Archetyp
Psychologie
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Definition
Archetyp heißt zunächt so viel wie ein Urbild [1] oder Urform [2], im Druckwesen auch Urschrift [3]. In der Psychologie, speziell nach dem schweizer Psychologen C. G. Jung [7], ist ein Archetyp ein zunächst gestaltlose und unbewusst Struktur, die sich in Form von Gestalten aus Märchen, Träumen, Phantasien oder Wahnbildern eine Form geben kann. In den Archetypen, so Jung, drücken sich überindividuelle Erfahrungen der biologischen Art aus. [5] Eine Kritik an Jungs Darlegug ist, dass er nirgends auf die materielle Grundlage dieser Archetypen eingeht. [6] Nirdgend in seinem Werk diskutiert er, ob sie etwa in Gehirnstrukturen, in der Erbinformation oder als physikalischen Feld in Raum und Zeit existieren.
Fußnoten
- [1] "Archĕtyp (v. gr.), 1) Urbild; 2) das Original von Kunstwerken, die Urschrift, Originalhandschrift von Büchern; in früher Zeit wurde damit große Liebhaberei getrieben, vgl. Autograph; 3) erster Druck; 4) (Theos.), Urbild, das Princip, nach welchem das Metall u. alle einzelnen Körper geschaffen sein sollen. Daher archetypisch, urbildlich." In: Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 669. Online: http://www.zeno.org/nid/20009395717
- [2] "Archetyp: Urbild, Urform. »Mundus archetypus« = die Welt der Urbilder, der Muster der Dinge, der Ideen" In: Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 76. Online: http://www.zeno.org/nid/20001780921
- [3] "Archetȳp (grch.), Urbild; Urschrift; auch erster Druck." In: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 92. Online: http://www.zeno.org/nid/20000914703
- [4] "A.en sind nach C. G. Jung kollektiv-unbewusste Strukturen (Unbewusste), die sich als Niederschlag von Erfahrungen gebildet haben, die der Mensch im Laufe seiner Gattungsgeschichte in gleichbleibender Form wiederholt gemacht hat." Solche archetypischen Motive seien etwa der "Kampf mit dem Bösen", die "Suche nach Erlösung" oder auch die "Beziehung zu Vater/Mutter". Archetypen fnden einen Ausdruck in "Mythen und Märchen", in "Religionen", in "individuellen Träumen", "Phantasien" oder auch "Wahnbildungen". In: der Artikel "Archetyp". Metzler Philosophie Lexikon. Herausgegeben von Peter Prechtl und Franz-Peter Burkard. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart, Weimar, 1999. ISBN: 3-476-01679-X.
- [5] Möglicherweise ist die Angst vor Gebilden ähnlich wie Spinnen eine überindividuell in unserem Erbgut angelegte Urangst. Kleinkinder im Alter von 6 Monaten zeigen deutliche Anzeichen von Stress, wenn man ihnen Bilder von Spinnen oder Schlangen zeigt. Bilder von anderen gefährlichen Tieren bringen keine solche Reaktion hervor. Eine Vermutung ist, dass es möglicherweise Zehnermillionen von Jahren dauert, bis sich solche archetypischen Strukturen ausbilden. In: Stefanie Hoehl et al.: Itsy Bitsy Spider…: Infants React with Increased Arousal to Spiders and Snakes. Front. Psychol., 18 October 2017. Online: https://doi.org/10.3389/fpsyg.2017.01710
- [6] Was ist die materielle Grundlage: "To provide empirical support for Jungian archetypes and the collective unconscious would require systematic empirical research and scientific rigour. One way of doing this could be to provide neural correlates of archetypes. For example, are archetypes like the Child, the Mother, the Anima, and the Animus correlated with distinct brain activity?" In: Sam Woolfe: A Critical Analysis of Jung’s Theory of Archetypes. 19. August 2024. Eigener Blog des Autoren. Online: https://www.samwoolfe.com/2024/08/jungian-archetypes-collective-unconscious-unscientific.html
- [7] "A more or less superficial layer of the unconscious is undoubtedly personal. I call it the personal unconscious. But this personal unconscious rests upon a deeper layer, which does not derive from personal experience and is not a personal acquisition but is inborn. This deeper layer I call the collective unconscious. I have chosen the term “collective” because this part of the unconscious is not individual but universal; in contrast to the personal psyche, it has contents and modes of behaviour that are more or less the same everywhere and in all individuals. It is, in other words, identical in all men and thus constitutes a common psychic substrate of a suprapersonal nature which is present in every one of us." In: C. G. Jung: Über die Archetypen des kollektiven Unbewussten. Von den Wurzeln des Bewusstseins. Rascher, Zürich. 1954. Siehe auch 👉 kollektives Bewusstsein