Teleologie
Philosophie
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Basiswissen
Unter Teleologie versteht man „die Annahme der Zielgerichtetheit eines Prozesses oder einer Handlung [1]“, etwas weiter gefasst auch die Lehre von einer Zweckmäßig eingerichteten Welt [2]. Dem teleologischen Denken gegenüber steht die Idee, dass die Welt nur nach Wirkursachen abläuft, das heißt jeder neue Zustand nur eine Folge vorheriger Zustände ist, ohne dass dabei ein Ziel verfolgt wird. Die klare Herausarbeitung zielgerichteter Veränderungen gegenüber bloß zufälligen oder naturgesetzlich notwendigen Abläufen findet man spätestens bei Aristoteles (384 bis 322 v. Chr).
Einführung
Findet man in einem Gewässer einen Seestern, so kann man ihn leicht dazu bringen, eine an sich verblüffende Leistung zu vollbringen. Man muss ihn dazu nur behutsam auf den Rücken legen.
Das Video zeigt, wie intelligent der Seestern die Möglichkeiten auslotet, sich geschickt wieder in Bauchlage zu bringen. Allem Anschein nach richtet er seine Handlungen an einem Ziel aus. Damit handelt er auch teleologisch.
Wer das Video mit etwas Herz und Phantasie betrachtet wird, in dem Bemühungen des Tierchens doch so etwas wie ein Ziel seiner Handlungen zu erkennen. Der erste Versuch ist vergeblich. Dann scheint der Seestern zu überlegen, bevor er den zweiten und dann auch erfolgreichen Versuch beginnt. Unterstellt man den Tier, dass es von Anfang an auf das Ziel der Bauchlage hinarbeitet, dann denkt man sein Verhalten als teleologisch.
Aristoteles
Aristoteles hat verteilt über verschiedene Stellen in seinen Schriften sehr deutlich den Gedanken der Zielorientierung von natürlichen Abläufen herausgearbeitet.
ZITAT:
Aristoteles: "Alles Entstehende schreitet zu einem Anfang und zu einem Ziel fort; denn Anfang ist dasjenige, um dessentwillen etwas geschieht, und um des Ziels willen geschieht die Entstehung; Ziel aber ist die ἐνέργεια, und um dieser willen wird die δύναμις erworben." [12]
Aristoteles: "Alles Entstehende schreitet zu einem Anfang und zu einem Ziel fort; denn Anfang ist dasjenige, um dessentwillen etwas geschieht, und um des Ziels willen geschieht die Entstehung; Ziel aber ist die ἐνέργεια, und um dieser willen wird die δύναμις erworben." [12]
ZITAT:
Aristoteles: "Die Materie (Hyle) ist dem Vermögen (Dynamis) nach, weil sie in die Form (Eidos) gelangen kann; wenn sie aber wirklich ist, befindet sie sich in der Form (Eidos). Ebenso verhält es sich auch bei den anderen Dingen, und bei dem, dessen Ziel die Bewegung (Kynamis) ist, gilt Entsprechendes." [13]
Aristoteles: "Die Materie (Hyle) ist dem Vermögen (Dynamis) nach, weil sie in die Form (Eidos) gelangen kann; wenn sie aber wirklich ist, befindet sie sich in der Form (Eidos). Ebenso verhält es sich auch bei den anderen Dingen, und bei dem, dessen Ziel die Bewegung (Kynamis) ist, gilt Entsprechendes." [13]
ZITAT:
Aristoteles: "Das Werk ist das Ziel, die ἐνέργεια aber ist das Werk; deshalb wird auch der Name ἐνέργεια vom Werk her gebraucht und erstreckt sich auf die ἐντελέχεια." [14]
Aristoteles: "Das Werk ist das Ziel, die ἐνέργεια aber ist das Werk; deshalb wird auch der Name ἐνέργεια vom Werk her gebraucht und erstreckt sich auf die ἐντελέχεια." [14]
Aber Aristoteles konnte auch die gegenteilige Sicht klar denken und fassen. Dem teleologische Denken mit seinen Zielen und Zwecken kann man eine Denkweise gegenüberstellen, der zufolge die Abläufe der Welt ganz ohne Ziel oder Zweck ablaufen. Sie finden nicht statt, dass am Ende ein vorherbestimmtes Ziel erreicht wird. Die Abläufe in der Welt sind nur Ergebnis vorheriger Zustände oder des Zufalls.
ZITAT:
Aristoteles: "Zunächst ist also zu sagen, dass die Natur zu den Ursachen gehört, die um eines Etwas willen wirken; sodann ist zu untersuchen, wie es sich mit dem Notwendigen in den Naturdingen verhält. Denn alle führen die Ursache auf diese [Notwendigkeit] zurück: Weil nämlich das Warme von solcher Beschaffenheit ist und ebenso das Kalte und jedes andere derartige Ding, deshalb existiert und entsteht dieses aus Notwendigkeit. Und auch wenn sie eine andere Ursache nennen, lassen sie sie, nachdem sie sie kurz berührt haben, sogleich wieder fallen: der eine die Freundschaft und den Streit, der andere den Nous [Geist bzw. Verstand]. Es entsteht aber die Schwierigkeit: Was hindert daran, dass die Natur nicht um eines Zweckes willen handelt und nicht deshalb, weil etwas besser ist, sondern vielmehr so, wie Zeus regnen lässt – nicht damit das Getreide wachse, sondern aus Notwendigkeit? Denn das Aufgestiegene muss abkühlen, und das Abgekühlte muss, wenn es zu Wasser geworden ist, herabfallen; dass aber das Getreide wächst, wenn dies geschieht, ist eine Folge davon. Ebenso regnet es auch nicht deshalb, damit jemandes Getreide auf der Tenne zugrunde gehe; vielmehr ist dies nur eine zufällige Folge. Was hindert also daran, dass es sich ebenso mit den Teilen in der Natur verhält? Dass zum Beispiel die Zähne aus Notwendigkeit hervorkommen, die vorderen scharf und zum Zerteilen geeignet, die Backenzähne dagegen breit und nützlich zum Zermahlen der Nahrung – nicht deshalb, damit sie diesen Zweck erfüllen, sondern weil dies zufällig so zusammentrifft? Und ebenso bei den anderen Teilen, bei denen offenbar ein Um-willen-wessen, ein Zweck, vorhanden ist. Wo nun alles so zustande kam, als ob es um eines Zweckes willen entstanden wäre, dort blieb es erhalten, weil es durch das Zufällige in zweckmäßiger Weise zusammengesetzt worden war; was aber nicht auf diese Weise zustande kam, ging zugrunde und geht zugrunde, wie Empedokles von den »rindgeborenen Menschen mit menschlichen Gesichtern« sagt." [15]
Aristoteles: "Zunächst ist also zu sagen, dass die Natur zu den Ursachen gehört, die um eines Etwas willen wirken; sodann ist zu untersuchen, wie es sich mit dem Notwendigen in den Naturdingen verhält. Denn alle führen die Ursache auf diese [Notwendigkeit] zurück: Weil nämlich das Warme von solcher Beschaffenheit ist und ebenso das Kalte und jedes andere derartige Ding, deshalb existiert und entsteht dieses aus Notwendigkeit. Und auch wenn sie eine andere Ursache nennen, lassen sie sie, nachdem sie sie kurz berührt haben, sogleich wieder fallen: der eine die Freundschaft und den Streit, der andere den Nous [Geist bzw. Verstand]. Es entsteht aber die Schwierigkeit: Was hindert daran, dass die Natur nicht um eines Zweckes willen handelt und nicht deshalb, weil etwas besser ist, sondern vielmehr so, wie Zeus regnen lässt – nicht damit das Getreide wachse, sondern aus Notwendigkeit? Denn das Aufgestiegene muss abkühlen, und das Abgekühlte muss, wenn es zu Wasser geworden ist, herabfallen; dass aber das Getreide wächst, wenn dies geschieht, ist eine Folge davon. Ebenso regnet es auch nicht deshalb, damit jemandes Getreide auf der Tenne zugrunde gehe; vielmehr ist dies nur eine zufällige Folge. Was hindert also daran, dass es sich ebenso mit den Teilen in der Natur verhält? Dass zum Beispiel die Zähne aus Notwendigkeit hervorkommen, die vorderen scharf und zum Zerteilen geeignet, die Backenzähne dagegen breit und nützlich zum Zermahlen der Nahrung – nicht deshalb, damit sie diesen Zweck erfüllen, sondern weil dies zufällig so zusammentrifft? Und ebenso bei den anderen Teilen, bei denen offenbar ein Um-willen-wessen, ein Zweck, vorhanden ist. Wo nun alles so zustande kam, als ob es um eines Zweckes willen entstanden wäre, dort blieb es erhalten, weil es durch das Zufällige in zweckmäßiger Weise zusammengesetzt worden war; was aber nicht auf diese Weise zustande kam, ging zugrunde und geht zugrunde, wie Empedokles von den »rindgeborenen Menschen mit menschlichen Gesichtern« sagt." [15]
Dieses Zitat zeigt, wie Aristoteles sogar in der Lage ist, den modernen Gedanken eine durch Zufall getriebenen Evolution von Lebensformen um gut 2200 Jahre vorweg zu nehmen. Vielleicht, so spekuliert, sind die verschiedenen Formen unserer Zähne ganz durch Naturnotwendigkeit oder Zufall entstanden. Und wir sehen heute deren zweckmäßige Formen nur deshalb, weil nur die am besten geeigneten sich durchgesetzt haben. Hier läuft die Natur also nicht auf einen Endzweck gerichtet hin ab. Wie bei dem Beispiel mit den quellenden Erbsen und der Osmose könnte der Schein eine Zielgerichtetheit auch trügen.
In den Naturwissenschaften
Man kann leicht salziges Wasser und reines salzfreis Süßwasser so mit einer Membran gegeneinander abtrennen, dass zwar Wassermoleküle durch die Trenung hindurch gehen können, nicht aber die Moleküle des Salzes. Legt man etwa getrockente Erbsen in Süßwasser, quellen sie deutlich auf. [10] In Salzwasser gelegt, bleiben sie verschrumpelt. Der physikalische Prozess dahinter ist die sogenannte Osmose. Ein Lehrbuch erklärt die Osmose klassisch teleologisch.
ZITAT:
"Das Phänomen der Osmose […] ist das Bestreben eines Lösungsmittels, durch eine semipermeable Membran in eine Lösung hineinzuwandern." [11]
"Das Phänomen der Osmose […] ist das Bestreben eines Lösungsmittels, durch eine semipermeable Membran in eine Lösung hineinzuwandern." [11]
Man unterstellt dem Lösungmittel vermenschlichend also ein Bestreben. Das klingt schnell so, also wolle das Lösungsmittel etwas, als wähle es aus verschiedenen Handlungsmöglichkeiten jene aus, die dem gewünschten Ziel am besten dienlich sind. Genau das ist die Kernidee einer jeden Teleologie: die Abläufe in der Welt sind auf ein Ziel hin ausgerichtet. Ob die Abläufe in der Welt tatsächlich teleologisch sind oder nicht, ist unter Wissenschaftlern und Philosophen bis heute ungeklärt.
Fußnoten
- [1] "Unter Teleologie wird die Annahme der Zielgerichtetheit eines Prozesses oder einer Handlung verstanden". In: Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X. Dort die Seite 591.
- [2] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1809: "Die Teleologie (a. d. Griech.) ist die Lehre von dem Zweckmäßigen in der Einrichtung der Welt: woraus sich denn, bei einer nähern Untersuchung der Natur und bei den Betrachtungen über die aus jener Einrichtung allenthalben hervorgehenden Folgen, der stärkste Beweis für das Dasein Gottes und eine Erkenntniß von dessen erhabenen Eigenschaften hernehmen läßt." In: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 6. Amsterdam 1809, S. 82-83. Online: http://www.zeno.org/nid/20000775185
- [3] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1841, ganz auf Gott bezogen: "Teleolŏgie nennt man das Streben nach einer Erkenntniß Gottes und einer göttlichen Weltordnung, insofern es sich auf die innere Zweckmäßigkeit der Welt in ihrem natürlichen Dasein stützt. Man hat in dieser dem menschlichen Verstande anschaulichen Zweckmäßigkeit einen Beweis für das Dasein Gottes zu finden gemeint, welchen man den teleologischen genannt hat." In: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 381. http://www.zeno.org/nid/20000868892
- [4] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1857, erkenntnistheoretisch: "Teleologie, griech.-deutsch, Entwicklung der Zweckmäßigkeit in der Natur und deren Einrichtungen sowie im Verlauf der Geschichte, um dadurch zur Erkenntniß des Daseins Gottes zu gelangen (teleologischer Beweis)." In: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1857, Band 5, S. 427. Online: http://www.zeno.org/nid/20003538516
- [5] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1863, auch sittlich, moralisch: "Teleolŏgie (v. gr.), die Lehre von der Zweckmäßigkeit inden Natur- u. Weltereignissen. Die T. ist entweder physisch, wenn sie sich auf natürliche. od. theoretische Zwecke der sinnlichen Natur, od. moralisch (ethisch), wenn sie sich auf sittliche Vernunftzwecke bezieht. Die Philosophen gründeten darauf Schlüsse zur Erkenntniß des Daseins u. Wesens Gottes, woraus der Teleologische Beweis entstand, j. Gott A) e)." In: Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 344. Online: http://www.zeno.org/nid/20011078634
- [6] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1904, stark ausdifferenziert: "Teleologie (teleios, logos): Zweckmäßigkeitslehre. Teleologisch: vom Standpunkte dieser Lehre, auf Zweckmäßigkeit, Zwecke bezüglich. Nach der teleologischen Weltanschauung gibt es in der Welt Zweckursachen (s. d.), Finalität (s. d), Wirken nach Zwecken, durch Zwecke, Zielstrebigkeit (s. d.). In mehreren Grundformen tritt diese Lehre auf: 1) Die Zweckbetrachtung ist nur »regulativ« (s d.), »heuristisch«. 2) Sie ist »constitutiv« (s. d.), bezieht sich auf die absolute Wirklichkeit: a. transcendente Teleologie (Zwecke von außen, durch Gott gesetzt). b. immanente Teleologie (Zwecke als Ziele des Strebens, Wollens der Dinge selbst). Während die dualistische Teleologie Zweck- und Causalgeschehen als zwei selbständige Vorgänge auffaßt, betont die monistische Teleologie, daß Causalität und Finalität nur zwei Seiten, Auffassungsweisen eines Geschehens sind. daher stehen teleologische und rein causale (bezw. mechanistisch-energetische) Weltanschauung nicht in Gegensatz sondern, ergänzen einander, werden philosophisch in einer höheren Synthese vereinigt." In: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 2. Berlin 1904, S. 490. Online: http://www.zeno.org/nid/20001806009
- [7] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1905, als Weltprozess: "Telĕologie (v. griech. telos, Ziel, Zweck), »Lehre von den Zwecken«, die Annahme, daß nicht nur die bewußten Handlungen des Menschen, sondern auch die von menschlicher Willkür unabhängigen Vorgänge des geschichtlichen und Naturlebens durch Zwecke bestimmt sind, und die Betrachtungsweise der Dinge mit Rücksicht auf diese. Die roheste Form der T. ist die Meinung, daß alles für den Menschen gemacht sei, also die Sonne, um ihm zu leuchten, Pflanzen und Tiere zu seiner Ernährung etc. (anthropozentrische T.), die durch ihre absurden Konsequenzen sich selbst aufhebt. Wird nicht gerade das menschliche Dasein, sondern überhaupt die Hervorbringung bestimmter Zustände und Gestaltungen der Dinge als Zweck gedacht, so ist die T. eine kosmische, die bei Voraussetzung eines einzigen, den ganzen Weltprozeß beherrschenden Endzweckes zur metaphysischen T.[393] wird. Während ferner die transzendente T. ein außerweltliches zwecksetzendes Wesen annimmt, sieht die immanente T. die Zwecke als in den Dingen selbst liegend an, denen sie eine gewisse »Zielstrebigkeit« zuspricht. Im Gegensatz zur T. steht die mechanische Weltbetrachtung, welche die objektive Gültigkeit des Zweckbegriffs bestreitet und alle Vorgänge aus dem Zusammentreffen äußerer Umstände ableitet." In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 393-394. Online: http://www.zeno.org/nid/20007570163
- [8] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1907: "Teleologie (franz. téléologie v. gr. teleios = zweckmäßig und logos = Lehre) heißt die Lehre von der Zweckmäßigkeit der Dinge. Von Zweckmäßigkeit redet man da, wo man Zwecke erstrebt und verwirklicht sieht. Eine jede Zweckreihe umfaßt aber drei Glieder: 1. eine von irgendeiner Intelligenz vorgestellte und begehrte Wirkung einer Ursache, 2. eine tatsächlich in Aktion tretende Ursache, die, weil sie nicht den Anfang bildet, sondern in der Mitte zwischen zwei anderen steht, Mittel heißt, und 3. eine tatsächlich eintretende Wirkung dieser Ursache. Nur da kann also von Zweckmäßigkeit geredet werden, wo erstens eine Intelligenz und eine Idee dieser Intelligenz, zweitens eine Ursache und drittens eine Wirkung nachweisbar ist. Auf dem ethischen Gebiete des menschlichen Handelns sind alle diese Bedingungen erfüllt, und wir gewinnen den Begriff der Zweckmäßigkeit zuerst auf diesem Gebiete. Aber wir versuchen diesen Begriff auch auf die Natur zu übertragen und ihn sowohl für die Erfassung des Einzelnen in der Natur, namentlich innerhalb der Welt der Organismen, als auch für das Weltall als Ganzes zu verwerten. An die unleugbare Zweckerkenntnis beim menschlichen Handeln knüpft sich also der Gedanke einer zweckmäßigen Einrichtung der Natur im Großen und Kleinen, im Einzelnen und Ganzen, und einer Übereinstimmung der physischen und moralischen Welt, welche ohne eine alles beherrschende Intelligenz nicht möglich wäre." Der Artikel geht detailliert auf weitere Positionen und Vertreter ein. In: Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 1907, S. 620-622. Online: http://www.zeno.org/nid/20003591816
- [9] Teleologie in einem Lexikon aus dem Jahr 1911: "Teleologīe (grch.), Erklärung aller Erscheinungen aus ihrer Zweckmäßigkeit; der darauf beruhende Beweis für das Dasein Gottes heißt der teleologische Beweis." In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 816. Online: http://www.zeno.org/nid/20001611402
- [10] Der Versuch mit den quellenden Erbsen ist ausführlich beschrieben im Artikel zu 👉 Erbsenquellversuch
- [11] In einem Lehrbuch der Chemie wird der Natur zumindest sprachlich ein zielorientiertes Handeln zugesprochen. Es heißt: "Das Phänomen der Osmose […] ist das Bestreben eines Lösungsmittels, durch eine semipermeable Membran in eine Lösung hineinzuwandern." Man unterstellt dem Lösungmittel vermenschlichend also ein Bestreben. Eine Naturkunde oder Theorie, die chemisch oder physikalisch betrachteten Stoffen so etwas zugesteht könnte man als teleologisch bezeichnen. Das Zitat stammt aus: Peter W. Atkins: Physikalische Chemie. Übersetzt und ergänzt von A. Höpfner. VHC Verlagsgesellschaft. 1987. ISBN: 3-527-25913-9. Dort im Kapitel "8.3 Osmose", Seite 182.
- [12] Über das Entstehende im Original: "καὶ ὅτι ἅπαν ἐπ’ ἀρχὴν βαδίζει τὸ γιγνόμενον καὶ τέλος (ἀρχὴ γὰρ τὸ οὗ ἕνεκα, τοῦ τέλους δὲ ἕνεκα ἡ γένεσις), τέλος δ’ ἡ ἐνέργεια, καὶ τούτου χάριν ἡ δύναμις λαμβάνεται." In: Aristoteles, Metaphysik IX (Θ) 8, 1050a 7–10. https://johnhboyer-sys.github.io/aristotle-reader/Meta/book/9/
- [13] Über die Materie im Original: "ἔτι ἡ ὕλη ἔστι δυνάμει ὅτι ἔλθοι ἂν εἰς τὸ εἶδος· ὅταν δέ γε ἐνεργείᾳ ᾖ, τότε ἐν τῷ εἴδει ἐστίν. ὁμοίως δὲ καὶ ἐπὶ τῶν ἄλλων, καὶ ὧν κίνησις τὸ τέλος." In: Aristoteles, Metaphysik IX (Θ) 8, 1050a 15–18. https://johnhboyer-sys.github.io/aristotle-reader/Meta/book/9/
- [14] Dass das Werk das Ziel ist im Original: "τὸ γὰρ ἔργον τέλος, ἡ δὲ ἐνέργεια τὸ ἔργον, διὸ καὶ τοὔνομα ἐνέργεια λέγεται κατὰ τὸ ἔργον καὶ συντείνει πρὸς τὴν ἐντελέχειαν." In: Aristoteles, Metaphysik IX (Θ) 8, 1050a 21–23. https://johnhboyer-sys.github.io/aristotle-reader/Meta/book/9/
- [15] Die Übersetzung von Aristoteles' Urfassung der Selektion ins Deutsche stammt von einer KI. Hier ist das Original auf Altgriechisch: "Λεκτέον δὴ πρῶτον μὲν διότι ἡ φύσις τῶν ἕνεκά τὸυ αἰτίων, ἔπειτα περὶ τοῦ ἀναγκαίου, πῶς ἔχει ἐν τοῖς φυσικοῖς· εἰς γὰρ ταύτην τὴν αἰτίαν ἀνάγουσι πάντες, ὅτι ἐπειδὴ τὸ θερμὸν τοιονδὶ πέφυκεν καὶ τὸ ψυχρὸν καὶ ἕκαστον δὴ τῶν τοιούτων, ταδὶ ἐξ ἀνάγκης ἐστὶ καὶ γίγνεται· καὶ γὰρ ἐὰν ἄλλην αἰτίαν εἴπωσιν, ὅσον ἁψάμενοι χαίρειν ἐῶσιν, ὁ μὲν τὴν φιλίαν καὶ τὸ νεῖκος, ὁ δὲ τὸν νοῦν· ἔχει δʼ ἀπορίαν τί κωλύει τὴν φύσιν μὴ ἕνεκά του ποιεῖν μηδʼ ὅτι βέλτιον, ἀλλʼ ὥσπερ ὕει ὁ Ζεὺς οὐχ ὅπως τὸν σῖτον αὐξήσῃ, ἀλλʼ ἐξ ἀνάγκης (τὸ γὰρ ἀναχθὲν ψυχθῆναι δεῖ, καὶ τὸ ψυχθὲν ὕδωρ γενόμενον κατελθεῖν· τὸ δʼ αὐξάνεσθαι τούτου γενομένου τὸν σῖτον συμβαίνει), ὁμοίως δὲ καὶ εἴ τῳ ἀπόλλυται ὁ σῖτος ἐν τῇ ἅλῳ, οὐ τούτου ἕνεκα ὕει ὅπως ἀπόληται, ἀλλὰ τοῦτο συμβέβηκεν—ὥστε τί κωλύει οὕτω καὶ τὰ μέρη ἔχειν ἐν τῇ φύσει, οἷον τοὺς ὀδόντας ἐξ ἀνάγκης ἀνατεῖλαι τοὺς μὲν ἐμπροσθίους ὀξεῖς, ἐπιτηδείους πρὸς τὸ διαιρεῖν, τοὺς δὲ γομφίους πλατεῖς καὶ χρησίμους πρὸς τὸ λεαίνειν τὴν τροφήν, ἐπεὶ οὐ τούτου ἕνεκα γενέσθαι, ἀλλὰ συμπεσεῖν; ὁμοίως δὲ καὶ περὶ τῶν ἄλλων μερῶν, ἐν ὅσοις δοκεῖ ὑπάρχειν τὸ ἕνεκά του. ὅπου μὲν οὖν ἅπαντα συνέβη ὥσπερ κἂν εἰ ἕνεκά του ἐγίγνετο, ταῦτα μὲν ἐσώθη ἀπὸ τοῦ αὐτομάτου συστάντα ἐπιτηδείως· ὅσα δὲ μὴ οὕτως, ἀπώλετο καὶ ἀπόλλυται, καθάπερ Ἐμπεδοκλῆς λέγει τὰ βουγενῆ ἀνδρόπρωα." In: Aristotle. Aristotelis Physica. Ross, W.D., editor. Oxford: Clarendon, 1960. Online: https://fgh.perseids.org/read/greekLit/tlg0086/tlg031/1st1K-grc1/2.8-3.8