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Das Banner der Rhetos-Website: zwei griechische Denker betrachten ein physikalisches Universum um sie herum.

Chromatische Aberration

Farbfehler

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Basiswissen


Aus Linsen (z. B. Lupen) kann man optische Geräte wie Brillen, Ferngläser, Projektoren oder Fotokameras bauen. Da unterschiedliche Farben an Linsen aber unterschiedlich stark gebrochen werden, fächern sie sich oft in Bildern auf. An Rändern sieht man dann oft unerwünschte Farbeffekte. Diese nennt man chromatische Aberration. Der Effekt tritt auch im menschlichen Auge auf und wird von den nachgeschalteten neuronalen Strukturen des Gehirns dazu genutzt, Tiefeninformation zu erzeugen [1] und die Akkommodation (Scharfstellung) des Auges zu fördern [2]. Der zugrundeliegende physikalische Effekt ist die Dispersion.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Die chromatische Aberration ist eine meist unerwünschte Eigenschaft von Linsen wegen des unterschiedlichen Verhaltens von Licht verschiedener Farben beim Durchqueren von Grenzen zwischen verschiedenen optischem Medien (Dispersion). Insbesondere werden nicht alle Strahlen die von ein und demselben Punkt des Objekts ausgehen am Ende auf ein und demselben Punkt im Bild abgebildet. Man spricht von einer astigmatischen Abbildung. Der Effekt spielt zum Beispiel in den Augen von Lebewesen sowie in technisch angefertigten Linsen eine Rolle. © Gunter Heim/KI ☛


Zwei Arten


Die chromatische Aberration wird in eine longitudinale (axiale) [3] und eine laterale (transversale) [4] Form unterschieden. Die longitudinale chromatische Aberration entsteht durch unterschiedliche Brennweiten verschiedener Wellenlängen und führt dazu, dass Farben entlang der optischen Achse unterschiedlich scharf abgebildet werden; sie ist auch in der Bildmitte sichtbar und verändert sich beim Nachfokussieren. Die laterale chromatische Aberration beruht auf einer wellenlängenabhängigen Vergrößerung und zeigt sich als seitliche Verschiebung der Farben, die in der Bildmitte verschwindet und zum Bildrand hin zunimmt; sie bleibt durch Nachfokussieren weitgehend unverändert.

Einfache Versuche


Tischlupe




Billige Leselupen sind ideal um chromatische Aberration zu erzeugen. Man erkennt die optische Aberration daran, dass plötzlich Farben im Bild der Linse erscheinen, die man beim Betrachten des Originalgegenstandes nicht sieht.

Anleitung

  • Stelle eine billige Leselupe aufrecht auf den Tisch.
  • Du kannst dann parallel zur Tischplatte durch die Lupe blicken.
  • Solche Lupen haben oft Brennweiten von vielleicht 20 bis 40 cm.
  • Stelle in diese Entfernung eine Spielzeugfigur oder sonst ein buntes Objekt.
  • Betrachte das Objekt von der andere Seite aus durch die Lupe hindurch.
  • Eine zweite Person ändert dann den Abstand der Figur zur Lupe.
  • Die Richtung ist richtig, wenn die Figur dabei immer größer wird.
  • Irgendwann treten plötzlich unnatürliche Farbeffekte auf.
  • Das ist die chromatische Aberration.

Billig-Fernrohr


Billige Fernrohre aus einem Ein-Euro-Shop zeigen als Qualitätsmangel (dem Preis entsprechend) oft auch starke Farbeffekte am Rand eines Bildes. Man kann billige Fernrohre auch selbst simulieren, das heißt nachstellen.


Finde zuerst die Brennweite des Brennglases heraus. Eine einfache Möglichkeit dazu ist es, eine helle Szene, etwa ein Fenster in einen taghellen Garten oder Hof, mit dem Brennglas auf ein Blatt Papier in einem dunklen Raum zu projizieren. Der Abstand des Brennglases zum Papier, bei dem ein scharfes Bild entsteht, ist die Brennweite.



Die Brennweite einer Lupe kann man schnell und einfach feststellen, indem man den Abstand misst, bei dem eine weite entfernte Szene scharf auf eine Fläche projiziert wird. Siehe auch 👉 Lupen-Kino

Hast du die Brennweite bestimmt, nimmst du die Lupe und gehst damit ins Freie nach außen. Dort hältst du die Lupe am ausgestreckten Arm vor dein Gesicht, sodass du theoretisch die Landschaft in größerer Entfernung hindurch sehen könntest. Dann nimmst du die Einschlaglupe, hältst sie direkt an eines deiner zwei Augen und bewegst sie genau an die Stelle, wo die Lupe ein Bild auf ein Papier werfen würde. Dort wirst du durch die Einschlaglupe ein sehr stark vergrößertes Bild der Landschaft sehen. Das Licht von den originalen Gegenständen geht durch beide Lupen hindurch und erzeugt so das Riesenbild. Wenn beide Lupen ausreichend schlecht gefertigt sind, wirst du jetzt sehr deutlich starke Farbeffekte, die chromatische Aberration sehen.

Ein-Linsen-Mikroskop


In der Frühzeit des Mikroskopierens, etwa von 1590 bis 1675, war die chromatische Aberration eines der großen Probleme, um gute Bilder von kleinen Dingen zu erhalten. Jede weitere Linse in einem Mikroskop verstärkte den Effekt. Vergrößerungsfaktoren von 30 bis knapp über 40 waren die Obergrenze. Der Niederländer Antoni van Leeuwenhoek hatte dann eine Methode gefunden, extrem kleine Glaslinsen so herzustellen, dass er mit seinen simpel aber hochwertig gebauten Mikroskopen Vergrößerungen bis zum Faktor 275 erreichte. Siehe auch 👉 Ein-Linsen-Mikroskop

Fußnoten


  • [1] "Obwohl das natürliche Auge wie auch künstliche Intraokularlinsen (IOL) deutliche chromatische Aberrationen (unterschiedliche Brechung unterschiedlicher Wellenlängen bzw. Farben) aufweisen, muss diese nicht berücksichtigt werden, da die Farbrezeptoren der Retina sowie die nachfolgende neuronale Bildverarbeitung des Gehirns diese nutzt, um die Schärfentiefe zu erweitern." In: Wilhelm Stork: Optische Abbildungsfehler und Abbildungsqualität. Institut für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV). Universität Karlsruhe. Abgerufen am 1. April 2026. Online: https://www.itiv.kit.edu/3366.php
  • [2] "How does the visual system know when to accommodate or disaccommodate and by how much? Researchers have been trying to answer to this fundamental question for a long time, and still there is not a completely satisfactory answer. It is well known that the visual system makes use of information from the outside world, such as the intensity and wavelength of light reflected from objects, as well as information about the interaction of light with the optics of the eye itself, such as the effects of inaccurate refraction and chromatic dispersion. This information that the visual system uses in order to change the accommodation state accordingly is typically referred to as “cues” for accommodation." In: Del Águila-Carrasco AJ, Kruger PB, Lara F, López-Gil N. Aberrations and accommodation. Clin Exp Optom. 2020 Jan;103(1):95-103. doi: 10.1111/cxo.12938. Epub 2019 Jul 8. PMID: 31284325; PMCID: PMC6911823. Online: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6911823/
  • [3] Die "axiale oder longitudinale chromatische Aberration" wird im Zusammenhang mit der Fotografie beschrieben als "Farblängsfehler, auch axiale oder longitudinale chromatische Aberration genannt, entstehen oft, wenn Bilder mit großer Blendenöffnung gemacht werden (niedrige Blendenzahl)." In: Was ist eine chromatische Aberration, und wie lässt sie sich korrigieren? Hilfeseiten zum Bildbearbeitungsprogramm Photoshop von Adobe. Abgerufen am 7. Juni 2026. Online: https://www.adobe.com/de/creativecloud/photography/discover/chromatic-aberration.html
  • [4] Die "laterale oder transversale chromatische Aberration" wird im Zusammenhang mit der Fotografie beschrieben als "Farbquerfehler, auch als laterale oder transversale chromatische Aberration bezeichnet, sind blau-gelbe oder rot-grüne Saumbildungen […]" In: Was ist eine chromatische Aberration, und wie lässt sie sich korrigieren? Hilfeseiten zum Bildbearbeitungsprogramm Photoshop von Adobe. Abgerufen am 7. Juni 2026. Online: https://www.adobe.com/de/creativecloud/photography/discover/chromatic-aberration.html



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