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Paraffin

Chemie

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Basiswissen


Weiß, ölig weich und gut brennbar: Paraffin ist ein vielfältig einsetzbarer Stoff aus Erdöl, Braunkohle oder Torf hergestellt. Der Stoff ist hier näher vorgestellt. Auch eine Strandverseuchung mit Paraffin an der Nordsee ist hier kurz vorgestellt.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Man sieht eine schmale brennende Kerze.☛


Definition


Paraffin bezeichnet ein Gemisch aus acyclischen Alkanen (gesättigten Kohlenwasserstoffen) Paraffin ist leichtflüssig, ölig oder wachsartig, brennbar, geruch- und geschmacklos, ungiftig und elektrisch isolierend, wasserabstoßend, mit Fetten und Wachsen zusammenschmelzbar und gegenüber vielen Chemikalien reaktionsträge.

Verwendung


Die Verwendungsmöglichkeiten von Paraffin sind aufgrund seiner Eigenschaften und Ungiftigkeit sehr vielfältig. Die Haupteinsatzgebiete sind als Brennstoff, Versiegelung, Pflege und Konservierung. So wird es als Brennstoff zum Beispiel in Kerzen, Öllampen, im Paraffin-Herd, als Grillanzünder, beim Feuerspucken und Feuer-Jonglage, zum Tränken des Holzes von Streichhölzern oder als festes Treibmittel für Hybridraketen genutzt. Paraffine dehnen ihr Volumen um bis zu 10 Prozent beim Erhitzen aus. Siehe auch 👉 Volumenausdehnung

Löslichkeit


Paraffin schwimmt in großen Brocken bis kleinen Stückchen lange Zeit durch das Meer. An den Strand angespült wird es mit der Zeit krümelig klein, löst sich aber nicht auf. Paraffin ist ein unpolarer Stoff und löst sich entsprechend nur in unpolaren Lösungsmitteln:


In Öl
Ein einfacher Versuch zeigt, wie man Paraffin in Salatöl, zum Beispiel Sonnenblumenöl, auflösen kann. Man schneidet mit einem Messer ein kleines Stückchen Paraffin von einer Kerze aus diesem Stoff heraus. Man gibt das vielleicht ein Kubikzentimeter große Stückchen in vielleicht 20 oder 30 Milliliter Salatöl. Bei Raumtemperatur wird nichts geschehen. Das Paraffin bleibt im Öl als Klumpen erhalten. Erhitzt man aber das Öl, löst sich das Paraffin ganz daran auf. Man sieht nachher keine zwei Phasen mehr. Die Flüssigkeit, die Öl-Paraffin-Lösung wirkt vollkommen 👉 homogen

In Spiritus
Versucht man Paraffin ähnlich wie in Salatöl in Spiritus aufzulösen geschieht etwas Interessantes. Bei Raumtemperatur bleibt das Stückchen unverändert. Das war zu erwarten, da Spiritus polar ist. Erhitzt man den Spiritus aber, beginnt das Paraffin ab einer bestimmten Temperatur um die 60 °C zu schmelzen. Es löst sich dann aber immer noch nicht im Spiritus auf sondern bildet eine dicke Linse die auf dem Boden des leichteren Spiritus liegt. Kühlt der Spiritus ab, härtet das Paraffin wieder zu einem klumpigen Stückchen aus.

In Zahlen


  • Erstarrungstemperatur: 50 bis 62 Grad Celsius
  • Schmelztemperatur: 50 bis 60 Grad Celsius (Hartparaffin)
  • Schmelztemperatur: 45 Grad (Weichparaffin)

Chemische Formel


Paraffin ist ein Gemisch langkettiger Alkane mit der allgemeinen Formel CₙH₂ₙ₊₂, typischerweise etwa C₂₅H₅₂ bis C₃₅H₇₂.

Verwendung:


  • Streichhölzer
  • Zusatzstoff für Plastik [7]

Als Umweltgift


Paraffinwachse werden seit Jahrzehnten in großer Menge an den Stränden der niederländischen und deutschen Nordseeküste angespült. Es wurde berichtet, dass etwa Hunde durch die Aufnahme des Substanzgemisches zu Tode gekommen seien. [11] Auch sterben dadurch oft tausende von Vögeln. [9] Beispielhaft wird eine Paraffinpest am Nordseestrand der Insel Wangerooge aus dem Jahr 2025 kurz vorgestellt. Siehe dazu unter 👉 Paraffinpest (Wangerooge)

Fußnoten


  • [2] Der NDR berichtete schon im Mai 2025 über Anspülungen auf mehreren Inseln: "Juist, Norderney, Borkum: Weiße Klumpen am Strand angespült". Und: "Bei den angespülten wachsartigen Klumpen handelt es sich laut der Inselgemeinde Juist um Paraffin, also um Erdölprodukte, die unter anderem zur Herstellung von Kerzen oder Kosmetik verwendet werden." Es wird weiter berichtet, dass auf Juist Klumpen von bis zu 10 cm Größe angespült worden seien. Bis Mitte Mai seien insgesamt anderthalb Kubikmeter auf den Inseln angespült worden. Die Gefährdung wird wohl als eher gering eingestuft: "Reines Paraffin wird nicht als wassergefährdend eingestuft - Industrieparaffine können hingegen giftige Begleitstoffe enthalten. Die Chemikalien werden nach Angaben des Nationalparks Wattenmeer in flüssiger Form in Tankschiffen transportiert. Der Polizei zufolge könnte es sein, dass das Paraffin beim Reinigen eines Schiffstanks ins Wasser gelangt ist. Es müsse nicht unbedingt illegal entsorgt worden sein, so die Polizei." Kuriosität: der NDR berichtet auch, dass eine Urlauberin im Sommer 2024 eine Tonne Kokain am Strand von Borkum gefunden hätte. In: In: Norddeutscher Rundfunk (NRD). 23.05.2025. Online: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Inseln-Juist-Norderney-Borkum-Weisse-Klumpen-am-Strand,juist546.html
  • [5] "Die Nordsee spült an mehreren ostfriesischen Inseln wachsartige Klumpen an. Die Behörden untersuchen nun, um was für einen Stoff es sich handelt." Laut NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) "seien die Mengen aber insgesamt gering". Möglicherweise sei diese Form der Umweltverschmutzung sogar legal: "Öl- und Chemikalienreste von Schiffen werden teils auf der Nordsee entsorgt, indem etwa Rückstände aus Schiffstanks gewaschen werden. Für das Einleiten von Paraffinen gelten seit Anfang 2021 striktere Regeln - ein komplettes Verbot gibt es jedoch nicht." In: Tagesblatt.de am 25. Juli 2025. Online: https://www.tageblatt.de/Nachrichten/An-Inseln-angespuelte-Klumpen-werden-im-Labor-analysiert-673257.html
  • [6] Persönliche Antwort vom 6. August 2025 auf eine Mail von mir, versendet vom Aufgabenbereichsleiter "Küste, Schadstoffunfallbekämpfung" des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.
  • [7] Paraffin wird vor allem auch als Grundstoff für Verpackungen benötigt, Tendenz steigend: "The global production of industrial waxes currently amounts to 4.79 million tons, with a market size valued at 6.7 billion USD and an expected annual growth of 1.5–2%, driven mainly by increasing demand for single-use packaging applications" In: Suaria, G., Aliani, S., Merlino, S., & Abbate, M. (2018). The Occurrence of Paraffin and Other Petroleum Waxes in the Marine Environment: A Review of the Current Legislative Framework and Shipping Operational Practices. Frontiers in Marine Science, 5, 94. https://www.frontiersin.org/journals/marine-science/articles/10.3389/fmars.2018.00094/full
  • [8] Paraffine als Reste aus Schiffstanks: "To be loaded or discharged in liquid form, certain products must be kept at temperatures above their melting point and to do so, vessels are often equipped with cargo heating coils. After unloading, certain amounts of product will typically remain on the bottom of the cargo tanks or crystallize against the bulkheads and interior equipments, forming the so-called “stripping” residuals. Unrefined crude oils, also contain substantial amounts of paraffin waxes, which being highly viscous, tend to crystallize and adhere to pumps, piping, and tank walls during loading and unloading operations—a phenomenon known as “clingage”, causing every year losses of billions of dollars to the petroleum industry." Pro Tank liege die Größenordnung bei einigen hunderten Litern: "The amount of these residuals is generally in the order of a few hundred liters per tank". Suaria, G., Aliani, S., Merlino, S., & Abbate, M. (2018). The Occurrence of Paraffin and Other Petroleum Waxes in the Marine Environment: A Review of the Current Legislative Framework and Shipping Operational Practices. Frontiers in Marine Science, 5, 94. https://www.frontiersin.org/journals/marine-science/articles/10.3389/fmars.2018.00094/full
  • [9] Bei einem Vorfall seien von einem einzelnen Schiffstank 8 Tonnen Paraffin in die See gelangt. Bei einem anderem Vorfall konnte die Anzahl so getöteter Vögel auf etwa 2000 abgeschätzt werden. Das Paraffin beeinträchtigt vor allem das Gefieder der Tiere. In: Dahlmann, G., Timm, D., Averbeck, C., Camphuysen, C., Skov, H., and Durinck, J. (1994). Oiled seabirds – comparative investigations on oiled seabirds and oiled beaches in the Netherlands, Denmark and Germany (1990–1993). Mar. Pollut. Bull. 28, 305–310.
  • [10] van Franeker, J. A., and Meijboom, A. (2002). LITTER NSV, Marine Litter Monitoring by Northern Fulmars; A Pilot Study. Technical report, Green World Research, Alterra-rapport 401, Wageningen, Alterra.
  • [12] "Weiße Paraffine sind gereinigter Rohstoff, entsprechen in der Konsistenz Kerzenwachs, und stammen aus der Reinigung von Transporttanks von Chemiefrachtern, die Paraffin befördert haben. Restmengen von den Tankwänden werden teils abgeschlagen, teils mit Heißwasser und mutmaßlich Reinigungszusätzen von den Tankwänden entfernt, um die Tanks für andere Ladungen zu reinigen." Sowie. "Paraffin wird teilweise z. B. von Möwen und Fischen als Nahrung betrachtet und gefressen/angepickt. In der Sommersonne schmelzen Paraffinbrocken und fließen dann in die Vegetation und die Pflanzendecke. Die biologische Abbaudauer ist nicht untersucht, wird aber je nach Fleckgröße Monate bis Jahre betragen." In: Schutzstation Wattenmeer (o. J.). Paraffin in den Meeren – Position der Schutzstation Wattenmeer. https://www.schutzstation-wattenmeer.de/naturschutz/position-der-schutzstation-wattenmeer/paraffin/
  • [13] Zur Verwendung: "Fast die Hälfte des weltweiten Umsatzes wird für die Herstellung von Kerzen verwendet. Weitere wichtige Anwendungen von Paraffinwachsen sind Beschichtungen für Holz, Papier und Verpackungen, der Einsatz in Kosmetika und Arzneimitteln sowie die Verwendung als Weichmacher und Bindemittel." Und zur Reinigung: "Paraffinwachse werden als flüssiges Massengut mit beheizten Tankschiffen über den Seeweg transportiert. Nach der Entladung werden die Tanks mit Wasserdampf, Heißwasser oder chemischen Lösungsmitteln gereinigt. Bis vor kurzem war es zulässig, mit Ladungsresten beladenes Abwasser während der Fahrt unter Wasser außerhalb der 12-Seemeilen-Zone ins Meer einzuleiten" In: *Quelle: Wei, H. (2012) | Bildnachweise: Titelbild (M. Ludwig, NSG-Sylt); Probenahme mit Schleppnetz (K.Wuttig, BSH) Fact Sheet - Paraffinwachse in der Meeresumwelt © 2023 vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist lizensiert unter CC BY-NC-ND 4.0 Stand 12/2023. Online: https://www.bsh.de/download/Fact_Sheet_Paraffinwachse.pdf
  • [15] Ministerie van Infrastructuur en Milieu (2017). Antwoorden op Kamervragen over paraffinevervuiling aan de Nederlandse kust (Aanhangsel Handelingen 2016–2017, nr. 2635). Overheid.nl.
  • [16] Blumer, M., Ehrhardt, M., and Jones, J. (1973). The environmental fate of stranded crude oil. Deep Sea Res. Oceanogr. Abstr. 20, 239–259.



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