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Solarbratversuch

Ernüchternd

© 2026




Grundidee


Man kann Eier schon bei Temperaturen weit unter 100 °C garen [1]. Ab 56 °C soll sich die Proteine des Eigelbs schon ändern. [2] Was dabei chemisch passiert ist aber noch nicht gut verstanden. [3] Die Methode wird zunehmend in der Gastronomie eingesetzt. [4] In dem Solarbratversuch geht es darum, Eier auf einer alleine durch die Sonne aufgeheizten Platte zu braten. Dabei werden keine optischen Hilfsmittel wie Brenngläser oder Spiegel verwendet. Erste Pilotversuche sind ernüchternd.

Videos




Kann man aus einem rohen Ei ein gebratenes Spiegelei machen, wenn man es in der prallen Mittagssonne auf eine aufgeheizte Schieferplatte von 70 °C bis 80 °C gibt? Das Resultat lässt daran zweifeln. Und es sieht ganz sicher wenig appetitlich aus.



Hier war die Idee, ein rohes Ei durch Schwärzung mehr Sonnenenergie absorbieren zu lassen. Doch auch mit diesem Versuch gelang kein akzeptables Ergebnis: das Ei wurde auch nach zwei Stunden in der Sonne auf dem Höhepunkt einer Juni-Hitzewelle nicht fest. [10]

Motivation & Nutzen


Lebensmittel bei geringen Temperaturen garen zu können, kann ganz unterschiedliche Vorteile bringen. Hier sind einige Beispiele aufgelistet.

  • Bei 100 °C gekocht, springt die Schale von Eiern oft, was in der Gastronomie durchaus als Problem erwähnt wird. Bei ausreichend niedrigen Temperaturen springt die Schale nicht.
  • Bei niedrigen Temperaturen gegarte Lebensmittel erhalten oft gewünschte Inhaltsstoffe, die sich bei höheren Temperaturen zersetzen würden. [5]
  • In der Nahrungsmittel-Industrie fällt viel Prozesswärme an, die oft ungenutzt bleibt, etwa beim Blanchieren und Pasteurisieren sowie vielen Kochprozessen. [6] Diese Wärme könnte theoretisch zum Garen genutzt werden.
  • Niedrige Temperaturen stellen weniger Gefährdung für Menschen im Betrieb dar, etwa keine Gefahr durch Verbrühen.
  • Niedrige Temperaturen heizen Räume nicht zusätzlich so stark auf wie Kochverfahren bei höheren Temperaturen oder längeren Garzeiten mit aktiver Energiezufuhr. [8]
  • Garverfahren mit sehr niedrigen Temperaturen können auch im Fall eines Zusammenbruchs technologischer Infrastruktur (Prepper-Gedanke [7]) genutzt werden).

Der Solarbratversuch bietet einen Ausgangspunkt, um mit einfachen Mittel Methoden zum Garen bei niedrigen Temperaturen zu testen. Die bisherigen Pilotversuche sind jedoch ernüchternd.

Eier braten


Am 26. Juni 2026 wurde ein rohes Ei auf eine fast 80 °C heiße, mattschwarze Schieferplatte gegeben. Die Temperatur wurde mit einem Infrarot-Thermometer gemessen. Flüssigkeitsthermometer zeigten für die Luft direkt oberhalb der Platte rund 50 °C Lufttemperatur an. Vor allem die heiße Platte hätte zu einer Gerinnung von Eiweiß führen können. Dennoch war das Ergebnis zweifelhaft.

  • Beim Aufschlagen schien ein sehr kleiner Teil des Eiweißes sofort zu gerinnen.
  • Das Eiweiß wechselte an wenigen Stellen von Transluzenz in hell weiße Undurchsichtigkeit.
  • Sowohl Eiweiß wie auch Eigelb waren ein bis zwei Stunden später recht fest.
  • Es bleibt unklar, ob das Ei lediglich ausgetrocknet oder wirklich geronnen ist.

Am 27. Juni, dem Höhepunkt einer Juni-Hitzewelle in Aachen, wurden je ein Ei auf zwei verschiedenen heißen schwarzen Metallflächen aufgeschlagen. Obwohl sich beide Flächen zur Zeit des höchsten Tagesstandes der Sonne mit den Fingern extrem heiß anfühlten, war kein Gerinnungseffekt zu erkennen. Auch zwei Stunden später, gegen 15.20 Uhr, wirkten die beiden Eier noch recht flüssig.

Eier garen


Wie kann man Eier bei niedrigen Temperaturen von vielleicht 60 bis 65 °C in der Schale garen? Diese Frage wird wissenschaftlich behandelt [1] [2]. Entsprechende Verfahren werden schon in der Gastronomie eingesetzt. [4] In einem ersten Pilotversuch auf dem Höhepunkt der Juni-Hitzewelle von 2026 wurde ein einseitig geschwärztes Ei um 12.45 Uhr in die pralle Sonne gestellt. Ein Kochthermometer zeigte über einer dunklen Metallfläche auf dem Boden eine Lufttemperatur von 40 °C Celsius an. Ob es eine Garprozess gegeben hat, wird über einen Taumelversuch [6] zerstörungsfrei geprüft.

  • Weißes Hühnerei, halbseitig schwarz mit Filzstift angemalt.
  • Taumelversuch: ein kippt als Kreisel rotiert sofort um -> Inneres ist noch flüssig
  • Um 12.45 Uhr in die pralle Sonne gelegt, 27. Juni 2026 (Hitzewelle)
  • Um 15.15 Uhr: das Ei kippte beim Taumel-Test noch immer sofort um.

Auch hier ist wie bei dem Versuch Eier in der Sonne zu braten das Ergebnis enttäuschen. Auch nach zwei Stunden in der brutalen Mittagssonne während einer Hitzewelle war das Ei laut Taumel-Test im Inneren nicht fest.

Bedeutung für die Biologie


Das Video zu den aufgeschlagenen Eiern auf einer Schieferplatte zeigte, dass Eiweiße in ganz natürlich entstandener Hitze schon gerinnen können. Geronnene Eiweiße, in der Biologie nennt man sie auch Proteine, sind aber für den Körper meist nicht mehr zu gebrauchen. Die gewünschte Funktion eines Proteins hängt eng mit seiner Form zusammen. [11] Und gerinnen heißt vor allem auch eine Veränderung der Form. Man spricht passenderweise auch von einer Denaturierung als Synonym für das Gerinnen.

Um dem traurigen Schicksal der geronnenen Proteine der Hühnereier zu entgehen, müssen lebende Organismen also geeignete Strategien entwickeln.

Wechselwarm
Insekten, Amphibien und Reptilien können ihre Körpertemperatur nur sehr schlecht regulieren. Bei Kälte erstarren ihre Lebensregungen oft recht schnell. Und bei zu viel Hitze müssen sie kühlere Plätze aufsuchen. Ein Vorteil dieser Strategie ist es, dass diese Tiere keine Energie aufwenden müssen, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Sie kommen mit entsprechend sehr viel weniger Nahrung aus als vergleichbar große Säugetiere. Ein Insekt, Amphibium oder Reptil ist ein 👉 wechselwarmes Tier

Gleichwarm
Säugetiere haben Methoden entwickelt, auch bei Kälte oder Hitze die Temperatur im Inneren ihres Körpers in gewissen Grenzen zu halten. Bei Kälte erzeugen sie durch Verbrennungsprozesse Wärme. Bei Hitze nutzen sie vor allem den Effekt der Verdunstungskühle. Hunde und Füchse zum Beispiel verdunsten Flüssigkeit durch Hecheln. Pferde und Menschen haben eine größere Anzahl an Schweißdrüsen, mit denen sie sich befeuchten und so Verdunstungskühle erzeugen. Ein Pferd oder auch der Mensch ist biologisch gesehen ein 👉 gleichwarmes Tier

Einzeller
In Geysiren, heißen Komposthaufen und an untermeerischen heißen Rauchern kann man einzellige Lebewesen finden, die mit deutlich mehr als 100 °C auch für längere Zeit gut zurecht kommen. [12] Man spricht von Thermophilie, wörtlich einer Liebe zur Hitze (wie Philosophie die Liebe zur Weisheit ist). Wie schützen thermophile Lebewesen ihre Proteine gegen eine Denaturierung? Es gibt keinen einzelnen Mechanismus. Stattdessen gibt es eine Anzahl von Anpassungen auf molekularer Ebene, die die Proteine von Thermophilen immun gegen höhere Temperaturen macht. [13]

Fazit



TO-DO:

Könnte man geschlossene Behälter bauen, die in der prallen Mittagssonne Temperaturen von 60 °C bis 70° in ihrem Inneren erzeugen? Und könnte man mit diesen Kisten ohne weitere optische Hilfsmittel Eier braten wie ein Spiegelei oder in der Schale garen wie ein Frühstücksei? Würde vielleicht ein umgedrehter dunkler und matter (keine Reflexion) Kochtopf als Wärmefalle genügen?


Fußnoten


  • [2] "egg yolk [%] follows typical gelation kinetics found in many globular proteins and that it can develop structure at temperatures as low as 56 °C [%] yolk texture is dictated by time/temperature combinations. [%] The energy of activation of these processes was ∼470 kJ mol⁻¹". In: In: César Vega, Ruben Mercadé-Prieto: Culinary Biophysics: on the Nature of the 6X°C Egg. Food Biophysics (2011) 6:152–159 DOI 10.1007/s11483-010-9200-1. Online: https://anergkitchen.wordpress.com/wp-content/uploads/2015/08/culinarybiophysics.pdf
  • [3] "Shell-on eggs cooked by immersion in water at low and constant temperatures (∼60–70 °C) yield yolks with very particular textures. Structure development in such unique cooking conditions is far from understood." In: César Vega, Ruben Mercadé-Prieto: Culinary Biophysics: on the Nature of the 6X°C Egg. Food Biophysics (2011) 6:152–159 DOI 10.1007/s11483-010-9200-1. Online: https://anergkitchen.wordpress.com/wp-content/uploads/2015/08/culinarybiophysics.pdf
  • [4] Köche verwenden spezielle Geräte (temperature-controlled water cirulators), um Eier in ihren Schalen bei Temperaturen zwischen 60 °C bis 70 °C zu garen. Dabei beträgt die Garzeit oft eine Stunde. In der Gastronomie spricht man von 6X°C-Eiern. Das X deutet an, dass die Einerstelle von den Köchen variabel gehandhabt wird. Üblich sind Werte von 0 bis 5. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist es, dass die Eier beim Garen nicht platzen, wie beim Klassischen Kochen bei 100 °C. Man spricht von einem wissenschaftlich unterstützten Koche, einem "science-assisted cooking". Sinngemäß in: César Vega, Ruben Mercadé-Prieto: Culinary Biophysics: on the Nature of the 6X°C Egg. Food Biophysics (2011) 6:152–159 DOI 10.1007/s11483-010-9200-1. Online: https://anergkitchen.wordpress.com/wp-content/uploads/2015/08/culinarybiophysics.pdf
  • [5] Vitamin C (Ascorbinsäure) – Antioxidans, bleibt bei 70 °C zu ~50–70 % erhalten, wird bei 100 °C fast vollständig zerstört. Enzyme (z. B. Myrosinase in Brokkoli) – aktivieren bioaktive Pflanzenstoffe (z. B. Sulforaphan), denaturieren ab ~70–80 °C. Glucosinolate (in Kohlgemüse wie Brokkoli, Blumenkohl) – sekundäre Pflanzenstoffe mit krebshemmender Wirkung, bleiben bei 70 °C stabil, zerfallen bei 100 °C. Probiotika (z. B. Milchsäurebakterien in Joghurt) – lebende Kulturen, überleben 70 °C teilweise, werden bei 100 °C abgetötet.
  • [6] Luo, Y.; Jagtap, S.; Trollman, H.; Garcia-Garcia, G. A Framework for Recovering Waste Heat Energy from Food Processing Effluent. Water 2023, 15, 12. https://doi.org/10.3390/w15010012
  • [7] Walter Dold: Das Prepper Handbuch. Krisen überleben. Pietsch, Stuttgart 2016. ISBN 978-3-613-50822-4.
  • [8] Küche nicht unnötig aufheizen: Eine in Österreich entwickelte, gut isolierte Kochkiste reduziert die Kochzeiten von z. B. Reis auf eine Minute. Der Garprozess läuft dann innerhalb der Kiste mit der Resttemperatur weiter. "Ein weiterer Vorteil der Kiste ist, dass man auch im Sommer Eintöpfe oder Bohnen schmoren kann, ohne die Küche unnötig aufzuheizen." In: Die Kochkiste - Kochen ohne Strom und Gas. DIE UMWELTBERATUNG, Wien (Österreich). Abgerufen am 27. Juni 2026. Online: https://www.umweltberatung.at/die-kochkiste-kochen-ohne-strom-und-gas
  • [9] Rohe Eier kann man nicht wirklich erfolgreich in eine Rotation andrehen, gekochte Eier hingegen schon. Siehe dazu den Artikel zum 👉 Eier-Dreh-Versuch
  • [10] Das halbseitig geschwärzte Ei wurde in dem kleinen Ort Vaals in einem Garten der Sonne ausgesetzt. Die Bodentemperatur lag einige Zentimeter unter der Oberfläche bei 40 °C. Das mag eine Idee von der Gluthitze des Tages geben. Der 27. Juni 2026 war der Höhepunkt einer überraschend frühen Hitzewelle, die im Juni ganz Westeuropa erfasst hatte.
  • [11] "Schnelle Temperaturanstiege verändern die dreidimensionale Struktur von Proteinen und beeinträchtigen ihre Funktion in den Zellen. Als Reaktion auf einen Hitzeschock stoppen die Zellen sofort die Proteinproduktion und stellen stattdessen „Erste-Hilfe“-Proteine her." Sinngemäß in: "Christine Desroches Altamirano, Moo-Koo Kang, Mareike A. Jordan, Tom Borianne, Irem Dilmen, Maren Gnädig, Alexander von Appen, Alf Honigmann, Titus M. Franzmann, Simon Alberti: eIF4F is a thermo-sensing regulatory node in the translational heat shock response. Molecular Cell (May 2024). Online: Link: https://doi.org/10.1016/j.molcel.2024.02.038
  • [12] Zu Thermophilen, hitzeliebenden Einzellern: Lovley, D. & Kashefi, K. (2003): Extending the upper temperature limit for life. In: Science. Bd. 301, S. 934–524. PMID 12920290
  • [13] "No single mechanism is responsible for the remarkable stability of hyperthermophilic enzymes. Increased thermostability must be found, instead, in a small number of highly specific alterations that often do not obey any obvious traffic rules." In: Vieille C, Zeikus GJ2001.Hyperthermophilic Enzymes: Sources, Uses, and Molecular Mechanisms for Thermostability. Microbiol Mol Biol Rev65:. Online: https://doi.org/10.1128/mmbr.65.1.1-43.2001



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