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Gradualismus

Evolution

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Definition


Als Gradualismus bezeichnet man eine Position nach der Veränderungen stufenweise [1] im Sinn von kleinen Schritten und nicht in großen und schnellen Sprüngen stattfinden. Auch wenn sich Dinge nur im Ausmaß, etwa gemessen über eine Gradskala [3] (wärmer, kälter), nicht aber nach der Art (Farbe statt Temperatur) unterscheiden, spricht man von graduellen Unterschieden. Der Begriff des Gradualismus wird in der Evolutionstheorie [3] und der Erforschung von Bewusstsein [4] verwendet.

Evolutionstheorie


In der Evolutionstheorie steht Gradualismus für die Idee, dass sich die Phänotypen, das heißt der tatsächliche Aufbau und das Verhalten von Organismen nur langsam und über viele im Kleinen angepasste Zwischenschritte verändern. [3] Gegenpositionen sind der Saltationismus und der Punktualismus. Siehe mehr unter 👉 Gradualismus (Evolution)

Bewusstseinsforschung


In der Bewusstseinsforschung steht Gradualismus für einen mehr oder minder stufenlosen Übergang von verschiedenen Ausprägungen von Bewusstsein zwischen verschiedenen biologischen Lebensformen. Es gibt demnach keine scharfe Trennung zwischen bewussten und unbewussten Organismen sondern nur Unterschiede im Ausmaß oder der Ausprägung von Bewusstsein. [4] Siehe auch 👉 Gradualismus (Bewusstsein)

Fußnoten


  • [1] "Graduéll (frz.), stufenweise." In: Lexikoneintrag zu »Graduéll«. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 707.
  • [2] "Grad m. ‘Stufe, Abstufung in einer Rangskala, in der Stärke oder Intensität, Maßeinheit’, ahd. grād ‘Stufe, Rang’ (um 1000), mhd. grāt sind aus lat. gradus ‘Schritt, Stufe, Abstufung, Rang’ entlehnt, einem Deverbativum zu lat. gradī ‘Schritte machen, schreiten’. Das Wort wird zunächst in enger Anlehnung an die lat. Bedeutung ‘Schritt, Stufe’, bald auch im übertragenen Sinne von ‘Rangstufe’ verwendet, der im Dt. wie im Lat. eine reiche Bedeutungsentfaltung aufweist. So ist der Gebrauch als Maß- und Rangbegriff für Sachverhalte seit mhd. Zeit, speziell für den ‘360. Teil eines Kreises’ seit dem 16. Jh. (im Anschluß an den mlat. Gebrauch von gradus), der ‘akademische Rang’ seit dem 17. Jh., die ‘Stufe zur Bezeichnung der Nähe einer Verwandtschaft’ seit dem 15. Jh., das ‘Maß der Intensität’, das ‘Ausmaß von Eigenschaften, Zuständen und Verhaltensweisen des Menschen’ ansatzweise im 14. Jh., häufiger seit dem 16. und 17. Jh. bezeugt." In: der Artikel "Graduell". Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS). Abgerufen am 2. Januar 2026. Online: https://www.dwds.de/wb/graduell
  • [3] Gradualismus im Sinne der Evolutionstheorie bezeichnet "die herkömmliche, bereits von C.R. Darwin vertretene Vorstellung, daß der mikroevolutionäre Artwandel allmählich und nicht sprunghaft (durch das plötzliche Entstehen neuer Typen) abgelaufen ist." Zwischen großen Änderungen im "Phänotyp" eines Organismus müssen demnach mehrere "nur schwach unterscheidbare Zwischenformen" liegen, die auch als "Bindeglieder", im Englischen als "missing links" bezeichnet werden. In: der Artikel "Gradualismus". Spektrum Lexikon der Biologie. November 2021. Online. https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/gradualismus/29119
  • [4] "An evolutionary perspective also motivates a strongly gradualist view of consciousness; a simple distinction between conscious and nonconscious animals will probably be replaced with a view that admits differences of degree, perhaps on many dimensions." In: Peter Godfrey-Smith; Inferring Consciousness in Phylogenetically Distant Organisms. J Cogn Neurosci 2024; 36 (8): 1660–1666. Creative Commons Attribution 4.0 International License. Online: https://doi.org/10.1162/jocn_a_02158

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