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Metasystem-Transitionen


Evolution


Einführung


Von Atomen über kleine Molekülen zur RNA, von dort zur Zelle, zu vielzelligen Lebewesen und dann zu Gesellschaften: insbesondere in der angelsächsischen Literatur ist evolutionäre Transition, auch Metasystem-Transition genannt, ein fest etablierter Begriff. Die biologische Evolution wird dabei oft in die technologische und gesellschaftliche Sphäre hinein weiter gedacht. Dieser Sicht zufolge wird die Menschheit sehr wahrscheinlich einmal Teil eines heute noch spekulativen Überwesen sein.

Definition einer Metasystem-Transition


Ein System S', das aus Untersystemen[29] S sowie zusätzlich einem Kontrollmechanismus für das Verhalten und die Herstellung von S verfügt nennt man eine Metasystem. Wenn aus Systemen S ein solches Übersystem S' entsteht, spricht man von einer evolutionären Transition oder auch einer Metasystem-Transition[11]. Durch die Transition, kurz auch als MST bezeichnet, entsteht eine neue, höhere Ebene der Kontrolle[17]. Durch die Kontrolle seitens des Über-Systems kommt es oft auch zu einer Umgestaltung der vormals eigenständigen Komponenten[18], oft im Sinne einer Differenzierung[18][19].

Beispiel: von Molekülen zu Zellen


Wesentlich für eine Metasystem-Transition ist, dass bei der Verbindung von ehemals eigenständigen Individuen zu einem Metasystem, gleichzeitig Kontrollmechanismus des Systems über die ehemals eigenen Individuen ausbildet. Vor dem Beginn einer biologischen Evolution auf der Erde fand dieser Prozess auf der Ebene der Chemie statt. Vormals eigenständig evoluierende Moleküle, primitive Replikatoren (Selbstvermehrer) verbanden sich zu größeren Einheiten, etwa einem Chemoton:


Beispiel: von Einzellern zur Vielzellern


Auch bei der Vereinigung von Einzellern zu Vielzellern, gaben ehemals eigenständige Zellen Teile ihrer vorherigen Selbständigkeit und erlaubten eine Kontrolle durch den neu entstehenden Überorganismus[32]. Das augenfälligste Merkmal im Übergangsbereich von Einzellern zu Vielzellern ist aber wahrscheinlich die Ausbildung einer starken Arbeitsteilung[33], die aber nicht zwingend auftreten muss[19]. Oft entstehen dabei zentrale Nervensysteme, bis hin zu einem Gehirn[34]:


Beispiel: von Tieren zu Tierstaaten


Eine bemerkenswerte Wiederholung von Mechanismen auf höheren Stufen der Komplexität ist die Ausbildung einer Keimbahn[35]: von abermilliarden von Zellen eines individuellen Organismus, ist es nur das Erbmaterial von zwei Zellen, die ein neues Individuum bilden. Einen solchen zellulären Flaschenhals[36] zeigen auch manche stark individualisierte Tierstaaten auf einer nächsthöheren Stufe von Komplexität. Auch die innere Arbeitsteilung, etwa bei Insektenstaaten[41], sowie starke Kontrollmechanismen von der Gruppe auf das Individuum sind wieder gut erkennbar :


Beispiel: von Menschen zu Menschenstaaten


Die Vorfahren des Menschen zur Zeit der Dinosaurier[37] waren möglicherweise nachtaktive Insektenfresser mit wahrscheinlich nur schwach ausgebildeten Gruppenbanden. Irgendwann bildeten unsere Vorfahren dann stabile größere Gruppen. Diese Gruppen zeigten wahrscheinlich verbindende Rituale[38] sowie auch Formen einer sozialen Kontrolle[39]. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Arbeitsteilung[40]. Wieder erkennt man das Muster von Kontrollmechanismen und zunehmender Arbeitsteilung:


Beispiel: von Menschengruppen zu hypothetischen Überwesen (HMST)



Ideengeschichtliche Vorläufer der Metasystem-Transitionen


Spätestens seit der antiken griechischen Philosophie Platons und Aristoteles' ordneten abendländische, das heißt europäische, Naturphilosophen die unbelebten und belebten Dinge in eine Stufenfolge ein. Ganz unten standen die "niedersten" Pflanzen. Dann folgten "höherstehende Tiere", die Menschen, die Engel und ganz oben stand Gott. Die so gedachte Welt sah man in der christlichen Theologie als statisch an. Sie war also unveränderlich. Gottes Schöpfung, so die damalige Sicht, war vor allem eine Ort der Bewährung für den Menschen. Diese Scala naturae[15] als Rang- oder Stufenfolge prägte bis weit in das 19te Jahrhundert das Denken vieler Naturforscher. Erst die Evolutionstheorie von Charles Darwin sowie die Entdeckung der großen geologischen Zeiträume mit ihren untergegangenen Lebensformen und Landschaften förderten ernsthafte Zweifel an so einem statischen Bild der Schöpfung. Ausgestorbene Tierarten und Urmenschen passten nicht in das Bild einer statisichen, unverändlichen Welt. Heute denken Evolutionsbiologen und Geologen eher in Prozessen als in dauerhaft festen Ordnungen. Die Idee der Stufenfolge aber lebt weiter in der Idee von unterschiedlich großer Komplexität, wobei auf moralische oder religiöse Aspekte weitgehend verzichtet wird. Für die traditionelle Vorstellung lies mehr unter Scala Naturae ↗

Spekulationen: der Mensch und die nächste Metasystem-Transition


Bereits im 19ten Jahrhundert wurden Analogien zwischen lebenden Organismen einersetis und Unternehmen oder Staaten andererseis formuliert. Man sprach von der sogenannten organischen Theorie[16]. Aber erst seit den 1960er Jahren argumentieren Autoren wie zum Beispiel Joel de Rosnay[7], Hans Hass[8] oder Peter Russell[9] zunehmend auch naturwissenschaftlich und technisch. Sie skizzierten, wie die Konstrukte der Technosphäre - Unternehmen, Netzte, das Internet - zu Vorstufen neuer Lebensformen werden könnten. Der Niederländer op Akkerhuius versucht dafür einen nahtlosen Begriffsrahmen zu formulieren[5], in dem biologische und organisationale Entitäten zusammengefasst werden als Operatoren. In den Wirtschaftswissen werden Unternehmen zunehmend als darwinistisch interpretierbare Objekte gedeutet (Evolutionsökonomik) oder als organisationale Intelligenzen (Neuroökonomie). Die Informatik blickt auf das Phänomen mit einem Fokus auf dem Begriff der Information[1][10] und spricht etwa von einem Digitalen Organismus[14]. Die Idee eines entstehenden Überwesens auch biologischen, technischen und sozialen Teilen wird hier weiter betrachtet unter dem Stichwort HMST [Human Metamsystem-Transitionen] ↗

Fußnoten