eigenschaften der Erscheinungen entsprechen, sondern daß vielmehr für alle Koordinatensysteme, für welche die mechanischen Gleichungen gelten, auch die gleichen elektrodynamischen und optischen Gesetze gelten [kkk]. Wir wollen diese Vermutung (deren Inhalt im folgenden „Prinzip der Relativität“ genannt werden wird) zur Voraussetzung erheben [kkk]" [5]
Einsteins Relativität
ZITAT:
Albert Einstein, 1905: "Wir sehen also, daß wir dem Begriffe der Gleichzeitigkeit keine absolute Bedeutung beimessen dürfen, sondern daß zwei Ereignisse, welche, von einem Koordinatensystem aus betrachtet, gleichzeitig sind, von einem relativ zu diesem System bewegten System aus betrachtet, nicht mehr als gleichzeitige Ereignisse aufzufassen sind."
Albert Einstein, 1905: "Wir sehen also, daß wir dem Begriffe der Gleichzeitigkeit keine absolute Bedeutung beimessen dürfen, sondern daß zwei Ereignisse, welche, von einem Koordinatensystem aus betrachtet, gleichzeitig sind, von einem relativ zu diesem System bewegten System aus betrachtet, nicht mehr als gleichzeitige Ereignisse aufzufassen sind."
Gleichzeitig und bloß globale Sätze der Erhaltung widersprechen sich.
Nichtlokalität wäre eine Lösung, gilt aber nicht
Problemkreis ist noch größer
Idee lokaler Erhaltungssätze
RANDOTIZ !Was lokal meint! Die Idee einer lokalen Erhaltung (“Local” conservation) fordert, dass eine Ladung, Energie oder sonstetwas von einem Ort zu einem anderen Ort (one place to another) nur dann gelangen kann, wenn etwas in dem Raum dazwischen geschieht (something happening in the space bewtween). Dies ist eine stärkere, strengere oder engere (more extreme) Art (kind) eines Erhaltungssatzes. Sie fordert, dass etwas lokal erhalten wird (conserved “locally”). [2]
Von der Energie zum Impuls
g = S/c² — Wann immer es einen Fluss von Energie gibt, ganz gleich unter welchen Umständen, etwa als Energie eines Feldes), dann ist der Energiefluss durch eine Flächeneinheit pro Zeit (unit area per unit time) geteilt durch c² gleich dem Impuls in diesem Raumelement (unit volume in space). [2]
Das kleine g steht jetzt für die Impulsdichte, das große S für den Betrag des sogenannten Poynting-Vektors. Und dieser Betrag steht für die elektromagnetische Dichte des Stroms an Energie. Und damit sind wir jetzt bei einer lokalen Betrachtung angelangt, die Einsteins Gesetze nicht verletzt und trotzdem die Erhaltungssätze einhält.
Fußnoten
- [1] Impulsdichte des elektromagnetischen Feldes. In: Spektrum Lexikon der Physik. Online. Abgerufen am 16. Mai 2023. Online: https://www.spektrum.de/lexikon/physik/impulsdichte-des-elektromagnetischen-feldes/7150
- [2] Feynman zum Feldimpuls: "Next we would like to talk about the momentum in the electromagnetic field. Just as the field has energy, it will have a certain momentum per unit volume. Let us call that momentum density g." In: Feynman, Richard P., Robert B. Leighton, and Matthew Sands. The Feynman Lectures on Physics. Vol. II, Mainly Electromagnetism and Matter. Chapter 27, "Field Energy and Field Momentum." Reading, MA: Addison-Wesley, 1964. Online: https://www.feynmanlectures.caltech.edu/II_27.html
- [3] Max Abraham: Prinzipien der Dynamik des Elektrons. Physikalische Zeitschrift 4 (1b), S. 57–63. Leipzig. 1902. Online: https://de.wikisource.org/wiki/Prinzipien_der_Dynamik_des_Elektrons_(1902)
- [4] "Für zwei Körper, die nur miteinander, aber nicht mit anderen Körpern wechselwirken, gilt das 3. Newtonsche Axiom: actio = reactio: F₁=−F₂, wenn F₁ die Kraft, die auf den 1. Körper, F₂ die Kraft, die auf den 2. Körper wirkt, bedeutet." In: Wolfgang Demtröder: Experimentalphysik 1 - Mechanik und Wärme. Springer Verlag, 9. Auflage. ISBN: 978-3-662-54846-2. Siehe auch 👉 drittes Newtonsches Axiom
- [5] Albert Einstein: Zur Elektrodynamik bewegter Körper. Erschienen in den Annalen der Physik (ser. 4), 17, S. 891–921 im Verlag Johann Ambrosius Barth im Jahr 1905 in Leipzig. Siehe auch 👉 Relativitätsprinzip