Misinformation
Lieferantenpflicht
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Definition|
Einführendes Beispiel|
Ursachen von Misinformation|
Tipps für Autoren|
KI-Check|
Persönliche Einschätzung|
Fußnoten
Definition
Als Misinformation bezeichnet man falsche oder irreführende Inhalte [1], die jedoch ohne die Absicht einer Täuschung verbreitet werden. [1] [2] Liegt eine bewusste Absicht zugrunde, so spricht man von Desinformation. [1] [2] Es gibt viele Ratschläge, woran man Misinformation erkennen kann. In diesem Artikel möchte ich praktische Tipps geben, was man als Autor von Texten tun könnte, um die Qualität von Inhalten für die Leser zu erhöhen.
Einführendes Beispiel
Zunächst möchte ich an einem vielleicht eher harmlosen Beispiel zeigen, was man unter Misinformation verstehen kann. Findet man keine böse Absicht, ist es eher keine arglistige Desinformation sondern "bloß" Misinformation.
Am 15. Februar 2026 erschien online Artikel auf der Webseite des Norddeutschen Rundfunks (NRD) über eine drohende Überforderung von sogenannten Schöpfwerken an der deutschen Nordseeküste. Schöpfwerke pumpen das Wasser vom eingedeichten Binnenland nach oben ins Meer. Die Pumparbeit wird immer dann nötig, wenn die Wasseroberfläche des Meeres höher liegt als das Wasser, das man aus dem Binnenland entfernen will. Von alleine fließt das Wasser ja nicht nach oben. [3] In dem Artikel des NDR stand dann ein Abschnitt mit mehreren Zahlenangaben. Die Zahlen halte ich für falsch.
ZITAT:
Norddeutscher Rundfunk, 2026: "900 Liter Wasser pro Hektar regnet es im Jahr allein im Einzugsgebiet des Schöpfwerks Brunsbüttel-Nord. Davon verdunstet etwa die Hälfte oder wird von Vegetation aufgenommen, ein weiterer Teil kann durch Freilaufsiele einfach ablaufen. Es bleiben insgesamt noch über zwei Millionen Liter Wasser übrig. Dieses Wasser muss jedes Jahr um zwei Meter angehoben werden, um in die Elbe abzufließen. Und dafür braucht es Strom. Ungefähr 110.000 Euro kostet das schon jetzt jährlich." [4] [5]
Norddeutscher Rundfunk, 2026: "900 Liter Wasser pro Hektar regnet es im Jahr allein im Einzugsgebiet des Schöpfwerks Brunsbüttel-Nord. Davon verdunstet etwa die Hälfte oder wird von Vegetation aufgenommen, ein weiterer Teil kann durch Freilaufsiele einfach ablaufen. Es bleiben insgesamt noch über zwei Millionen Liter Wasser übrig. Dieses Wasser muss jedes Jahr um zwei Meter angehoben werden, um in die Elbe abzufließen. Und dafür braucht es Strom. Ungefähr 110.000 Euro kostet das schon jetzt jährlich." [4] [5]
900 Liter Regen?
2 Millionen Liter?
🖩
Wenn pro Jahr 2000 m³ gepumpt werden müssten, und die Pumpen diese Hubarbeit unter Volllast von aufgerundet 20 m³/s erledigen würden, dann kämen die Pumpen des Schöpfwerks Brunsbüttel-Nord jährlich auf nur etwa 100 Betriebssekunden.
Wenn pro Jahr 2000 m³ gepumpt werden müssten, und die Pumpen diese Hubarbeit unter Volllast von aufgerundet 20 m³/s erledigen würden, dann kämen die Pumpen des Schöpfwerks Brunsbüttel-Nord jährlich auf nur etwa 100 Betriebssekunden.
Und man kann auch die angegebenen Stromkosten ins Spiel bringen.
RANDNOTIZ "110000 kWH?! RECHNUNG Um 2000 m³ insgesamt 2 Meter nach oben zu Pumpen benötigt man nach der Formel für die Hubarbeit m·g·h eine Energiemenge von 2000·1000 kg · 10 m/s² · 2 m oder 40.000.000 Joule. (Ein Kubikmeter Wasser wiegt etwa 1000 kg.) Die Joule-Zahl geteilt durch 3,6 Millionen gibt die Energie in Kilowattstunden, hier also etwas über 11 Kilowattstunden.
Die Angaben aus dem Zeitungsartikel sind nicht konsistent: wenn die Wassermengen richtig sind, müssen die Stromkosten falsch sein. Und wenn die Stromkosten richtig sind, müssen die Wassermengen falsch sein.
Mit einem Preis von maximal einigen Zehnercent pro Kilowattstunden käme man so auf jährliche Stromkosten von deutlich unter 11 Euro. Das passt überhaupt nicht zu der Angabe in dem Artikel, dass die Stromkosten 110.000 Euro betragen. Erinnert man sich aber, dass die ursprüngliche Angabe der Regenmenge um den Faktor 10.000 falsch war, dann passen die Zahlen von der Größenordnung wieder gut. Das hieße aber auch, dass man pro Jahr nicht 2.000.000 Liter Wasser nach oben pumpt, sondern 10.000 mal so viel, nämlich 20.000.000.000 oder 20 Milliarden Liter.
Wer Zeitungsartikel zu technischen Themen liest, wird nicht lange suchen müssen, um solche und ähnliche Fehler zu finden. Fündig wird man bei technischen Themen oft in der Nähe von Worten oder Wendungen vorkommen wie:
- Billionen: oft falsch aus dem Amerikanischen übersetzt 👉 eine Billion
- Kilowatt pro Jahr: ist als Einheit unsinnig, sollte heißen 👉 Kilowattstunden pro Jahr
- Liter und Kubikmeter: diese werden schnell verwechselt 👉 Kubikmeter in Liter
- Qudratmeter und Hektar: diese werden schnell verwechselt 👉 Hektar in Quadratmeter
- mm Niederschlag pro Jahr: oft mit Einheitenfehlern 👉 Niederschlagshöhe
Guter Wille vorausgesetzt
Ursachen von Misinformation
Sorgfalt braucht Zeit. Und Zeit kostet Geld. Damit wird Sorgfalt Teil der Warenwirtschaft in unserer Konsumgesellschaft. Sie konkurriert gegen Qualitätsmerkmale wie Aktualität, profesionelles Design, Attraktivität für zahlende Werbekunden, eine emotionale Ansprache der Leser, die Verwendung von Kundenbindung über effektives Rage- oder Clic-baiting etc. etc. Die Macher von Zeitungsartikel oder Webseiten stehen immer wieder von einer Gretchenfrage der ein oder anderen Art.
Mit einem knappen und unverhandelbaren Budget, gebe ich lieber 70 % des Geldes für die Prüfung von Zahlenangaben oder einen professionell und ansprechend gestalteten Internauftritt aus?
Wenn ich als Journalist jeden Tag einen Beitrag verfassen muss, um auf mein Einkommen zu kommen, wie viel Zeit zwacke ich dann von der Suche nach guten Bildern oder dem Design einer guten Story ab, um zu überprüfen, woher die Aussage kommt, dass Grönland von 2002 bis 2025 jährlich 264 Gigatonnen an Eis verlor [11], ob das mit möglichen Zuwächsen an Eismassen bilanziert wurde oder nicht [12], ob das im Vergleich zu den Jahrzehnten davor viel oder wenig war, ob eine Tonne im Englischen auch sicher 1000 kg wie im Deutschen meinen, ob eine Gigatonne gleich einer Milliarde Kilogramm sind und ob das einem Eiswürfel von fast 7 Kilometern Kantenlänge entsprechen könnte (bei welcher angenommenen Dichte von Eis)?
Wer den Unterschied an sich einmal testen möchte, kann wahlweise die Internetseiten der NASA aus den 2010er Jahren und dann als Vergleich dazu den einer erfolgreichen Wochenzeitschrift wie dem Spiegel oder Stern besuchen. Wo verbringt man letztend Endes mehr Zeit?
Resonanzkatastrophe
Tipps für Autoren
Wenn von Medienkompetenz die Sprache ist, ist damit meist die Fähigkeit von Lesern gemeint, Inhalte auf Spreu und Weizen hin trennen zu können. Aber man kann Medienkompetenz auch umgekehrt denken als Fähigkeit, selbst Inhalte so darzustellen, dass sie von Lesern möglichst gut eingeschätzt werden können. Darum geht es mir in den folgenden Tipps.
MERKSATZ:
Fehlerfreiheit ist in den meisten praktischen Fällen eine nicht erreichbares Ideal. Verfasse deine Text so, dass der Leser mögliche Fehler möglichst bequem selbst finden könnte. Wo er dann keine findet, steigt die Glaubwürdigkeit deiner Angaben.
Fehlerfreiheit ist in den meisten praktischen Fällen eine nicht erreichbares Ideal. Verfasse deine Text so, dass der Leser mögliche Fehler möglichst bequem selbst finden könnte. Wo er dann keine findet, steigt die Glaubwürdigkeit deiner Angaben.
Hier stehen jetzt einige Tipps, wie man dem Leser möglichst gut abgesicherte Aussagen anbieten kann, oder diese Aussagen zumindest für den Leser gut nachprüfbar macht.
Am Richtigen Platz
Wer möglichst zuverlässige Inhalte erzeugen will, braucht dafür die passende Umgebung. Zeitdruck, die Vorgabe den Leser vielleicht auch zu täuschen (Werbung, Propaganda, Juristerei) oder der Äußerung Aufmachung den Vorrang vor dem Inhalt zu geben sind hinderlich. Im Zweifelsfall muss man sich eine bessere Umgebung suchen.
Quellen
Gib für möglichst viele deiner Aussagen eine Quelle an. Bevorzuge dabei originale Quellen von den ursprünglichen Autoren: wenn es heißt, dass Newton ein Verfechter des Teilchemodells des Lichts war, wie ist der Wortlaut, mit dem man das belegen kann? Und war Newton zu engstirnig um die Welleneigenschaften von Licht zu übersehen? Suche auch nach Quellen, ob Newton sich zum Wellenmodell geäußert hat. Newtons Werke haben sich über Jahrzehnte verändert und wurden später vom Lateinischen Original in andere Sprache, etwas ins Englische übersetzt. Gib dem Leser wo immer möglichst die Urversion einer Aussage mit an.
Reputation
Gib eine Einschätzung für wie zuverlässig du eine verwendete Quelle hältst. Wem traust du im Allgemeinen mehr: dem Deutschen Wetterdienst oder einem "Youtuber"?
Redundanz
Gib die Daten für ein und denselben Fakt in verschiedenen, gängigen Ausdrucksformen an. Das ermöglicht es dem Leser, seine bevorzugte Weise zu nehmen und dann die andere Angabe zu überprüfen. Hat man irgendwo einen Fehler gemacht, kann er so besser auffallen.
Konsistenz
Zahlenangeben wo immer möglich auf innere Konsistenz prüfen: können 20 millionen Kilowattstunden im Jahr einer durchschnittlichen Leistung von grob etwa 2 Megawatt entsprechen?
Formeln
Gib Lesern immer die von dir verwendeten Formeln mit an. Wenn du zum Beispiel berechnest, wie hoch man ein Kilogramm mit dem Energieinhalt von 1000 Liter Spiritus anheben könnte, dann gib zum Beispiel als Formel für die Hubarbeit W = m·g·h an. Der Leser weiß dann, dass du bei der Berechnung die mit der Höhe nachlassende Gravitationskraft nicht mit berücksichtigt hast.
Allgemeinwissen
Baue selbst viel Allgemeinwissen auf. Lerne Zahlen, Formeln, Fakten auswendig. Von dort aus kann man schnell die Plausibilität von Aussagen abschätzen. Gib in deinen Text solches Wissen mit an. Wer weiß, dass ein normales Containerschiff bei Fahrt in der Größenordnung von 20 Seemeilen oder 40 Kilometern zurücklegt, wird stutzig, wenn von einem solche Containerschiff die Rede ist, dass die gut 6800 Seemeilen von Hamburg ins südafrikanische Kapstadt in zwei Tagen zurück gelegt haben soll.
Argumente
Versuche Angaben zum selben Fakt aus verschiedenen Quellen zusammentragen und vergleiche sie: die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) definiert die Grenze zum Weltraum bei 100 km Höhe über der Erdoberfläche, die US Air Force bei nur 80 km. Solche Widersprüche erzeugen Unbehagen, die sogenannte kognitive Dissonanz. Man weiß nicht, was stimmen soll. Doch gibt man die Argumente beider Organisation mit dazu, werde die Angaben akzeptabler. Siehe dazu den Artikel 👉 Grenze zum Weltraum
Logik
Biete dem Leser viele logische Querbzüge an, ermuntere ihn damit, die Aussagen in deinem Text auf innere Konsistenz zu überprüfen, formuliere dazu kritische Fragen zu deinem eigenen Text: "Ich habe versucht zu zeigen, dass Forscher seit etwa 1850 einen engen Zusammenhang zwischen dem Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre und der Temperatur auf der Erdoberfläche sehen. Doch ist ein hohe CO2-Gehalt einen notwendige oder eine hinreichende Bedingung für eine Erderwärmung?" Mit einer solche Frage kann der Leser die Argumentation selbst weiter ausdifferenzieren und kritisch mitdenken.
Widerlegungs-Tipps
Zeige deinem Leser wie er die Aussagen in deinem Text widerlegen könnte. In der Wissenschaft spricht man vom Falsifizierungsprinzip: "Wenn nun, wie ich behaupte, die Erde mehr oder minder die Form einer Kugel hat, dann muss es unmöglich sein, in gerader Linie aus 10 cm über der Oberfläche des ruhigen Wasser eines Ozeans ein 10 Kilometer weit entfernt schwimmendes Quieteschentchen zu sehen. [14] Im Idealfall kannst du ein Experiment mit angeben, dass zwischen der Korrektheit deiner und der Korrektheit konkurrierender Behauptungen zu entscheiden hilft. Ein solches Experiment nennt man auch ein 👉 Experimentum crucis
Fakten-Check-Tipps
In verschiedenen Quellen im Internet kann man lesen, dass die bläuliche Flamme von Camping-Gaskochern Temperaturen von etwa 1500 °C erreichen soll. Man kann dem Leser vorschlagen, dass er versuchen kann, Kupfer in einer solchen Flamme zu schmelzen, etwa erkennbar an kleinen Schmelztropfen. Gelingt es ihm, dann hat die Flamme sicher über 1084 °C erreicht. Kann der Leser reines Eisen schmelzen, hat die Flamme gut 1536 °C erreicht. Siehe auch 👉 Kupfer-Brenn-Versuch
Gedankenspiel
Mit der Formulierung "Wenn-Dann" befreit man sich von der Pflicht, die Gültigkeit einer Prämisse zu überprüfen: "Wenn es in 21. Jahrhundert zu einem Anstieg des Meeresspiegels von global etwa zwei Metern kommen sollte, muss man viele Deiche in Norddeutschland erheblich erhöhen und verbeitern. Es wird fraglich, ob das für alle Küstenregionen technisch und wirtschaftlich noch machbar sein wird." Ob das Szenario mit den 2 Metern eintrifft oder nicht, muss man bei einer so gewählten Formulierung selbst nicht überprüfen.
Selbsteinschätzung
Gib selbst im Text für jedes Einzelbeispiel mit an, für wie sicher man die Aussage hält. Dabei genügen oft kurze Worte und Hinweise. "Ich glaube" hat weniger Gewicht als "es gilt". Die Aussage "möglicherweise ändert sich die Gravitationskonstante über die Jahrmilliarden des Lebens des Kosmos" macht dich weniger angreifbar als ein apodiktisches "die Änderung der Gravitationskonstante schockiert die Wissenschaftlergmeinde". Formuliere deine Aussagen konservativ selbstkritisch.
Lektorat
Falls möglich, lasse deinen Text von anderen Menschen Korrektur lesen lassen. In der Wissenschaft nennt man das ein Peer Review, eine Überprüfung durch Kollegen (peers). Bei Verlagen, die die Bücher von Schriftstellern prüfen, nennt man das ein Lektorat.
KI
Fordere ein künstliche Intelligenz auf, Fehler in deinen Texten zu finden. KIs sind inzwischen auch im Rechnen außerordentlich gut. Sie erzeugen für eine Antwort oft kurz selbst kleine Computerprogramme, die dann die Rechnung ausführen. Man kann zusehen, wie die Dinger das von Jahr zu Jahr besser hinkriegen.
Ich bekomme häufig Mails, oft von Studenten oder Ingenieuren, die mich auf Fehler auf meiner Seite hier hinweisen. Das lässt sich nicht vermeiden. Ich gebe mir aber oft viel Mühe, aufwändig für alles Mögliche historische Quellen mit anzugeben und zu zeigen, wie man die Angaben selbst überprüfen könnte. [13]
KI-Check
Zum Abschluss habe ich den Text des Norddeutschen Rundfunks drei KIs zur Einschätzung gegeben. Ich forderte die künstlichen Intelligenzen jeweils kurz auf, die inhaltliche Korrektheit zu prüfen. Hier sind die Antworten vom 14. Februar 2026.
ZITAT:
DeepSeek: "Der Text enthält einige Ungenauigkeiten und Fehler. Zunächst ist die Angabe von 900 Litern Wasser pro Hektar im Jahr unrealistisch niedrig – dies entspräche weniger als 1 mm Niederschlag, was weit unter dem Durchschnitt liegt. Die Berechnung der verbleibenden Wassermenge (über zwei Millionen Liter) und die Kosten von 110.000 Euro pro Jahr für das Anheben des Wassers um zwei Meter sind ebenfalls fragwürdig und nicht ausreichend belegt. Insgesamt ist die inhaltliche Korrektheit des Textes nicht gegeben."
DeepSeek: "Der Text enthält einige Ungenauigkeiten und Fehler. Zunächst ist die Angabe von 900 Litern Wasser pro Hektar im Jahr unrealistisch niedrig – dies entspräche weniger als 1 mm Niederschlag, was weit unter dem Durchschnitt liegt. Die Berechnung der verbleibenden Wassermenge (über zwei Millionen Liter) und die Kosten von 110.000 Euro pro Jahr für das Anheben des Wassers um zwei Meter sind ebenfalls fragwürdig und nicht ausreichend belegt. Insgesamt ist die inhaltliche Korrektheit des Textes nicht gegeben."
ZITAT:
ChatGPT: "900 Liter pro Hektar und Jahr sind physikalisch unrealistisch (entspräche nur 0,09 mm Niederschlag); plausibel wären etwa 900 Liter pro Quadratmeter (= 900 mm), zudem sind die daraus abgeleiteten Restmengen ohne Angabe der Einzugsgebietsfläche nicht überprüfbar, und das Heben von lediglich 2 000 m³ Wasser um 2 m würde theoretisch nur rund 11 kWh erfordern, sodass die genannte Summe von 110 000 € bei diesen Mengen nicht konsistent erscheint."
ChatGPT: "900 Liter pro Hektar und Jahr sind physikalisch unrealistisch (entspräche nur 0,09 mm Niederschlag); plausibel wären etwa 900 Liter pro Quadratmeter (= 900 mm), zudem sind die daraus abgeleiteten Restmengen ohne Angabe der Einzugsgebietsfläche nicht überprüfbar, und das Heben von lediglich 2 000 m³ Wasser um 2 m würde theoretisch nur rund 11 kWh erfordern, sodass die genannte Summe von 110 000 € bei diesen Mengen nicht konsistent erscheint."
ZITAT:
Gemini: "Der Text ist inhaltlich falsch, da er die Wassermenge pro Hektar massiv unterschätzt: 900 mm Jahresniederschlag entsprechen 9.000.000 Litern pro Hektar und nicht nur 900 Litern, was bedeutet, dass der Text den Faktor 10.000 ignoriert; entsprechend ist auch die Angabe von nur zwei Millionen Litern Restwasser für ein ganzes Einzugsgebiet viel zu niedrig, während die genannten Stromkosten von 110.000 Euro und die Hubhöhe von zwei Metern für ein Schöpfwerk dieser Größe durchaus realistisch sind."
Gemini: "Der Text ist inhaltlich falsch, da er die Wassermenge pro Hektar massiv unterschätzt: 900 mm Jahresniederschlag entsprechen 9.000.000 Litern pro Hektar und nicht nur 900 Litern, was bedeutet, dass der Text den Faktor 10.000 ignoriert; entsprechend ist auch die Angabe von nur zwei Millionen Litern Restwasser für ein ganzes Einzugsgebiet viel zu niedrig, während die genannten Stromkosten von 110.000 Euro und die Hubhöhe von zwei Metern für ein Schöpfwerk dieser Größe durchaus realistisch sind."
Vielleicht wird sich schon bald im Workflow von Journalisten einbürgern, dass alle Texte durch einen KI-Plausibilitätscheck gehen. Dann würde zumindest solche Fehler auffallen. Unbehaglich hingegen ist mir der Gedanke, dass die KIs die Text dann wahrscheinlich von vorneherein selbst schreiben könnten.
Persönliche Einschätzung
Die Grenze zwischen willentlicher Desinformation und sträflich nachlässiger Misinformation halte ich für fließend. Wer einen festen Arbeitsplatz in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender hat, ist in der Regel sozial gut abgesichert und erhält ein auskömmliches Einkommen. Es ist der Auftrag solcher Einrichtungen zuverlässige und relevante Information bereit zu stellen. Wenn Mitarbeiter - vor allem Führungskräfte - sich mit dem Auftrag überfordert fühlen (Geldmangel, Zeitmangel, keine Fachkräfte, falsche Anreizsysteme etc. etc.) haben sie meiner Meinung nach die Pflicht, das an ihre jeweilige Obrigkeit weiter zu geben. Tun sie das nicht und liefern sie weiter Misinformation, dann tun sie das wissentlich. Verharren sie dann weiter auf bequemen Arbeitsplätzen, haben sie für mich die Grenze von akzeptablen menschlichen Schwächen hin zu einer gemeinschädlichen und sträflichen Inkompetenz überschritten. Man bezahlt Steuern, dass der Staat eben nicht die Minderqualität liefert, die man der Privatwirtschaft fairerweise zugestehen muss. [15]Fußnoten
- [1] "Misinformation beschreibt falsche oder irreführende Inhalte, die ohne Täuschungsabsicht verbreitet werden. Anders als bei Desinformation oder Fake News geht es dabei nicht um gezielte Manipulation, sondern meist um Unwissen oder Fehlinformation." In: Der Artikel "Misinformation". Lexikon des Demokratiezentrum Wien. Abgerufen am 14. Februar 2026. Online: https://www.demokratiezentrum.org/ressourcen/lexikon/misinformation
- [2] "In der Überzeugungsabsicht liegt der Unterschied zwischen Desinformation und Misinformation. Letztere ist auch eine irreführende Information, die jedoch nicht absichtlich – also ohne eine Täuschungsabsicht – verbreitet wurde. Misinformation ist damit ein enorm weiter Begriff. Er ist auch in der Praxis kaum genau zu bestimmen, denn um einen kommunikativen Akt als Des- oder Misinformation kategorisieren zu können, muss sowohl die Absicht des Absenders wie auch die Wirkung auf den Empfänger bekannt sein." In: Christian Pieter Hoffmann: Fake News, Misinformation, Desinformation. Informationen zur politischen Bildung Nr. 355/2023. Stand vom 26.07.2023. Online: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/medienkompetenz-355/539986/fake-news-misinformation-desinformation/
- [3] Sogenannte Schöpferwerke findet man an der deutschen Nordseeküste an vielen Stellen, wo die Küste eingedeicht ist. Sinn und Technik sind näher erklärt im Artikel 👉 Schöpfwerk
- [4] Theresa Ehr: Zwischen Weltpolitik und Klimawandel: Schöpfwerke an der Westküste. NDR Nachrichten für Schleswig-Holstein. Stand: 15.02.2026. Online: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/dithmarschen_steinburg/zwischen-weltpolitik-und-klimawandel-schoepfwerke-an-der-westkueste,schoepfwerke-100.html
- [5] Ich habe die originale Textstelle in Gänze unverändert vom Artikel des NDR übernommen. "Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn 1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zur Erläuterung des Inhalts aufgenommen werden" etc. In: Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz) § 51 Zitate
- [6] "Die Niederschlagshöhe gibt an, wie hoch flüssiger Niederschlag eine horizontale Erdbodenfläche in einer Betrachtungszeitspanne bedecken würde, wenn nichts von dieser Fläche abfließen, verdunsten oder versickern könnte. [...] Wird z.B. eine Niederschlagshöhe von 1 Millimeter gemessen, so entspricht dieser Wert einer Niederschlagsmenge von 1 Liter pro Quadratmeter." In: der Artikel "Niederschlagshöhe". Im "Wetter- und Klimalexikon". Deutscher Wettendienst (DWD). Abgerufen am 14. Februar 2026. Online: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/glossar.html?nn=103346&lv2=101812&lv3=101904
- [7] Für den "Beobachtungszeitraum" von 1981 bis 2010 gibt der Deutsche Wetterdienst für die Station Brunsbüttel 918 Millimeter an. In: der Artikel "Niederschlagshöhe". Im "Wetter- und Klimalexikon". Deutscher Wettendienst (DWD). Abgerufen am 14. Februar 2026. Dort die Datei zu "Niederschlag: vieljährige Mittelwerte 1981 - 2010". Online: https://www.dwd.de/DE/leistungen/klimadatendeutschland/mittelwerte/nieder_8110_fest_html.html?view=nasPublication&nn=16102
- [8] Ein Hektar entspricht als Flächeninhalt einem Quadrat mit einer Seitenlänge von 100 Metern, also 100·100 oder 10000 m². Siehe mehr unter 👉 Hektar in Quadratmeter
- [9] Ein Kubikmeter ist vom Volumen her so viel wie das Volumen eines Würfels mit einem Meter Kantenlänge. In einen solche Würfel könnte man 1000 Würfel mit einer Kantenlänge von einem Dezimeter (= 10 cm) packen, also 1000 Liter. Siehe mehr unter 👉 Kubikmeter in Liter
- [10] Der Physiker Richard Feynman war in den 1980er Jahren an der Aufklärung eines Unfalls der Raumfähre Challenger beteiligt. Sein Fazit ist, dass die eigentliche Ursache ein gezieltes Desinteresse der Unternehmensführung an geäußerten Sicherheitsbedenken von an sich sorgfältigen Ingenieuren war. Wenn niemand von der Obrigkeit Warnungen über Sicherheitsgefahren in irgendeiner Weise ernst nimmt, dann werden die Ingenieure diese irgendwann auch nicht mehr äußern. Und irgendwann, so Feynman, konnte die Obrigkeit dann auch mit gutem Gewissen sagen von all den Bedenken nichts gewusst zu haben. Dies ist ein trauriges (weil tödliches) Beispiel für eine Symbiose als Ursache für eine verlotterte Rechtschaffenheit. Richard P. Feynman: Kümmert Sie, was andere Leute denken?. Neue Abenteuer eines neugierigen Physikers. Gesammelt von Ralph Leighton. Mit 41 Abbildungen. Piper Verlag. München. 1991. ISBN: 3-492-03371-7. Der sehr bemerkenswerte Autor des Buches ist 👉 Richard Feynman
- [11] Ich gebe hier bewusst keine Quellen an. Wer den den Rechercheaufwand für sich einmal nacherleben möchte, kann versuchen, die aufgelisteten Fragen alle schlüssig mit zuverlässige Quellenangaben und Kontrollrechnunge nachzuprüfen. Viele Freude!
- [12] Wenn ein Eisblock von sagen wir einmal 10 Kilogramm über einen Tag hinweg 4 Kilogramm an Eis verlor, aber nachts aus irgendwelchen Gründen um neue 7 Kilo anwuchs, dann kann ich immer noch ohne zu lügen schreiben: der Block verlore 4 Kilogramm. Lüge ich, wenn ich die 7 Kilogramm Zugewinn unerwähnt lasse? Diesen Kniff der gewollten oder ungewollten Auslassungen muss man bei Recherchen ständig mitdenken.
- [13] Ein Beispiel für einen vergleichsweise großen Aufwand an Recherchearbeit ist mein Artikel über die sogenannte Kopenhagener Deutung der Quantenphysik. Ich wollte nicht nur Aussagen aus Lehrbüchern der Physik oder aus Sekundärliteratur sonder vor allem Originalzitate der damals in den 1920er Jahren beteiligten Denker verwenden. Vielleicht liege ich mit vielen meiner Einschätzung daneben. Aber zumindest gebe ich dem Leser oft die Möglichkeit an die Hand, alles selbst nachzuprüfen. Siehe auch 👉 Kopenhagener Deutung
- [14] Um zu zeigen, dass die Erde eine flache Scheibe ist, hat ein Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich angegeben, solche Versuche gemacht zu haben. Siehe zu dieser schillernden Episode aus der Wissenschaftsgeschichte den Artikel zur sogenannten 👉 Flacherde
- [15] Dem Norddeutschen Rundfunk als Institution zugute halte ich, dass der Hinweis auf den Fehler sofort am 15. Februar 2026 - noch an einem Sonntag - freundlich beantwortet wurde. Es wurde angekündigt, dass der Artikel bald korrigiert wird. In der Pflicht sehe ich die Führung der Einrichtung, dass sie die Arbeitsabläufe und Anreize so gestaltet, dass es für die Verfasser von Texten persönlich ein Vorteil ist, gut rechechierte Fakten abgeben zu können.