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Saline Wangerooge

Physik

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Basiswissen


Von 1832 bis 1855 war auf der Nordseeinsel Wangerooge eine gewerbliche Saline zur Gewinnung von Kochsalz in Betrieb. Wesentliche Rohstoffe wie Steinsalz und Steinkohle wurde dabei aus England importiert und mit dem Salz des Meeres von Wangerooge angereichert. Gründe für den Niedergang dürften das Salzmonopol des Landes Oldenburg und schlechte örtliche Gegebenheiten, vor allem ein Mangel an Brennstoff und angereicherter Sole gewesen sein. Heute erinnert ein Restaurant mit dem Namen Saline an diese Vergangenheit.



Bildbeschreibung und Urheberrecht
Die Saline in einer Ansicht von 1852: man sieht das Gradierwerk sowie verschiedene Betriebsgebäude. Der Ort Wangerooge lag damals, vor der großen Sturmflut von 1855, noch im heutigen Westen der Insel. © Unknown ☛


Rohstoff Salzwasser


Das Wasser der Nordsee wird in einer zeitgenössischen Darstellung mit einem Salzgehalt von 3 bis 4 % als wenig vorteilhaft mit den Solen aus festländischen Bohrungen verglichen. Salzwerke bei Minden würden eine Sole mit 4 % liefern, was nicht viel mehr ist. Das Tote Meer aber hätte 24 %, genauso wie eine Sole, die in Lünebürger Heide gewonnen werde. [1, Seite 135]

Anlagenteile


  • Saline an sich seit 1832 [1]
  • Wohnung des Fabrikherrn [1]
  • Häuser und Hütten als Magazine [1]
  • Eine komplette Schmiede [2]
  • Werkstätten für die Dampfmaschine (zum Betrieb der Pumpen) [1]
  • Glühöfen für die Siedepfannen [1]
  • Pumpen und Wasserleitung, um Seewasser auf das Betriebsgelände zu bekommen [1]
  • Pumpen und Wasserleitungen, um Seewasser auf die Höhe des Gradierwerks zu fördern [1]
  • Ein 20 Meter langes und 10 Meter hohes Gradierwerk aus Holzrippen und Dornhecken, erbaut 1842 [1] [2]
  • Bassins [2] und Küpen zum "Sammlung von Gewässer" und zur "Auflösung des Steinsalzes" [1]
  • Eine Dampfmaschine mit 8 PS, die aber überdimensioniert ist. [1]

Betrieb


Die Saline wurde nicht im Winter betrieben [1, Seite 135] Das Meerwasser wird dreimal durch die Dornhecke des Gradierwerkes herabrieseln gelassen. Pumpen fördern es dazu auf die Höhe des Gradiewerks. Mit jedem Herabrieseln verdunsten Wasser. Dadurch fallen unerwünschte Bestandteile bereits an der Dornenhecke aus. Gleichzeitig nimmt der Salzgehalt (die Salinität) zu. Nach drei Durchgängen wird die Sole in Bassins geleitet, wo dann das aus England importierte "Klippsalz" zugegeben und aufgelöst wird. Dann wird die Flüssigkeit zum "Glühofen" und zu den "Glühröhren" geleitet, wo ihm die "Höllenqual des Siedens in der Siedepfanne naht". In den Siedepfannen kristallisiert das Kochsalz als "schneeweißes Salz" [1, Seite 136]

Ursprünglich habe man noch eine "andere chemische Fabrik" betrieben, in der man "Substanzen des Meerwassers und des Klippsalzes sammelte". Beispielhaft genannt werden etwa Glaubersalz, Jod und Brom. Doch wurde dieser Betrieb wegen mangelnder Rentabilität eingestellt. [1, Seite 136]

Wirtschaftiches Auf und Ab


Spekulation

Der Bau des Gradierwerk wird als Werk des "schwindelnden Kaufmanns Renken in Oldenburg" dargestellt. [1, Seite 136] Der Betrieb der Saline sei unrentabel, weil konkurrierende Salinen "reichere Solen", "Arbeiter um einen geringeren Lohn" und auch sonstige "Gegenstände zum Betriebe einer Fabrik" billiger haben könnten. Dennoch sei es Renken gelungen, den "Großherzog" (aus Oldenburg) sowie "den Prinzen Peter in Rußland" zum Verleihen größerer Mengen an Geld zu bewegen. Letztendlich wurde die Saline aber verkauft, und der Großherzog "erlitt noch manche Verluste". Gekauft wurde die Saline dann von dem "Prinz Peter", der sie an eine "Kompanie Oldenburger Kaufleute" verpachtet habe. Aber auch ein "Verwalter Borchers" konnte die Saline nicht in die Gewinnzone bringen, sodass Prinz Peter sie am Ende ganz verkaufte. [1, Seite 136]

Guter Wille

Gekauft wurde die Saline dann im Revolutionsjahr 1848 von einem Kaufmann E. [?] Carstens aus Wangerooge. Dazu heißt es:

Inzwischen aber hätten "Holzwurm und Witterung" der Substanz der Anlagen zugesetzt. Als Produktionskapazität mit 14 bis 20 Arbeitern werden jährlich 500 Last [3] [4] "schneeweißes Kochsalz" angegeben, wegen des Oldenburger Salzmonopols aber dürfe er nur 150 Last produzieren. Die Oldenburger, ein eigenes Herzogtum zu der Zeit, importierten billigeres Salz aus dem "benachbarten Hannoverlande" und verkauften es mit großer Gewinnspanne im eigenen Land ("Groß sind die Prozente des Gewinns". Das Land würde die Last (ein Gewichtsmaß) für "plus minus" 25 Reichstaler einkaufen und für 52 Reichstaler weiter verkaufen. Doch sei dem Käufer der Saline, Herrn Carstens dieser Umstand bekannt gewesen, sodass er zu Klagen keine Berechtigung habe. [1, Seite 137]

Ende

Im Jahr 1854 war dann klar, dass die Saline wirtschaftlich nicht weiter betrieben werden könne. Zitiert nach Schmedes heißt es:

"Das Salinenwerk, welches einen Gestehungswert von 80.000 Reichstalern hatte und welches der Wangeroogeer Kaufmann, Gastwirt und nunmehrige Vogt 1848 für 6.000 Reichstaler kaufte, mußte wegen Unrentabilität aufgegeben werden. Die hiesigen klimatischen Verhältnisse sind für die Salzsiederei ungeeignet. Die Gebäude bleiben jedoch noch bis zum Jahre 1862 erhalten." [2, Seite 61]

Im Jahr 1855 schließlich findet man folgenden Text als Anzeige im Jeverschen Wochenblatt, aufgegeben vom Kaufmann Carstens, der die Saline 1848 erworben hatte.

"Meine hieselbst belegene Saline, bestehend in: 11 massiven Gebäuden, 2 hölzernen Wasserbassins mit Dächern, 3 hölzernen Wasserbassins ohne Dächer, 1 Gradirwerk 600 Fuß lang. Ferner sämtliche zur Saline gehörenden Gegenstände, worunter eine Dampfmaschine von 6-8 Perdekraft, Salzpfannen, eine complette Schmiede und ein großes Kammrad zu einer Roßmühle passend, soll unter der Hand verkauft werden. Kömmt ein Verkauf unter der Hand nicht zu Stande, so soll im Laufe dies Sommers ein öffentlicher Verkauf stattfinden. Wangerooge im Mai 1835. Gerd Carstens" [2, Seite 87]

Persönliche Anmerkung


 Portrait von Gunter Heim Wer spielerisch die Gewinnung von Salz aus Meerwasser nachempfinden will, dem sei ein einfacher Versuch empfohlen. Man besorgt sich einen Liter Wasser von einem echten Meer, etwa der Nordsee. Darin müssten typischerweise 30 bis 35 Gramm Salz enthalten sein. Wie aber kann man das Salz mit möglichst wenigen Kosten und möglichst in reiner weißer Form daraus gewinnen? Man kann das Salzwasser an der Luft verdampfen lassen, das aber dauert lange. Man kann es auf einem Backblech im Ofen verdampfen, das kostet viel Strom. Und in beiden Fällen fallen neben dem reinen NaCl auch andere, oft schmutzig wirkende und bitter schmeckende Bestandteile mit aus. Bei echten großen Salinen wurden beide Probleme oft über eine Saline gelöst. Es ist ein lehrreiches Projekt, die Gewinnung von Speisesalz in einem kleinen Maßstab einmal selbst zu versuchen. Einige erste Erfahrungen aus eigenen Bemühungen stehen im Artikel zum 👉 Salinitäts-Versuch

Fußnoten


  • [1] Vier eng bedruckte Seiten zur Geschichte der Saline finden sich in: Theodor Schmedes:
Die Insel Wangerooge nach ihrem früheren und gegenwärtigen Zustande. Erschlossen von Peter Sievert, Hannover. 1983. Dort auf den Seiten 135 bis 138. Ein Exemplar des Buches findet sich in der katholischen Bücherei auf der Insel Wangerooge (Stand 2026).
  • [2] Hans-Jürgen Jürgens: Wangerooger Chronik. 1850 - 1900. Erste Auflage von 2015. ISBN: 978-3-00-050902-5. Erhältlich in der katholischen Bücherei auf der Insel Wangerooge.
  • [3] Für das Herzogtum Oldenburg mit der Stadt Oldenburg wurden die Gewichtsmaße per Gesetz vom 19.6.1857 festgesetzt: 1 Schiffslast = 4000 Pfund = 38,43 mod. Zentner = 1,92 moderne Tonnen. In: Christian Noback und Friedrich Noback, Münz- Maaß- und Gewichtsbuch, Leipzig 1858, S. 539. Franz Engel, Tabellen, alte Münzen, Maße und Gewichts zum Gebrauch für Archivbenutzer, Rinteln 1965, S. 6-7. Fritz Verdenhalven, Alte Maße, Münzen und Gewichte aus den deutschen Sprachgebiet, Neustadt an. d. Aisch, 1968, S. 17-54. Einige Umrechnungen von Martin Teller. Online: https://www.stadt-land-oldenburg.de/gewichtsmasse.htm
  • [4] Mit 2000 Kilogramm gibt Peter Sievert das Gewichtsmaß der Last in seiner Aufbereitung von Schmedes' Handschriften an. In: Theodor Schmedes: Die Insel Wangerooge nach ihrem früheren und gegenwärtigen Zustande. Erschlossen von Peter Sievert, Hannover. 1983. Dort auf den Seiten 135 bis 138. Ein Exemplar des Buches findet sich in der katholischen Bücherei auf der Insel Wangerooge (Stand 2026). Dort auf Seite 9 in den Fußnoten.



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