Fettbrand
Lernwerkstatt
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Definition
Von einem Fettbrand spricht man, wenn sich ein Fett, zum Beispiel auch Speiseöl, ohne fremde Zündquelle von selbst entzündet. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man Bratöl in einer Pfanne zu stark erhitzt. Versucht man einen Fettbrand mit Wasser zu löschen erfolgt meist eine sehr gefährliche 👉 Fettexplosion
Sicherheit
Erste Wahl
- Es geht um das Löschen kleiner Fettbrände, Oberfläche maximal 100 cm².
- Ideal: Versuche auf feuerfesten Unterlagen (z. B. Tischfläche aus Stein)
- Ideal: feuerfesten Deckel auf Gefäß auflegen, damit das Feuer ersticken
- Ideal: Feuerlöscher Brandklasse F, siehe auch 👉 Feuerlöscher
- Ideal: Hitzequelle ausschalten
- Bei Panik: Notruf 👉 112
ZITAT:
Die Feuerwehr Spaichingen empfiehlt: "Ersticken Sie das Feuer, indem Sie die Pfanne, den Topf oder die Fritteuse mit einem passenden Deckel oder einer feuerfesten Platte abdecken. Halten Sie stets ein geeignetes Löschmittel (z. B. Fettbrandlöscher) griffbereit. Spezielle Fettbrandlöscher (Brandklasse F) sind für Küchen besonders empfehlenswert. Sie bekämpfen Speiseöl- und Speisefettbrände zuverlässig. Löschdecken sind nicht geeignet, auch wenn sie früher in vielen Küchen hingen. Löschdecken haben sich als ungeeignet für Fettbrände erwiesen, da sie die Flammen nicht wirksam ersticken." [7]
Die Feuerwehr Spaichingen empfiehlt: "Ersticken Sie das Feuer, indem Sie die Pfanne, den Topf oder die Fritteuse mit einem passenden Deckel oder einer feuerfesten Platte abdecken. Halten Sie stets ein geeignetes Löschmittel (z. B. Fettbrandlöscher) griffbereit. Spezielle Fettbrandlöscher (Brandklasse F) sind für Küchen besonders empfehlenswert. Sie bekämpfen Speiseöl- und Speisefettbrände zuverlässig. Löschdecken sind nicht geeignet, auch wenn sie früher in vielen Küchen hingen. Löschdecken haben sich als ungeeignet für Fettbrände erwiesen, da sie die Flammen nicht wirksam ersticken." [7]
Zweite Wahl
- Kleine Flammen ersticken, etwa auf dem Experimentiertisch 👉 Feuerlöscher
- Kleine Flammen ersticken, etwa auf dem Experimentiertisch 👉 Löschdecke
- Kleine Flammen ersticken, etwa auf dem Experimentiertisch 👉 Sand
- Feuerlöscher Brandklasse A, B und C
Pilotversuche
Wir [1] haben etwa 2,5 ml raffiniertes Sonnenblumenöl der Firma Vegala (Brennwert 3404 kJ/kg) in eine kleine Messingpfanne gegeben. Die Messingpfanne wurde über einem Campingkocher [1] erhitzt. Die Pfanne wurde von einem Stativ am oberen Rand der Gasflamme gehalten. Nach einiger Zeit entwickelt sich starker Rauch. Kurz danach zündete das erhitzte Öl von alleine und brannte in der Pfanne ab. Es gab keine Explosionseffekte. Zurück blieb eine klebrige Restölmasse auf dem Boden der Pfanne. In den Wochen danach folgten weitere Versuche mit leichten Variationen. Hier sind einige Beobachtungen:
Beobachtungen
- 2 Milliliter Pflanzenöl genügen, um den Effekt zuverlässig herbei zu führen.
- 5 Milliliter führen zu recht ansehnlichen Flammen, mehrere Dezimeter hoch.
- Schon leichter Wind verhindert bei offener Heizflamme die nötige Erwärmung des Gefäßes.
- Ideal ist es, den Versuch bei nahezu völliger Windstille durchzuführen.
- Größere Metallgefäße leiten die Hitze der Heizflamme sehr schnell ab. Kleine Gefäße sind besser.
- Schnell erhitzt wurde das Öl zum Beispiel in einem Schraubdeckel aus Metall von einer Glasflasche.
- Vor der Zündung mit sichtbarer Flamme bildete sich immer sehr starker Qualm.
- Vor der Zündung mit sichtbarer Flamme begann das Öl immer sichtbar zu Kochen.
- Ohne weitere Hitzezufuhr erlosch das Feuer von alleine, es erhielt sich nicht selbst.
TO-DO:
In weiteren Versuchen zum Fettbrand soll die nötige Temperatur nicht nur über eine offene Gasflamme sondern zum Beispiel auch über die Heizplatte eines Laborheizrührers hergestellt werden. Mit Videoaufnahmen soll der Ort der ersten Flammenbildung bestimmt werden.
In weiteren Versuchen zum Fettbrand soll die nötige Temperatur nicht nur über eine offene Gasflamme sondern zum Beispiel auch über die Heizplatte eines Laborheizrührers hergestellt werden. Mit Videoaufnahmen soll der Ort der ersten Flammenbildung bestimmt werden.
Rauch als Frühwarnzeichen
Vor einer Entzündung des Öls gab es bei allen Pilotversuchen immer eine sehr starke Rauchentwicklung. Je nach Art des Öls, setzt diese Rauchbildung bei verschiedenen Temperaturen ein:
- 107 °C | Rapsöl (unraffiniert)
- 107 °C | Sonnenblumenöl (roh, unraffiniert, kaltgepresst)
- 130–175 °C | Olivenöl (kaltgepresst)
- 130–190 °C | Rapsöl (kaltgepresst)
- 150 °C | Distelöl (kaltgepresst)
- 160–190–210 °C | Olivenöl (nativ extra, filtriert)
- 190–230 °C | Rapsöl (raffiniert)]
- 200 °C | Maiskeimöl (raffiniert)
- 210 °C | Distelöl (raffiniert)
- 213 °C | Sojaöl
- 216 °C | Traubenkernöl
- 220 °C | Palmkernfett
- 230 °C | Erdnussöl (raffiniert)
- 232 °C | Sonnenblumenöl (teilraffiniert)
- 252–254 °C | Sonnenblumenöl (raffiniert)
- Die vollständige Liste steht auf 👉 Rauchpunkt
Praktische Bedeutung
Fett- und Ölbrände kommen zunächst einmal in Küchen vor, wenn beim Braten und Frittieren Fette und Öle stark erhitzt werden. In der Zeit von 2019 bis 2023 waren von 562 erfassten Bränden in Oberösterreich 71 Fettbrände. [5] Der durchschnittliche Schaden lag bei etwa 37000 Euro. [5] Doch nicht nur in Küchen sind Fettbrände ein Thema. Auch in der Industrie führen Öle und Fette, die sich an heißen Oberflächen entzünden immer wieder zu gefährlichen Bränden.
- In Oberösterreich waren von 2019 bis 2023 rund 13 % aller privaten Brände Fettbrände. [5]
- In den USA kommt es pro Jahr zu etwa 500000 Motorbränden an Privatwagen. [6]
- In den USA kommt es pro Jahr zu etwa 100 Düsentriebwerksbränden an Flugzeugen. [6]
- In den USA kam es von 2009 bis 2018 zu rund 177 Bränden in Bergwerken unter Tage. [6]
Gemeint sind hier Brände, bei denen sich Flüssigkeiten wie Dieseltreibstoff, Benzin, Kerosin oder auch Pflanzenöle (corn oil) an heißen Oberflächen entzündet haben. Typische Wärmequellen sind zum Beispiel Reibungsprozesse, Auspuffanlagen oder heiße Motorenoberflächen. [6]
Bei solchen Fettbränden kann keine einzige Zündtemperatur angegeben werden. Der ganze Prozess wird als stochastisch beschrieben. Das heißt, man kann zuverlässige Mittelwerte für ähnliche Versuchsanordnungen angeben, aber keine zuverlässigen Zündtemperaturen für einen einzelnen Vorgang, ein Einzelereignis. Verschiedene, schwer messbare Faktoren wirken auf den ganzen Prozess ein: das Oberflächenmaterial, seine Rauigkeit (roughness), Form (geometry) und Größe (size) sowie auch die Umgebungstemperatur (ambient temperature), die Luftfeuchtigkeit (humidity) und der Zustrom von Luft (airflow). [6]
Wie genau solche Fettbrände entstehen, wie sie sich am Leben erhalten, wie groß sie werden oder wie sie wirksam gelöscht werden können ist ein aktives und großes Gebiet laufender Forschungen. Die Bedeutung geht weit über die Gastronomie und private Küchen hinaus in viele Bereiche von Industrie und Verkehr.
Fußnoten
- [1] Versuch vom 17. April 2026, (Amin Bouddounti, Kamal Eminli).
- [2] Wir verwendeten eine Kartusche mit 70 % Butan und 30 % Propan 👉 WH54 20250626 Inventar Labor-Gasbrenner
- [3] Es ist eher das Gas über der Flüssigkeit, das zündet: "When flammable liquids impinge on a hot surface and evaporate or boil, a mixture of flammable gases with the surrounding air will be formed. If the flammable gas concentration of this mixture reaches certain level, and the temperature of the mixture is above its auto-ignition temperature (AIT), the mixture will ignite." In: Tang W, Bahrami D, Yuan L, Thomas R, Soles J. Hot Surface Ignition of Liquid Fuels Under Ventilation. Min Metall Explor. 2022 May 4;39(3):961-968. doi: 10.1007/s42461-022-00609-w. PMID: 36061490; PMCID: PMC9434596.
- [4] Eine eindeutige Zündtemperatur kann nicht angegeben werden: "The results from the 900 ignition tests showed that the hot surface ignition of these liquid fuels is a probabilistic behavior and cannot be represented by a single ignition temperature." In: Tang W, Bahrami D, Yuan L, Thomas R, Soles J. Hot Surface Ignition of Liquid Fuels Under Ventilation. Min Metall Explor. 2022 May 4;39(3):961-968. doi: 10.1007/s42461-022-00609-w. PMID: 36061490; PMCID: PMC9434596.
- [5] "Ein Blick in die Statistik der letzten Jahre (2019 – 2023) belegt: Von durchschnittlich 562 Bränden pro Jahr im zivilen Bereich in Oberösterreich entfielen durchschnittlich 71 Brandgeschehen auf sogenannte „Fettbrände“ in Folge von Überhitzung und in Brand geratenes Speiseöl oder Fett. Diese führten zu einer Schadenssumme von rund 2,6 Mio. Euro. Es ist allerdings anzunehmen, dass die Dunkelziffer rund 50 Prozent höher liegt." In: KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit, Wien): Sicherheit im Haushalt: Welche Gefahren lauern in unseren Küchen? 29. November 2026. Online: https://www.kfv.at/kueche-fettbrand/
- [6] "As a typical fire accident in industrial process, the liquid fuel fire ignited by hot surfaces may pose a threat to process safety and environmental protection. Therefore, the ignition and burning characteristics on hot surfaces are investigated for different liquid fuels, including light crude oil, transformer oil, and corn oil." In: Zhenghui Wang, Jian Chen, Yueyang Yu, Depeng Kong: Experimental study on the ignition and burning characteristics of liquid fuels on hot surfaces. Process Safety and Environmental Protection. Volume 176, 2023, Pages 725-733. ISSN 0957-5820. Online: https://doi.org/10.1016/j.psep.2023.06.050
- [7] Online: Feuerwehr Spaichingen (nahe Schwäbischer Alb): Brandschutztipps für Fettbrände. Abgerufen am 28. April 2026. Online: https://www.ffw-spaichingen.de/über-uns/sicherheits-tipps/fettbrand/