Erderwärmung


Menschgemachte


Definition


Als Erderwärmung, globale Erderwärmung oder auch „der Klimawandel“, bezeichnet man die gegenwärtige deutliche Erhöhung der weltweiten langfristigen Durchschnittsemperaturen seit Beginn der industriellen Revolution. Einige Ursachen und Folgen sind hier kurz beispielhaft vorgestellt.

Klimawandel und Erderwärmung


Die Bedeutung des Fachwortes Klimawandel unterscheidet sich in mehreren wichtigen Aspekten vom Begriff der Erderwärmung. Klimawandel heißt dass sich das langfristige Wettergeschehen ändert, ob es dabei um eine Erwärmung oder Abkühlung geht lässt das Wort - anders als Erderwärmung - offen. Ein weiterer Unterschied ist, dass ein Klimawandel auch nur lokal stattfinden kann, ohne dass sich das Klima weltweit mitändern muss. So wanderte der Kontinent Antarktika vor rund 30 Millionen Jahren deutlich Richtung Südpol, wodurch er letztendlich vollständig vereiste, während die globale Temperatur nicht gleichzeitig dauerhaft absank. Das Wort Klimawandel ist in den Geowissenschaften damit weiter gefasst als Erderwärmung. Erderwärmung wird hier in diesem Lexikon für die menschgemachte Erwärmung des gesamten Planeten Erde benutzt. Siehe auch => Erderwärmung (Datenliste)

Bekannt seit spätestens 1896


Seit spätestens 1896 weiß man recht genau, welchen Einfluss CO2 auf die globale Temperatur hat: der schwedische Physiker und Chemiker Svante Arrhenius veröffentlichte im Jahr 1896 einen detaillierten und mit vielen Naturgesetzen unterlegten Artikel, in dem er den Einfluss von CO2 auf die Bodentemperatur der Erde untersuchte. Der Anlass war die Frage nach den Gründen von Eiszeiten, doch betrachtete Arrhenius auch den Einfluss der damaligen Verbrennung von rund 500 Millionen Tonnen Steinkohle jährlich sowie die Bindung von CO2 aus der Atmosphäre in geologischen Verwitterungsprozessen. Das Ergebnis seiner Rechnungen war: CO2 hat mit hoher Wahrscheinlichkeit einen starken Einfluss auf die Bodentemperatur der Erde. [3] Siehe auch => Svante Arrhenius

Temperaturen bei Wilhelmshaven als Indiz


Die norddeutsche Stadt Wilhelmshaven liegt an der Nordseeküste. Forscher haben Wetteraufzeichnungen von 1881 bis 2020 analysiert und festgestellt, dass sich die Durchschnittstemperatur des Monats August von 19,4 °C auf 21,8 °C erhöht hat. Die Daten stammen aus den Stationen Hooksiel, Jever und Wilhelmshaven. Der heißeste August zu Beginn der Aufzeichnung war kühler, als der kühlste August heute.

Hitzerekorde als Indiz


Als ein sehr starker Hinweis auf einen menschgemachte Klimawandel seit Beginn der industriellen Revolution gilt die Häufung von globalen Temperaturrekorden seit dem Jahr 2005. Die Tabelle unten gibt die Rangfolge der 10 heißesten Jahr im Zeitraum von 1880 bis 2019 an. Als Maß galt die mittlere Jahrestemperatur der Ozean- und Landoberfläche der Erde:

◦ 1 | 2016
◦ 2 | 2019
◦ 3 | 2015
◦ 4 | 2017
◦ 5 | 2018
◦ 6 | 2014
◦ 7 | 2010
◦ 8 | 2013
◦ 9 | 2005
◦ 10 | 2009

Wäre die mittlere globale Temperatur von Jahr zu Jahr rein zufällig, dann kann man damit die Wahrscheinlichkeit ausrechnen, dass innerhalb des Zeitraumes von 1999 bis 2019 (20 Jahre) genau 10 Jahre zu den heißesten seit 1880 gehörten. Diese Wahrscheinlichkeit liegt nahe bei 0. Mathematisch modellieren kann man das mit Hilfe einer => Bernoulli-Kette

Das Bedrohungspotenzial: recht hoch


Ein vertraulicher Bericht des australischen Geheimdienstes bringt das Ausmaß der möglichen Veränderungen bereits im Jahr 1981 auf den Punkt: über einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen von 4°C - 6 °C bis zum Jahr 2100 heißt es: "Given the temperature differences between the ice ages and intermediate periods was a mere 5 °C, this prediction suggests massive and unacceptable changes, including the probability of rising sea levels. [5]" Wie sehr dieses Szenario später realistisch zu werden drohte, zeigt eine Einschätzung des Bundesumweltamtes aus dem Jahr 2021: demnach sei ein Temperaturanstieg bis 2100 gegenüber dem vorindustriellen Niveau von 5,4 °C nicht auszuschließen. [6]

Meeresspiegelanstieg: lange bekannt


Als sehr bedrohlich gilt ein Meeresspiegelanstieg. Hauptursache dafür ist das Abtauen der polaren Eismassen. Würden alle Eismassen an den Polen abtauen, würde der Meeresspiegel um rund 70 Meter ansteigen. Städte wie Hamburg, London, Paris, Danzig oder Alexandria lägen dann tief unter der Wasseroberfläche auf dem Meeresgrund. Mehr unter => Meeresspiegelanstieg

Vielfältige Ursachen


Es gibt viele verschiedene Ursachen für einen Klimawandel. Im Erdzeitalter Perm etwa riss die Erdkruste an vielen Stellen auf und riesige Mengen Magma quollen an die Oberfläche. Aus ihnen strömte Kohlendioxid aus und verursachte einen starken Treibhauseffekt. Als Folge davon starben viele Land- und Meeresarten aus. Eiszeiten hingegen führt man unter anderem auf Schwankungen in der Umlaufbahn der Erde um die Sonne zurück. Der gegenwärtige Klimawandel hat jedoch keine natürlichen Ursachen. Die gegenwärtige drastische Erwärmung der Erde ist eine Folge der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Öl, Gas und Kohle. Siehe auch => Treibhausgase

Anpassung des Menschen


Von einer Anpassung spricht man, wenn man Schäden vermeiden oder auch Chancen nutzen will. Die Anpassung kann dabei vorausschauend (proaktiv) oder nachfolgend (reaktiv) erfolgen. Hier einige Beispiele:

◦ Einsatz klimatisch angepasster Getreidesorten
◦ Öffentlich zugängliche klimatisierte Räume bei Hitzwellen
◦ Abkühlungsmöglichkeiten in Städten, etwa Brunnen
◦ Erhöhung von Deichen, Verlegung von Häfen
◦ Umsiedlung von unhaltbaren Siedlungen
◦ Urbarmachung ehemaliger Permafrostböden
◦ Siehe auch => Klimaanpassung

Anpassungen der Tierwelt


Wird die Körpertemperatur von Tieren zu groß, können sie daran sterben. Es ist daher wichtig, dass sie bei höheren Außentemperaturen auch Wärme von ihrem Körper an die Außenwelt abgeben können. Tiere, die mit Federn oder Fell bekleidet sind, geben Körperwärme am besten über feder- und fellfreie Stellen ab. Das sind zum Beispiel die Schnäbel von Vögeln oder die Beine und Ohren vieler Tiere. Wissenschaftler konnten nun feststellen, dass diese Körperteile bei vielen Tieren mit dem Klimawandel tatsächlich größer werden. [2]

Welche Rolle spielten Industriekonzerne?


Für Mineralölkonzerne wie Shell, ExxonMobil oder Total ist durch Studien eindeutig belegt, dass sie die Wirkung der Verbrennung von Öl auf das Klima und die apokalyptischen Szenarien - vor allem das Abtauten der Polkappen - seit spätestens 1971 kannten [4]. Ferner wurde gezeigt, dass die Konzerne bewusst und zielgerichtet Desinformation betrieben, etwa in dem Zweifel an den Erkenntnissen der Wissenschaft geschürt wurden, die Kosten für Klimaschutz betont oder eigene Bemühungen überbetont wurden. Katastrophen wie die Jahrhundertflut von 2021 im Ahrteil hatte beispielsweise der französische Konzern Total bereits 1971 kommen sehen. Sehr detailliert skizzierte ein Bericht des australischen Geheimdienstes aus dem Jahr 1981 Siehe mehr dazu unter => Erderwärmung (Zitate)

Politik: der Grüne Deal


Zurzeit befinden wir uns per Definition noch in einer Eiszeit: große Wassermassen sind an den Polen dauerhaft als Eis gebunden. Es gilt jedoch als sicher, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas so viel Kohlendioxid (CO2) produziert, dass ein starker Treibhauseffekt mit schneller Erderwärmung daraus folgt. Neben vermehrten Extremwetterlagen (Starkregen, Dürre, Stürme) wird vor allem auch ein starker Anstieg des Meeresspiegels befürchtet. Das würde auch dicht besiedelte Regionen in Europa betreffen. Um ein solches Szenario abzuwenden hat die Kommission der EU einen als Grünen Deal bezeichnete Strategie vorgeschlagen. Siehe auch => Grüner Deal

Quellen


◦ [1] Frank Hillmann & Holger Freund: klimatische Änderungen an der Küste- Daten der Wetterstationen Wilhelmshaven, Jever und Hooksiel. In: Natur- und Umweltschutz. Zeitschrift der Naturschutz- Forschungsgemeinschaft Der Mellumrat e. V. Band 19 - Heft 1 2020.
◦ [2] Sara Ryding, Marcel Klaassen, Glenn J. Tattersall, Janet L. Gardner, Matthew R.E. Symonds. Shape-shifting: changing animal morphologies as a response to climatic warming. Trends in Ecology & Evolution, 2021; DOI: 10.1016/j.tree.2021.07.006
◦ [3] Svante Arrhenius: On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground. In: Philosophical Magazine and Journal of Science Series 5, Volume 41, April 1896, pages 237-276. Online unter: https://www.rsc.org/images/Arrhenius1896_tcm18-173546.pdf
◦ [4] Christophe Bonneuil; Pierre-Louis Choquet; Benjamin Franta: Early warnings and emerging accountability: Total’s responses to global warming, 1971–2021. ISSN 0959-3780. doi: https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2021.102386
◦ [5] ONA: Assessment. Fossil Fuels and the Greenhouse Effect. Vertrauliche Informatin an den australischen Premierminister, verfasst vom australischen Geheimdienst im Jahr 1981. 18 Seiten. In: The Guardian. Australia’s spy agency predicted the climate crisis 40 years ago – and fretted about coal exports. Online. 28. November 2021.
◦ [6] Beobachtete und künftig zu erwartende globale Klimaänderungen. Internetseite des Bundesumweltamtes. 23. März 2021: "Je nach ⁠Szenario⁠ kann die mittlere Erwärmung von 1,5 bis 5,4 °C im Vergleich zu vorindustriellen Bedingungen reichen."
◦ [7] Graeme Pearman: Carbon dioxide and climate: Australian research. Herausgeber: Australian Academy of Science; Good condition. No dj. Includes papers on The Glob edition (January 1, 1980). ISBN: 978-0858470866.

Literatur


◦ [1] Svante Arrhenius: On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground. In: Philosophical Magazine and Journal of Science Series 5, Volume 41, April 1896, pages 237-276. Online unter: https://www.rsc.org/images/Arrhenius1896_tcm18-173546.pdf
◦ [2] Carl Sagan: Atomkrieg und Klimakatastrophe. Droemer Knaur, München 1984, ISBN 3-426-03764-5.