Außenwelthypothese


Physik


Basiswissen


Die Idee einer Welt außerhalb unseres Bewusstseins: eine solche Welt außerhalb des Bewusstseins ist zunächst nur eine Annahme, eine Hypothese: für die meisten Menschen gilt es als offensichtlich, dass es eine Welt außerhalb unseres Bewusstseins gibt: ein Stein fällt auf den Fuß und tut weh. Den Stein gibt es wirklich. Doch tiefere Analysen zeigten immer wieder, dass es erhebliche theoretische Probleme mit der Vorstellung einer an sich existierenden Welt aus Materie ohne Beobachter gibt. Diese Vorsicht drückt man aus mit dem Wort Außenwelthypothese.

Traumwelt


Bereits von der griechischen Antike ist uns die Frage überliefert, ob die Welt vielleicht nur in unserer inneren Einbildung existiert. Vielleicht ist sie nur ein Traum oder von einem Gott erzeugte Vorstellung und besteht für sich alleine gar nicht? Diese Vermutung hat in der Philsophie und Erkenntnistheorie den Namen => Berkeley-Frage

Außenwelt


Die gegenteilige - und scheinbar naheliegende - Annahme, dass nämlich die Welt tatsächlich für sich alleine existiert und weder Götter noch unser Bewusstsein braucht, diese Idee nennt man die Außenwelthypothese. Sie bildet eine der Grundannahmen eines naiven Physikverständnisses. Klar enthalten ist die Hypothese beispielweise in Renes Descartes Idee einer => res extensa

Unwiderlegbar


Aussagen, dass die Welt für sich nicht existiert oder doch sind weder durch Beobachtungen noch durch Experimente überprüfbar. Versuche diese Frage empirisch zu beantworten sind deshalb nicht naturwissenschaftlich, sie gehören ins Gebiet der => Metaphysik

Ist die Außenwelthypothese eine Hypothese?


Streng genommen: nein. Eine Hypothese ist eine Aussage für die man zumindest theoretisch angeben kann, wie man ihre Gültigkeit überprüfen können. Das trifft auf die Außenwelthypothese nicht zu. Es gibt zur Zeit keine Idee zur Überprüfung ihrer Gültigkeit. Eine feste Annahme, die man aber nicht empirisch überprüfen muss nennt man ein => Axiom

Immanuel Kant


Der Philosoph Immanuel Kant (1724 bis 1804) beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern unsere Sinneseindrücke Erkenntnisse über die Objekte einer realen Außenwelt liefern können. Seine Philosophie ist insofern dualistisch als er eine Welt der Wahrnehmungen von einer Welt der existierenden Dinge abtrennt. Lies auch unter => Ding an sich

Ernst Mach


Der österreichische Physiker Ernst Mach (1838 bis 1916) fasste im 19ten Jahrhundert Probleme mit der Außenwelthypothese in einem Buch zusammen. Gleichzeitig entwarf er die Grundlinien einer Physik, die ganz auf die Annahme für sich alleine existierender materieller Gegenstände verziechtet. Viele Quantenphysiker des frühen 20ten Jahrhunderts sahen in Mach einen Wegbereiter ihrer Forschungen. Siehe auch => Ernst Mach

Franz Serafin Exner


Der österreichische Physiker Franz Serafin Exner (1849 bis 1926) erkennt als sicher nur unsere Sinneseindrücke an: "Die Welt der Empfinden in uns ist das unmittelbar Gegebene [2, Seite 281]". Daraus auf eine sie verursachende Außenwelt zu schließen hält er für logisch nicht zwingend, aber für "eine Theorie, die wir notgedrungen aufstellen, ohne deren Annahme aber jede menschliche Forschung überflüssig erscheinen müsste [2, Seite 282]". Der Naturforscher aber "weiß, daß jede Erkenntnis, auch die exakteste, in letzter Linie eine Theorie bleibt, die wie z. B. die Sätze der Mathematik, nur für denjenigen Gültigkeit besitzen, der gewisse Annahmen, Axiome, ohne weiteren Nachweis als richtig anerkennt. Wer die fundamentalen Axiome der Planimetrie leugnet, mit dem können wir uns über diesen Gegenstand überhaupt nicht verständigen [2, Seite 282]." Einen solchen Standpunkt nennt man auch => Pragmatismus

Quantenphysik


Einen handfesten Anlass, sich auch als Naturwissenschaftler mit dieser Frage zu beschäftigen bietet das Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon, kurz EPR, aus der Quantenphysik. Mehr unter => EPR

Literatur


◦ [1] Ernst Mach: Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen. Ersterscheinung: 1886.
◦ [2] Franz Serafin Exner: Vorlesungen über die physikalischen Grundlagen der Naturwissenschaften. Deuticke, Wien 1919, OBV. 37. Vorlesung. Hier speziell das Kapitel 37: Realität der Außenwelt. Summe der Materie in der Welt. Seite 287 bis 293.