Gezeitentümpel
Nordsee
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Basiswissen|
Leben im Gezeitentümpeln|
Tipps zur Beobachtung|
Salzgehalt|
Seestern|
Filtrierer|
Rennschnecke|
Urtier|
Optik|
Fußnoten
Basiswissen
Wenn sich an der Küste das Wasser bei Ebbe zurückzieht, bleiben in Bodenvertiefungen oder an Buhnen oft pfützenartige Wassertümpel zurück. In diesen Gezeitentümpeln [1] wimmelt es oft von Leben. Hier stehen einige Arten, die man darin oft sehen kann. Sie müssen besonders gut mit stark wechselnden Salzgehalten und Temperaturen zurecht kommen.
ZITAT:
Es ist gut, den Blick vom Gezeitentümpel zu den Sternen schweifen zu lassen und dann wieder zurück. [3]
Es ist gut, den Blick vom Gezeitentümpel zu den Sternen schweifen zu lassen und dann wieder zurück. [3]
Leben im Gezeitentümpeln
- Oft im Sand eingegraben 👉 Einsiedlerkrebs
- Gut getarnt durch anpassbare Farbe 👉 Sandgarnele
- Farblich gut getarnt, schnelle Kriecherin 👉 Strandschnecke
- Oft eingebuddelt im Sand, meist kleine Tiere 👉 Strandkrabbe
- Gut erkennbar, oft auf festem Untergrund 👉 Miesmuschel
- Schnelle Bewegungen im Wasser, helle Farbe 👉 Wasserfloh
- Oft in lebenden Blättern im Wasser treibend 👉 Meersalat
- Aus weißer Aufwuchs, fester Untergrund 👉 Seepocke
- Gut getarnt, oft im Sand vergraben 👉 Seestern
- Sehr schwer erkennbar 👉 Scholle
Tipps zur Beobachtung
Die Tiere in einem Gezeitentümpel wären ein leicht gefundenes Fressen für Vögel, wenn sie sich nicht gut tarnen oder verstecken können. Ein guter Zeitpunkt für eine Beobachtung ist die Zeit, wenn bei ablaufendem Wasser der Tümpel gerade entsteht. Man sollte sich dann möglichst ruhig an den Rand setzen und keine Bewegungen machen. Ideal ist eine Position, von der aus man keinen Schatten in den Tümpel wirft. Möglicherweise spüren die Tiere auch Erschütterungen, also am besten auch jede Bewegung vermeiden. Man sollte dann lange Zeit auf dieselbe Stelle im Tümpel schauen. Damit wird das Auge empfänglich für kleine Bewegungen (Wasserfloh) oder auch farblich gut getarnte Tiere (Scholle).
Salzgehalt
Der Salzgehalt, das Fachwort dafür ist Salinität, schwankt in der südlichen Nordsee um etwa 3 %. Das heißt, von 1000 Gramm (etwa ein Liter) Seewasser, sind dann 30 Gramm Salz. Dieser Wert konnte in eigenen Versuchen gut bestätigt werden.
Trocknet ein Gezeitentümpel während des Niedrigwasser langsam aus, etwa durch Verdunstung, steigt der Gehalt an Salz deutlich an. Das stellt einige Tiere vor schwer lösbare Probleme. Siehe auch 👉 Salinitäts-Versuch (Nordseewasser)
In einem kleinen Gezeitentümpel kann der Salzgehalt enorm schwanken. Bei einem starken Gewitterregen kann das Wasser schnell aussüßen. Bei Wind und hoher Temperatur hingegen verdunstet viel Wasser und Salz bleibt zurück. Die Tiere, die in einem Gezeitentümpel überlegen möchten, müssen sich solchen Extremen sehr schnell anpassen können. Gelingt es ihnen, sind sie dort aber auch sicher gegen den ein oder anderen Fressfeind, der weniger gut mit den großen Schwanken zurecht kommt. Der Gezeitentümpel ist eine ökologische Nische.
Seestern
Seesterne gehören zum gängigen "Inventar" von Gezeitentümpeln. An sich leben die Tiere gerne in größeren Tiefen. Aber dennoch findet man sie oft auch in den flachen Pfützen, Prielen und Tümpeln.
Schaut man einem Seestern zu, wie er sich von der Rückenlage wieder in die Bauchlage bringt, hat man schnell dann Eindruck, dass das Tier mit einer Art intelligentem Probieren vorgeht.
Die Frage, welche innere Erlebenswelt Tiere haben könnten, beschäftigte unter anderem den Biologen Ernst Haeckel (1834 bis 1919). Schon vermeintlich primitivste Organismen haben Organe, die die ein Mindestmaß an psychischer Regung möglich erscheinen lassen. Siehe dazu den Artikel zu Haeckels 👉 Zellseelen und Seelenzellen
Filtrierer
Allgegenwärtig in der Brandungszone der Nordseeküsten sind die Seepocken, auch Rankenfußkrebse genannt. Es sind echte Krebstiere, die irgendwann vielleicht einmal mobil waren. Aber das Leben in der Brandungszone zwang sie dazu, sich fest und robust mit einem festen Untergrund zu verbinden.
In flachen Tümpeln mit festen Steinen darin, etwa am Rand von Buhnen, kann man ein ganz besonders Schauspiel der Natur beobachten. Wenn hunderte der Krebstiere gleichzeitig ihre Fangarme ausfahren, wirkt der ganze Boden wie belebt. Siehe auch 👉 Rankenfußkrebs
Bei Ebbe, wenn die Tiere trocken fallen, verschließen sie ihre Kalkplatten. Geschützt gegen Wasserverlust und Feinde, überdauern sie so die Zeit bis zur nächsten Flut. Sie müssen so Temperaturen von -10 °C im Winter bis über 40 °C im Sommer überstehen können - eine beachtliche Fähigkeit.
Rennschnecke
Die kleinen Strandschnecken bevölkern zu tausenden das obere sogenannte Eulitoral. Das Eulitoral ist der von Wellen beeinflusste Bereich im Spiel von Ebbe und Flut. Auf Algenmatten oder im Sand verraten sich die Tiere oft über ihre Kriechspuren.
Die Geschwindigkeit einer Strandschnecke zu messen zwingt zur Ruhe. Die Tiere nehmen sich Zeit, bewegen sich aber erstaunlich ausdauernd und scheinbar auch zielstrebig vorwärts. Eine passende Einheit sind 👉 Millimeter pro Sekunde
Urtier
Neben den Seesternen bewohnen auch Strandkrabben die Gezeitentümpel in größerer Zahl. Solche Krustentiere mit echten Linsenaugen gibt es seit der Frühzeit der Tierwelt, seit etwa 540 Millionen Jahren. Schon zu Urzeiten hätte man durch seichtes Wasser der Meere waten können und dabei ähnliche Szenen beobachten können wie heute.
Der Pionier der Science Fiction, Herbert George Wells, lässt den Helden seines Buches über eine Zeitmaschine in eine ferne Zukunft reisen. Die Sonne ist ein matt dunkel rot glühender Riesenball am Himmel. Menschen und andere Lebensformen sind schon längst ausgestorben. Die letzten großen Bewohner der Küsten in jeder fernen Zukunft sind bedrohlich große Krebstiere. Wells griff sie sozusagen als Sinnbild auf für das Gefühl für eine 👉 Tiefe Zeit
Optik
Wie nimmt ein Tier am Boden eines Gezeitentümpels wahr? Sandgarnelen, kleine Schollen und Wasserflöhe verfügen über echte Augen. Aber ihr Sichtfeld ist durch die Grenze stark eingeengt, die von der Oberfläche des Wasserkörpers im Gezeitentümpel gebildet wird.
Das Video zeigt, wie eine Sandgarnele einen watenden Vogel wahrnehmen würde. Nur durch ein kleines Fenster hindurch kann das Wassertier die Welt außerhalb ihrer kleinen Wasserwelt wahrnehmen. Das machen sich tatsächlich einige Jäger und Gejagte zunutze. Siehe dazu den Artikel zum 👉 Snell-Fenster
Ein wichtiger Umstand ist die Totalreflexion. Treffen die gedachten Strahlen des Lichts flach genug auf eine Wasseroberfläche auf, wechseln sie nicht von Wasser in die Luft oder von der Luft ins Wasser. Stattdessen werden sie wie an einem Spiegel reflektiert. Die Wasseroberfläche blockiert damit aber über weite Bereiche hinweg auch das Sehen.
Fußnoten
- [1] Zur Definition: "An manchen Felsküsten gibt es Stellen, aus denen zur Ebbezeit das Wasser nicht abläuft, sogenannte Gezeitentümpel." Was hier nur für Felsküsten gilt, kann im auch auf die "felsigen" Bereiche von Buhnen und anderen Uferbefestigungen an ansonsten sandigen Flachküsten übertragen werden. In: Denys Ovenden; John Barrett: Natur an Strand und Küste. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde. Franckh'sche Verlagshandlung. 1986. 3-440-05619-8. Geht auch auf die Felsenküsten Europas ein, vor allem der britischen Inseln. Die Gezeitentümpel werden dort in ein einem eigenen Abschnitt auf den Seiten 50 und 51 behandelt.
- [2] Howard Bloom: The Global Brain: The Evolution of Mass Mind from the Big Bang to the 21st Century. Wiley, 2000, ISBN 978-0-471-29584-6; deutsch: Global Brain: die Evolution sozialer Intelligenz. Aus dem Amerikanischen und mit einem Nachwort von Florian Rötzer. DVA, 1999, ISBN 978-3-421-05304-6. Dort das Kapitel "Kreative Netze im präkambrischen Zeitalter", ab Seite 25. Bloom beschreibt dort die Entstehung von Stromatolithen in Gezeitentümpeln (Seite 25). Diese Kolonien, so Bloom, bilden eine kollektive Intelligenz aus, eine 👉 kollektive Lernmaschine
- [3] Das Zitat zum Blick in den Gezeitentümpel und zu den Sternen stammt aus John Steinbeck Logbuch des Lebens. Zitiert nach: Hugh Aldersey-Williams: Das Wilde Leben der Gezeiten. Carl Hanser Verlag. 2016. ISBN: 978-3-446-25497-8. Englischer Originaltitel von 2016: Tide. The science and lore of the greatest force on earth. Dort ganz am Anfang der deutschen Ausgabe.
- [4] Zum Salzgehalt auf Wattflächen, etwa auch in Gezeitentümpeln: geht man für die südliche Nordsee von Salzgehalten von 2,8 bis 3,3 % aus, und geht man dann weiter von Schwankungen bis zu 2,5 %-Punkten um diese Mittelwerte aus, dann kommt man auf Salzgehalte in solchen Bereichen von 0,3 % (extrem ausgesüßt) bis 5,8 % (extrem salzig. In einem Fachbuch heißt es zum Salzgehalt auf "Wattflächen", dass "unter extremen Bedingungen wie Gewitterregen" oder nach "intensiver Sonneneinstrahlung" dann doch "Schwankungen bis 25 Promille möglich" sind. In: Hans-Erich Reineck: Das Watt. Ablagerungs- und Lebensraum. Dritte Auflage. Senckenberg-Buch 50. Verlag Waldemar Kramer. Frankfurt am Main. 1982. ISBN: 3-7829-1067-2. Dort im "Kapitel IV. Das Watt als Lebensraum" von Jürgen Dörjes, Seite 113. Siehe auch 👉 Salinitäten