Kautschuk
Physik
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Definition
Kautschuk ist ein natürlicher Rohstoff aus der Rinde von Bäumen. [1] Seit den 1820er Jahren wurde er zur Herstellung wasserdichter Kleidung verwendet. [2] Bis 1900 hatte sich dann eine internationale stark arbeitsteilige Industrie zur Weiterverarbeitung entwickelt. [3] Der reine Kautschuk ist bei mittlerer Temperatur sehr elastisch, bei 0° fast unelastisch, aber nicht brüchig, bei 50° wird er weich; in Wasser und Alkohol ist er unlöslich, in Äther, ätherischen Ölen, Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Petroleum, Benzin quillt er stark und löst sich teilweise. Seine Dichte liegt bei 0,925. [4] Kautschuk ist der Rohstoff für 👉 Gummi
Fußnoten
- [1] Speziell die Materialigenschaften: "Kautschuk, Caoutchouc, Federharz. (gummi elasticum) ist der an der Luft geronnene Milchsaft verschiedener Gewächse, kommt größtentheils aus Amerika zu uns, und wird meist von Siphonia elastica, dem Federharzbaume, einheimisch in den Wäldern von Guiana und zur Familie der Euphorbiaceen gehörig, gewonnen, ein Harz, ausgezeichnet durch Elasticität u. Unauflöslichkeit im Weingeist [...] Die schwarze Farbe des K. rührt meist vom Trocknen im Rauche her. Das K. schmilzt bei 100°R., behält aber nach dem Erkalten eine theerartige Consistenz. Eigentliche Auflösungsmittel des K. gibt es nicht; was gewöhnlich K.-Auflösung genannt wird, ist eigentlich nur eine seine Vertheilung des K. in Flüssigkeiten, wie Aether. ätherische Oele u.s.w. Das K. schwillt darin außerordentlich auf, wird gallertartig u. zergeht zuletzt darin zu einer scheinbaren Auflösung, welche aber bei Verdunstung der Flüssigkeit das K. mit allen seinen früheren Eigenschaften wieder zurückläßt. Am leichtesten u. schnellsten gelingt dieses in den sog. empyreumatischen Oelen. wie Steinöl, Tannenzapfenöl, Terpentinöl u.a.m. Zur Auflösung des K. zu technischen Zwecken müssen die dazu zu verwendenden ätherischen Oele durch Destillation mit Wasser erst rectificirt sein, weil die Präparate sonst nach einiger Zeit klebrig, endlich spröde und brüchig werden. Terpentinöl, Kienöl, Steinkohlentheeröl, in neuerer Zeit auch das K. öl selbst sind die zu solchem Behufe am vortheilhaftesten zu verwendenden Auflösungsmittel. Bekanntlich wird die auf diese Weise erhaltene K. masse zum Wasserdichtmachen von Zeugen, zur Verfertigung von allerhand, namentlich chirurgischen Instrumenten, zu K.-Ballons, Platten. Röhren, u. zur Bereitung von Firniß und K. öl verwendet. In England werden neuerdings K. pflaster in Pferde- und Rindviehstallungen sehr empfohlen, wozu Platten von 1/2'' Stärke verwendet und die Fugen dazwischen mit flüssiger K. masse vergossen werden. K. zu schneiden gelingt mit einem naßgemachten Messer ganz leicht. ohne diesen Kunstgriff aber nur schwer." In: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 572-573. Online: http://www.zeno.org/nid/20003397289
- [2] Zur Geschichte: "Die Verarbeitung u. Anwendung des K. war den Eingebornen von Ostindien u. Südamerika schon längst bekannt, in Europa aber war die Kenntniß des K. bis Mitte des 18. Jahrh. noch sehr unvollkommen. De la Condamine sandte ums Jahr 1740 eine größere Quantität K. aus Südamerika nach England, die Anwendung blieb aber nur eine beschränkte, bis 1823 der Schotte Mackintosh die Bereitung wasserdichter Kleiderstoffe erfand. Seitdem hat sich die Kautschukindustrie bes. in Nordamerika u. England immer mehr vervollkommnet, u. schon 1842 betrug in England die Einfuhr von K. gegen 800,000 Pfund." Der hier zitierte Artikel ist im Original sehr viel länger, mehrere Seiten, in: Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 399-401. Online: http://www.zeno.org/nid/20010223312
- [3] Zur Verwendung: "Die großen Industriezentren liefern vorzugsweise spezifische Artikel. Nordamerika vor allem erzeugt in unübertroffener Weise Hartgummiwaren und technische Objekte, England die wasserdichten Stoffe, Frankreich Gummipuppen, Bälle und Ballons, Deutschland und Oesterreich produzieren ausgezeichnete Velozipedreifen und Kautschukpuffer, Rußland die besten Gummischuhe [18]. Die Fahrrad- und Automobilindustrie verbraucht gegenwärtig wohl die gewaltigsten Mengen von Kautschuk. Umfangreich ist auch die Produktion von Pfropfen, Röhren, Luftkissen, elastischen Bändern und Trägern, des Hartkautschuks zu Kämmen, Trauerschmuck, Tassen, chirurgischen Spritzen u.s.w. In der Pharmacie dient Kautschuk zu Pflastern." Der gesamte hier zitierte Artikel ist im Original sehr viel umfangreicher. In: Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 412-416. Online: http://www.zeno.org/nid/20006056687
- [4] Zu den physikalischen Eigenschaften: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 952. Online: http://www.zeno.org/nid/20001245457
- [5] "Kautschuk ist der Rohstoff, Gummi das daraus durch Vulkanisation entstandene Endprodukt, und Elastomer die übergeordnete Werkstoffklasse elastischer Polymere." In: Glossar der Firma GUME GmbH aus Ostermünchen. Abgerufen am 16. Dezember 2025. Siehe auch 👉 Gummi